Was bedeutet diese Aufteilung für ihr Automotive-Geschäft?

Dr. Stefan Kampmann: Unsere besondere Aufstellung hat uns zur globalen Nummer eins für Autolicht gemacht. Unsere Kunden profitieren davon, dass wir im schnelllebigen Consumer-Bereich ebenfalls eine starke Position haben. Dort sind die Produktzyklen sehr kurz und die Innovationsgeschwindigkeit daher sehr hoch. Gesten- oder Gesichtserkennung für Handys werden im Jahresrhythmus entwickelt. Wenn eine derartige Funktionalität im Auto gefragt ist, dann sind wir natürlich als zertifizierter Zulieferer auch ein bevorzugter Ansprechpartner, solche Funktionalitäten daraufhin anzupassen. Das macht unsere Position so einzigartig.

Wie schnell wir entwickeln, zeigt sich gut am Beispiel unseres Laserlichtportfolios, das nun in unserem Joint Venture Osram Continental vermarktet und weiterentwickelt wird. Wir waren die ersten, die mit einem Lasermodul die Fernlichtreichweite auf 600m gegenüber LED verdoppelt und im Vergleich zu Halogen vervierfacht haben. Das ist gerade einmal drei Jahre her. Trotzdem haben wir inzwischen schon zwei weitere Laserlichtgenerationen entwickelt.

Wo sehen Sie darin den besonderen Benefit für die Automotive-Industrie?

Dr. Stefan Kampmann: Wir bieten Innovationen in kurzen Taktzyklen, liefern diese dann aber natürlich in der gewohnten Qualität zuverlässig über Jahre hinweg. Und wir profitieren davon, dass sich Entwicklungen aus unseren anderen Bereichen auf die Autoindustrie übertragen lassen. Neben dem genannten Consumer-Bereich lassen sich auch Entwicklungen aus anderen Feldern auf die Autoindustrie übertragen.

„Scheinwerfer sind nicht unser Betätigungsfeld. Daher wird Osram Continental auch keine Scheinwerfer für OEMs liefern.“

„Scheinwerfer sind nicht unser Betätigungsfeld. Daher wird Osram Continental auch keine Scheinwerfer für OEMs liefern.“ Alfred Vollmer

Lidar entwickeln wir zum Beispiel auch schon länger für den Industriebereich. Die Technik kann dort genutzt werden, um Personen und Gabelstapler in Lagerhäusern präzise zu verorten und zu leiten. Ähnliche Anwendungen helfen schon heute den Mitarbeitern im Versandhandel, Wege zu optimieren. Selbst für unseren Entertainment-Bereich, also die Bühnenbeleuchtung, gibt es Synergien. Derzeit wird das Verfolger-Spotlicht im Theater meist manuell geführt, aber mit hochauflösender Lidar-Technik ließe sich das elektronisch und damit viel ruhiger steuern. In diesen Bereichen erzielen wir zwar nicht die Stückzahlen wie bei Automotive, aber wir gewinnen viel Detail- und Applikationswissen. Wir profitieren davon, unser Know-how und unsere Technologien in viele verschiedene Anwendungsbereiche zu überführen.

Warum wurde das Joint-Venture Osram Continental gegründet?

Dr. Stefan Kampmann: Der Wandel von klassischen Beleuchtungslösungen zu halbleiterbasierten Technologien und die zunehmende Bedeutung von Software und Elektronik beeinflussen die Automobilindustrie maßgeblich. Das  verändert auch das Lichtgeschäft innerhalb der Branche. Ähnlich wie in der Allgemeinbeleuchtung bewegt sich der Markt hin zu halbleiterbasierten Lichtlösungen.

Das Thema Licht wird also in der kommenden Zeit durch die Elektronik einen massiven Schub erhalten und ist eines der spannendsten Wachstumsfelder. Daher haben wir mit Continental eine Gemeinschaftsfirma für intelligente Lichtlösungen im Automobilbereich gegründet. Durch die Kombination unserer Expertise gehen wir in der Wertschöpfung weiter; aber vor allem sind wir schneller, denn nun können wir schon gleichzeitig mit neuen Lichtmodulen die passende Intelligenz dazu entwickeln.

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