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15 Jahre PXI, das muss gefeiert werden.
Die PXI-Geburtstagstorte war sicher nichts für Kalorienbewusste.
Auch mit knapp 69 Jahren immer jung und dynamisch: Dr. Truchard (rechts) auf dem NI Day in Zürich Anfang März 2012, begrüßt vom Moderator Rahman Jamal.

Auch mit knapp 69 Jahren immer jung und dynamisch: Dr. Truchard (rechts) auf dem NI Day in Zürich Anfang März 2012, begrüßt vom Moderator Rahman Jamal.National Instruments

all-electronics: Dr. Truchard, wie liefen die Geschäfte 2011 in Deutschland und der Schweiz?

Dr. Truchard: Wir geben für die Schweiz und Deutschland zwar keine offiziellen einzelnen Umsatzzahlen bekannt, aber ich kann Ihnen versichern, dass die beiden Länder 2011 trotz schwierigem Umfeld in Europa sehr erfolgreich in ihrem spezifischen Marktsegment tätig waren. Beide Nationen blieben stark im Export und die Inlandstimmung war mehrheitlich positiv. Jeder weiß: Was heute nicht entwickelt wird, steht morgen nicht zur Verfügung! Bei R & D zu sparen, empfehle ich deshalb niemandem. NI gibt insgesamt etwa 16 % des Umsatzes für R & D aus. Wir profitieren zudem von der Tatsache, dass Deutschland die stärkste Industrienation in Europa ist und dass wir in München eine eigene große Niederlassung haben, die sehr aktiv ist. In der Schweiz befindet sich unsere erfolgreiche Niederlassung in Ennetbaden bei Zürich.

all-electronics: Die äußerst wichtige deutsche Automobil-Branche boomt richtiggehend. Wie positionieren Sie sich dort?

Dr. Truchard: NI ist sehr stark bei der Entwicklung der nächsten Automobil-Generation – sprich Elektro- und Hybridfahrzeugen – involviert und bietet die richtigen und vor allem zeitsparenden Entwicklungs- und Testsysteme aus einem Guss an. Dieses Argument findet natürlich auch in den anderen High-Tech-Branchen Anklang, so dass wir generell positiv in die Zukunft schauen. Interessant: Obwohl die deutschen Autos bekanntlich nicht zu den preisgünstigsten gehören, sind Marken wie Mercedes, VW/Audi, BMW, Porsche und so weiter auf der ganzen Welt besonders gefragt. Qualität und langanhaltendes gutes Image zahlen sich eben aus.

all-electronics: Welche Investitionen tätigen Sie im Herstellerbereich?

Dr. Truchard: Ein beträchtlicher Teil der NI-Hardware wird derzeit in Ungarn gefertigt. Dieses Werk kommt infolge der großen Nachfrage nun an seine Kapazitätsgrenzen. Deshalb haben wir uns entschlossen, in Penang/Malaysien ein neues Werk zu erstellen, welches als Second Source das Werk in Ungarn entlasten soll, aber auch spezielle NI-Produkte dort fertigen wird. In den EU-Standort Ungarn werden wir im eigenen Interesse weiter investieren.

all-electronics: Wie schätzen Sie das weitere generelle Wachstum von NI ein?

Dr. Truchard: Generell gilt, dass wir weltweit weiterhin durch Eigenleistung organisch wachsen und entsprechende Investitionen tätigen wollen. Wenn sich jedoch eine gute Gelegenheit ergibt, übernehmen wie – wie kürzlich geschehen – auch mal eine fremde Firma, vorausgesetzt deren Portfolio passt zu unserer Strategie und zu unseren Produktideen. Natürlich sind auch BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) stark in unserem Fokus. Im Gegensatz zu Europa erzielen diese Staaten immer noch beträchtliche Wachstumsraten. Wir sind auch personell global gut aufgestellt. Das internationale Management besteht nicht nur aus Amerikanern. In vielen Ländern leiten lokale Manager vor Ort ihre Geschäfte. Ein Beispiel: Unser COO ist aus Irland, der Vice President of Sales & Marketing Europe stammt aus Europa und so weiter. Unser Motto: Think global, act local.

NI Mit-Gründer, President und CEO, Dr. James Truchard, hat die Bodenhaftung nie verloren und arbeitet in seinem Cubicle in Austin/Tx in Mitten seiner Mitarbeiter.

NI Mit-Gründer, President und CEO, Dr. James Truchard, hat die Bodenhaftung nie verloren und arbeitet in seinem Cubicle in Austin/Tx in Mitten seiner Mitarbeiter.National Instruments

all-electronics: Ein zurzeit viel diskutiertes Thema: Wie sieht es beim Anteil weiblicher Manager und Ingenieure in Ihrem Unternehmen aus?

Dr. Truchard: (schmunzelt) 1985 waren 47 Prozent (!) der Ingenieure und Manager bei NI weiblichen Geschlechts. Diesen Prozentsatz konnten wir im Laufe der Jahrzehnte natürlich nicht mehr einhalten. Ein Grund ist, dass es gerade in der Elektronik auffallend wenige Ingenieurinnen und erfahrene Managerinnen gibt. Wenn es mehr wären, würden wir sie noch so gerne einstellen. Den heutigen Prozentsatz bei NI kenne ich leider nicht genau. Diesen geringen Prozentsatz findet man nicht nur bei uns, sondern bei vielen High-Tech-Unternehmen. Frauen werden bevorzugt Anwältinnen, Ärztinnen, Architektinnen und so fort. Schauen Sie nur mal in Ihrem eigenen Umfeld, wie viele Elektronik-Ingenieurinnen kennen Sie persönlich? Unsere Geschäftsstelle in München unternimmt jedoch sehr viel, um der Damenwelt die Elektronik näherzubringen. Da liegt noch ein riesiges Potenzial brach, welches wir ausnützen wollen.

all-electronics: Stimmt es, dass Sie als CEO bei NI kein Gehalt beziehen?

Dr. Truchard: Nicht ganz. Ich erhalte nämlich ein Gehalt von sage und schreibe 1 Dollar pro Jahr! Am 25. Juni dieses Jahres werde ich 69, habe aber immer noch sehr viel Freude bei meiner Arbeit. Ich bin Großaktionär bei NI und ich sagte schon immer, dass ich nur einen Job ausführen will, den ich auch wirklich liebe; (Originalton: I really enjoy what I do). Es ist immer noch sehr spannend zu sehen, welche anspruchsvollen Applikationen unsere Kunden mit unseren Tools realisieren. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen und dies hält jung. Übrigens, jung sein hat nichts mit der Anzahl Jahre zu tun, sondern ist eine Geisteshaltung.