Florian Huter, Inhaber der FHP Consulting, München.

Florian Huter, Inhaber der FHP Consulting, München.FHP

Herr Huter: Dienstleister mit Schwerpunkt Elektronikfertigung gibt es in Deutschland geschätzt 7.000 Anbieter. Was ist das besondere an Ihrem Beratungskonzept?

Ob Ablaufoptimierung, Organisationsentwicklung oder Mitarbeiterbeschaffung – FHP Consulting bietet alle drei Leistungsbereiche aus einer Hand. Hier besteht das größte Einsparpotenzial für Unternehmen. Ich verfolge damit einen ganzheitlichen Ansatz für kleine und mittelständische Unternehmen, speziell in der Elektronikfertigungsbranche und im Bereich Produktion. Gerade Kleinunternehmen können sich keine eigene Abteilung für Produktionscontrolling oder Personal leisten, meine Leistungsbausteine sind flexibel und nur bei Bedarf buchbar und damit eine kostengünstige und risikolose Alternative.

Sie waren bei namhaften Firmen wie der Sanmina-SCI, Citycom, das zur Kathreingruppe gehört, und Physik Instrumente über 10 Jahre in leitender Funktion tätig, zuletzt als Produktionsleiter für 110 Mitarbeiter. Inzwischen sind Sie als Berater tätig. Worauf kommt es Ihnen dabei an?

In einem Projekt bestand ein Gleitzeitmodell mit dem daraus resultierenden Problem, das wohl jeder kennt. Entweder es gab Arbeit, aber keine Mitarbeiter oder keine Arbeit, dafür waren die Mitarbeiter vor Ort. Nach der Leistungsauswertung habe ich ein Produktionsmanagementsystem eingeführt, so konnten wir optimal vorausplanen, Leerläufe vermeiden und die Mitarbeiter gezielt einsetzen. Unterm Strich erreichten wir eine um 10 % gesteigerte Produktivität im Bereich elektronische Baugruppenfertigung.

In einem anderen Projekt habe ich eine historisch gewachsene Baugruppenstruktur nachhaltig optimiert. Es gab unnötige Buchungsvorgänge und nutzlose Lagerbewegungen. Früher machte dies systembedingt Sinn, inzwischen hat sich das Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) jedoch geändert. Es spart den Mitarbeitern Zeit und dem Betrieb Geld auf solche Entwicklungen zeitnah zu reagieren. Ich konnte so die Fertigungskosten für industrielle Verstärker um 15 % senken.

Sie werben auf Ihrer Homepage damit, dass Sie die Herstellkosten senken, vor allem aber bei den Gemeinkosten ansetzen. Was spricht für diese Herangehensweise?

Viele Anbieter konzentrieren sich auf die Einzelkosten. Wie lange ein Mitarbeiter für einen bestimmten Fertigungsvorgang benötigt, ist sehr leicht transparent zu machen. Die Gemeinkosten hingegen werden häufig als gegeben betrachtet. Von dieser Denkweise müssen wir uns verabschieden.

Erfahrungsgemäß besteht gerade hier hohes Einsparpotenzial, das sich wiederum auf die Produktivität in der Fertigung positiv auswirken kann. Daher empfehle ich meinen Kunden immer eine umfassende Leistungsauswertung aller Herstellprozesse.

Produktionscontrolling in Kombination mit Mitarbeiterbeschaffung und -motivation. Wie bringen Sie das unter einen Hut?

Zwischen schlanken Abläufen und motivierten Mitarbeitern besteht ein häufig nicht beachteter, aber ganz klarer Zusammenhang. Die Mitarbeiter wissen genau, welche Tätigkeiten Zeitverschwendung sind und welche wertschöpfend. Zuviel Muda (japanisch für Verschwendung) in der tägliche Arbeit wirkt demotivierend.

Im ersten Schritt erstelle ich eine fundierte Leistungsauswertung und wähle geeignete Kennzahlen. Das sorgt für Transparenz und schließt subjektive Fehleinschätzungen aus. Wichtig ist, Mitarbeiter, die sich selbst und ihre Ideen einbringen, Abläufe verbessern und so die Produktivität steigern, zu belohnen. Kennzahlen eignen sich sehr gut zur Motivation von bestehenden Mitarbeitern und zur Einarbeitung von neuen Mitarbeitern.

Aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels ist es gerade für kleinere Firmen nicht leicht, geeignetes Personal zu finden. Wie suchen Sie und vor allem, wie finden Sie?

Aufgrund 10-jähriger Erfahrung in der Mitarbeiterauswahl und -führung verfüge ich über ein sehr gutes Gespür, welche Kandidaten zu welchem Unternehmen passen und welche nicht. Entscheidend sind eine klare Formulierung des Anforderungsprofils sowie ausführliche persönliche Gespräche, die ich zur präzisen Vorauswahl mit den Bewerbern führe. Das spart meinen Kunden Zeit und Geld.

Beispielsweise habe ich innerhalb von zwei Monaten die Fertigungskapazität eines Mittelständlers von 80 auf 110 Mitarbeiter erweitert, mit einer Übernahmequote von 100 % nach der Probezeit. Zuletzt habe ich innerhalb kurzer Zeit einen Fertigungsleiter gewonnen, der später dem Inhaber als Geschäftsleiter nachfolgen soll. Letzterer war begeistert, auch ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, gerade die Unternehmensnachfolge ist häufig ein sensibles Thema.

Welche Fehler sollten Unternehmen im Bereich Produktionscontrolling und Mitarbeitergewinnung und -führung vermeiden?

Wichtig ist, dass Personalzuständige anfangen umzudenken. Der Fokus sollte weg von 10 Jahre alten Zeugnissen hin zu dem, was der Bewerber wirklich zu bieten hat. Gerade ein mutiger Jobwechsel kann für einen interessanten Kandidat mit sehr viel Erfahrung sprechen. Jede Führungskraft sollte sich klarmachen, dass die eigenen Mitarbeiter immer wieder von Neuem zu motivieren, eine wesentliche Kernaufgabe ist. In den produktionsunterstützenden Bereichen beobachte ich sehr oft, dass Vorgesetzte Mitarbeiter nach dem Motto beurteilen, wer viel Überstunden leistet, ist hoch motiviert. Das ist grundlegend falsch.

Null Überstunden können auch für höchste Effizienz stehen. Wir müssen weg von uneffektiven Überstunden zu einer menschlichen Work-Life-Balance. Lieber Mitarbeiter, die motiviert 40 Stunden arbeiten, statt Mitarbeiter, die demotiviert 60 Stunden pro Woche anwesend sind — davon profitiert auch das Unternehmen.

Wie bleibt die Elektronikfertigungsbranche in Deutschland für die kommenden Jahre wettbewerbsfähig?

Punkt eins, Unternehmen sollten jetzt aktiv dem Fachkräftemangel vorbeugen, damit das eigene Wachstum nicht ausgebremst wird. Punkt zwei, wir befinden uns in einer Hochphase, die wird nicht ewig anhalten. Es ist daher wichtig, die Abläufe jetzt zu prüfen und zu verschlanken.

Wie stehen Sie zum Thema Lean Management im EMS-Bereich?

Lean Management (LM) ist Teil meines Ansatzes und ideal geeignet für die Fertigung von Großserien, beispielsweise in der Automobilbranche. Bei Kleinserien stehe ich LM jedoch mit Bedacht gegenüber. Bei der High-Endfertigung mit sehr kleinen Stückzahlen kann für die Kundenzufriedenheit und -bindung eine hohe Flexibilität sehr wichtig sein. Wer die Bestände nach dem LM-Ansatz radikal reduziert, provoziert Engpässe. Ich prüfe deshalb stets den Einzelfall direkt vor Ort und entwickle LM für jedes Unternehmen individuell weiter.

Gibt es auch Kundenwünsche, die Sie ablehnen?

Mit FHP Consulting möchte ich Kapazitäten für ein gesundes und nachhaltiges Wachstum in der deutschen Elektronikbranche freisetzen und entwickeln, das Mitarbeitern, Führungskräften und dem jeweiligen Unternehmen als Gesamtorganisation zu Gute kommt. Daher wird es mit mir kein Outplacement geben.