Was kann Human Centric Lighting im Auto leisten?

Dr. Stefan Kampmann: Das Auge nimmt mit speziellen Rezeptoren den täglichen Farblichtverlauf des Himmelslichts wahr und gibt der inneren Uhr entsprechende Signale. Mit entsprechend angepasstem Licht  können wir die innere Uhr gezielt beeinflussen. Das hilft beispielsweise, um Jet Lag schneller zu überwinden oder ganz zu vermeiden. Wir diskutieren derzeit in diesem Sektor viele hochspannende Themen mit Kunden. Wir machen gerade ein durchaus starkes Interesse an RGB-LED-Konzepten für den Innenraum zur Stimmungsanpassung aus. Das trägt auch dem starken Wunsch der Nutzer nach Individualisierung Rechnung. So kann beispielsweise beim Carsharing ein stark standardisiertes Fahrzeug zum Einsatz kommen. Es ließe sich aber lichttechnisch personalisieren und automatisch beispielsweise den bekennenden Bayern-München-Fan mit rotem Licht, den Dortmund-Fan mit gelbem Innenraumlicht begrüßen.

„Lidar ist im Augenblick die Hype-Technologie für autonomes Fahren.“

„Lidar ist im Augenblick die Hype-Technologie für autonomes Fahren.“ Alfred Vollmer

Welche Trends sehen Sie bei optischen Sensoren?

Dr. Stefan Kampmann: Beim autonomen Fahren ist Infrarotlicht sehr wichtig für die Funktion der notwendigen Sensoren. Das gilt selbst für den Innenraum, zur Erkennung der aktuellen Fahrerposition. Hier sind wir ganz frisch im Cadillac CT6 für dessen System zum teilautonomen Fahren vertreten. Mit unsren Infrarot- und LED-Komponenten im Lenkrad vergewissert sich der Bordcomputer, dass der Fahrer die Straße vor sich im Blick behält, wenn das freihändige Fahren aktiviert ist.

Im Außenbereich befinden sich Lidar-Sensoren gerade im Fokus. Lidar ist im Augenblick die Hype-Technologie für autonomes Fahren.

Wir gehen davon aus, dass erste große Lidar-Stückzahlen Mitte kommenden Jahrzehnts kommen. Allerdings haben vollautomatisierte Robocars ganz andere Anforderungen als klassische Fahrzeuge, in denen Lidar Teil der ADAS-Funktionalität ist. Gerade, wenn der Fahrer als Fallback-Lösung wegfällt, ergeben sich bei entsprechend schlechten Umweltbedingungen wie Schneefall oder starkem Regen ganz besondere Herausforderungen für die Sensoren. Hier sind zueinander redundante Systeme wie Video, Radar und Lidar für eine sichere Umgebungserkennung gefordert.

Welche Position und Funktion hat Osram bei Lidar auf dem Markt?

Dr. Stefan Kampmann: Bei Lidar haben wir eine einzigartige Positionierung. Wir sind führend bei den Laserdioden für Lidar-Systeme und beliefern damit die Mehrheit aller am Markt aktiven und forschenden Unternehmen. Damit wir mit den Kunden auf Augenhöhe die Systemlösungen diskutieren können, haben wir in den letzten Jahren mehr und mehr Applikation- und Systementwicklungsingenieure eingestellt. So können wir aus diesem Systemverständnis heraus die Spezifikation für unsere Komponenten frühzeitig ableiten.

„Unsere besondere Aufstellung hat uns zur globalen Nummer eins für Autolicht gemacht.“

„Unsere besondere Aufstellung hat uns zur globalen Nummer eins für Autolicht gemacht.“ Alfred Vollmer

Zudem sind wir noch an einigen Start-ups beteiligt, und wahrscheinlich haben wir den besten Blick in die Szene, jedenfalls kennen wir alle neuen Player und Entwicklungen sehr früh. Wir haben uns am kanadischen Start-up Leddartech mit seiner großen Expertise bei der Signalauswertung beteiligt, ebenso am Münchner Start-up Blickfeld, die innovative Ideen zur Strahlführung verfolgen. Daneben halten wir noch Unternehmensanteile an Tetravue in Kalifornien. Die entwickeln Lidar nicht nur für Fahrzeuge, sondern auch für Logistikanwendungen im Innenbereich. Da haben wir natürlich ebenfalls großes Interesse, denn etwa die Hälfte unseres Umsatzes machen wir schließlich außerhalb des Automobilbereichs.

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