Dieses prozessorientierte Programmieren ist in Automation Studio integriert?

Markus Sandhöfner: Ja, wir stellen dazu sogenannte Prozesslayer-Funktionsbausteine bereit. Mit ihnen lassen sich solche Standardanwendungen mit einem sehr geringen Programmieraufwand für die Applikationssoftware umsetzen. Sämtliche Grundfunktionen werden von der System-Software bereit gestellt und müssen nicht applikativ implementiert werden.

Wie ist ein Shuttle softwaretechnisch repräsentiert?

Robert Kickinger: Jedes Shuttle wird in der Steuerung durch eine benutzerdefinierbare Datenstruktur repräsentiert, die alle relevanten Informationen umfasst. Die Daten sind auf der Steuerung abgelegt und werden abhängig vom Bearbeitungsfortschritt oder auch von der Position auf dem Track entsprechend beeinflusst.

Und wie werden die Shuttles im System identifiziert?

Markus Sandhöfner: Beim Hochlauf erkennt das System über die Wechselwirkung des Motorstators mit den Shuttle-Magneten, wie viele Shuttles sich auf dem Track befinden und nummeriert diese virtuell durch. Das ist dann die eindeutige ID, die ein Shuttle behält, solange die Elektronik mit Spannung versorgt ist. Optional ist es auch möglich, jedes Shuttles hardwareseitig mit einer eindeutigen ID zu versehen.

Mehrere Shuttle lassen sich auch zu größeren Einheiten kombinieren.

Mehrere Shuttle lassen sich auch zu größeren Einheiten kombinieren. Redaktion IEE

Und bei einem Stromausfall?

Robert Kickinger: Im Zwischenkreis oder über eine kleine USV ist genügend Energie vorhanden, um die Anlage geordnet in den Stillstand zu fahren.

Und das System ist schon bei Kunden im Einsatz?

Markus Sandhöfner: Erste Prototypenanwendungen in verschiedenen Branchen, zum Beispiel in der Abfülltechnik, Etikettierung und Montageautomation, wurden bereits erfolgreich umgesetzt. Parallel dazu sind viele Projekte gerade in der Entwicklung beziehungsweise Evaluierung. Der Punkt ist: Eine grundlegend neue Technologie wie ACOPOStrak erfordert es, den Maschinenprozess von Grund auf neu aufzubauen. Einfach aus einer bestehenden Maschine den bisherigen Materialtransport herauszunehmen und ACOPOStrak reinzubauen, wäre zu kurz gesprungen und würde das Potenzial unseres Systems bei weitem nicht ausschöpfen.

Robert Kickinger: Wenn man die Flexibilität der Hochgeschwindigkeits-Weiche nutzen und parallele Stationen bedarfsorientiert ansteuern will, läuft es auf ein neues Maschinenkonzept hinaus. Und so eine Maschinenentwicklung braucht eine gewisse Entwicklungszeit. Aber mit ACOPOStrak werden Maschinen künftig sehr viel schneller realisierbar und vor allem lassen sie sich flexibler an die Anforderungen neuer Produkte anpassen und auf den Markt bringen.

Beidseitig angebrachte Magnete sind Voraussetzung für die Weichen-Funktion.

Beidseitig angebrachte Magnete sind Voraussetzung für die Weichen-Funktion. Redaktion IEE

Also nicht mehr die bislang üblichen zwei, drei Jahre Entwicklungszeit?

Markus Sandhöfner: Das kann in Zukunft innerhalb von einem Jahr oder noch schneller passieren. Durch eine Standardisierung auf der Shuttle-Seite und auf der Stationsseite können Maschinenbauer schnell den Materialfluss und die Prozessschritte modifizieren. Selbstredend verkürzt das die Entwicklungszeiten und Projektlaufzeiten dramatisch.

Robert Kickinger: Und nicht nur bei den Maschinenbauern. Deren Kunden können ebenso ihre neuen Produkte auf den bestehenden Maschinen deutlich schneller implementieren.

Markus Sandhöfner: In vielen Marktsegmenten gibt es die Herausforderung, Produkte, die heute noch gar nicht spezifiziert sind, in einigen Jahren auf den jetzigen Maschinen produzieren zu müssen. Das geht nur mit Maschinen, die sich einfach an die geänderten Prozesse anpassen lassen. Diese Anpassungsfähigkeit wird ein wesentlicher Punkt bei der Maschinenauswahl. Und hierfür schafft ACOPOStrak die besten Voraussetzungen.

Das Interview führte

Chefredakteur Stefan Kuppinger.


 

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