Einfache Implementierung und Synchronisation machen die Bildverarbeitung für wesentlich mehr Applikationen interessant.

Einfache Implementierung und Synchronisation machen die Bildverarbeitung für wesentlich mehr Applikationen interessant. Redaktion IEE

Sind denn alle Funktionen der MVTec-Software auch bei Ihnen verfügbar oder nur die wichtigsten?

Andreas Waldl: Wir haben die komplette Halcon Library in Automation Studio integriert.

Anwender können dann Applikationen, die mit MVTec realisiert wurden, auf ihr System portieren?

Andreas Waldl: Prinzipiell besteht diese Möglichkeit, es wird jedoch noch etwas dauern, bis wir diese Option anbieten.

Diese Softwaretools sind meist sehr mächtig. Ein Automatisierungstechniker fühlt sich von der Parameterflut sicher erschlagen. Wie lösen Sie diesen Zielkonflikt? Durch Kapselung der Komplexität wie bei der mapp Technology?

Andreas Waldl: Wir sind hier unserem erfolgreichen mapp-Konzept gefolgt. Zum einen bewahren wir durch intelligent gewählte Voreinstellungen die Kunden davor, viele dieser Parameter überhaupt nutzen zu müssen. Zum anderen haben viele Tools, wie beispielsweise der Codereader, bereits sehr gute Optimierungsfunktionen, die anhand von Vergleichsbildern die notwendigen Parameter auf Geschwindigkeit und Stabilität optimieren. Dazu kommt die einfache Einbindung in das Automatisierungssystem durch die vollständige Integration. Die klassische Programmierarbeit wird dadurch drastisch reduziert.

Von welcher Zeitersparnis gehen Sie bei der Applikationserstellung aus, im Vergleich zu bisherigen Lösungen?

Andreas Waldl: Bei mapp Technology gibt es aussagekräftige Untersuchungen, die von einem unabhängigen Institut durchgeführt wurden. Demnach können bis zu 2/3 der Entwicklungszeit für die Applikationssoftware gespart werden. mapp Vision sorgt für noch mehr Zeitgewinn, alleine schon deswegen, weil die aufwendige Integration wegfällt. Der Extremfall war eine Pilot-Applikation für die der Kunde bisher bis zu drei Wochen benötigt hat. Wir haben diese an nur einem Tag umgesetzt.

Ich kenne keinen Kamerahersteller, der 16- Hochleistungs-Multicolor-LEDs in seine Kamera einbaut.

Ich kenne keinen Kamerahersteller, der 16- Hochleistungs-Multicolor-LEDs in seine Kamera einbaut. Redaktion IEE

Und auf der SPS IPC Drives haben Sie die Potenziale anhand einiger Demos gezeigt.

Andreas Waldl: Zielsetzung der Demos war, die Integration in das B&R-System zu verdeutlichen. Daneben haben wir auch Features, wie das leistungsfähige Backlight mit seiner homogenen Ausleuchtung, aufgezeigt und wie einfach sich mit unserer Balkenleuchte der Beleuchtungswinkel und die Belichtungszeiten reproduzierbar verstellen und einstellen lassen – bis hin zur Anpassung der Lichtfarbe und welchen Einfluss das auf das Messergebnis hat.

Sie sprechen mal von einem Smart Sensor dann von einer Smart Camera. Was sind denn die Unterschiede?

Andreas Waldl: Unser Smart Sensor kann immer nur eine Bildverarbeitungsfunktion ausführen, etwa Matching, Model based Blob, OCR, Code Reading oder Measurement. Welche Funktion der Kunde letztlich aufspielt legt er erst bei der Projektierung in Automation Studio fest. Diese Limitierung auf eine Funktion ermöglicht eine kostengünstige Variante mit kleinerem Prozessor und Speicher und gibt dem Kunden die Flexibilität, nur ein Gerät auf Lager halten zu müssen. Bei einer Smart Camera können diese Funktionen kombiniert werden. Das erfordert mehr Speicher und üblicherweise auch mehr Rechenleistung.

Parallel haben Sie auch eine Objektiv-Serie mit C-Mount-Anschluss.

Andreas Waldl: Sowohl Smart Sensor als auch Smart Camera gibt es jeweils in zwei Ausprägungen: entweder mit integriertem Objektiv oder mit C-Mount-Anschluss. Wir bieten eigene C-Mount-Objektive an und für spezielle Anforderungen, zum Beispiel telezentrische Objektive oder Objektive mit besonders großer Blendenöffnung, kann der Anwender auf das breite Angebot an Objektiven von Drittherstellern zurückgreifen.

Wieviel Pilotprojekte haben sie letztes Jahr denn realisiert?

Andreas Waldl: Ich habe bewusst Applikationen in der Breite gesucht, um alle Anforderungen abzudecken. Jede Branche benötigt ein oder mehrere Funktionen in unterschiedlichen Leistungsabstufungen. So konnten wir viel Input zur Abrundung der Funktionen sammeln. Wir haben zum Beispiel Pilotkunden in der Druckindustrie, im Bereich Food & Beverage und in der Verpackungsbranche.

Und haben Sie dabei schon die Grenzen Ihres Systems ausloten können?

Andreas Waldl: Mit unseren fünf Hauptfunktionen 1D- und 2D-Codeerkennung, OCR, Blob, Measurement und Matching konnten wir bisher alle Anforderungen an einen Sensor abdecken. Insbesondere für Smart-Kamera-Anwendungen werden wir demnächst noch weitere Funktionen vorstellen.

Ihre Entwickler arbeiten also schon am nächsten Update.

Andreas Waldl: Das ist richtig. Wir werden den Funktionsumfang unserer Vision-Software laufend erweitern. In Form von Technologiepaketen können die Updates dann in Automation Studio geladen werden und stehen dann dem Anwender zur Verfügung.

Das Interview führte Chefredakteur Stefan Kuppinger

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