Auf dem G7-Gipfel traten die handelspolitischen Verwerfungen zwischen den einzelnen Beteiligten deutlich zutage. Wie stark machen sich außenpolitische Unwägbarkeiten in der Distribution bemerkbar?

Der Einfluss der Außenpolitik auf das Distributionsgeschäft wird im Moment eher überschätzt. Wir hatten zum Beispiel gedacht, dass die Brexit-Diskussion unseren Markt deutlich beeinflussen würde, aber bisher lässt sich das nicht feststellen. Auch der Handels- und Zollstreit mit den USA wird wohl kaum Auswirkungen auf unser Geschäft haben. Von drohenden Strafzöllen könnte womöglich die Autoindustrie betroffen sein, die restliche Industrie eher nicht. Schließlich sind viele Produkte, die Deutschland exportiert, so hochwertig, dass man sie man nicht ohne Weiteres ersetzen kann. Kommt es zu Auswirkungen auf die Automobilindustrie, kann sich das zwar auf dem generellen Komponentenmarkt niederschlagen, doch es ist schwer, einen direkten Zusammenhang zwischen der politischen Ebene und dem Distributionsgeschäft herzustellen.

Was durchaus zu den Unwägbarkeiten des Halbleiter-Markts beitragen kann, ist die Tatsache, dass mittlerweile mehr als die Hälfte des damit verbundenen Geschäfts in China stattfindet. Consumer-getriebene Unternehmen wie Apple und große Contract-Manufacturer wie Foxconn verfügen über eine gewaltige Marktmacht. Wenn bei Kunden dieses Kalibers der Bauteil-Bedarf enorm steigt, kann das die Verfügbarkeit in Europa oder Amerika durchaus beeinträchtigen.

Zuletzt war die Lieferlage recht angespannt. Was hat dazu geführt?

Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich. Zum einen besteht auf der Kundenseite ein starker Bedarf, der sich weltweit bemerkbar macht. Getrieben wird er vom Consumer-Geschäft, also etwa PCs, Smartphones oder Tablets. Hier findet gerade ein Generationswechsel statt, der enorme Auswirkungen auf den Komponentenbedarf hat, ob bei Halbleitern oder passiven Komponenten.

Distribution

Georg Steinberger, Vorstandsvorsitzender des FBDi, warnt davor, zu direkte Schlussfolgerungen zwischen politischen Krisen und dem Distributionsgeschäft zu ziehen. FBDi

Zusätzlich haben die vielen Akquisitionen der letzten Jahre durch die damit einhergehenden Portfolio-Bereinigungen dafür gesorgt, dass viele Bauelemente nicht mehr verfügbar waren. Die Auswirkungen der Neuinvestitionen sind nach allgemeiner Meinung wohl frühestens nächstes Jahr zu spüren.

2017 war, was den Umsatz angeht, ein gutes Jahr für deutsche Distributoren. Was erwarten Sie für 2018?

Im ersten Quartal 2018 ist der Umsatz um rund 7 Prozent gestiegen. Ich denke, von einem ähnlichen Wachstum können wir auch für das restliche Jahr ausgehen. Wir beobachten einerseits, dass die Hersteller die Preise erhöhen, was einen Teil des Wachstums ausmacht. Wir müssen allerdings auch damit rechnen, dass die Verfügbarkeit das Wachstum etwas begrenzt. Ein mittleres einstelliges Wachstum im Bereich von 5, 6 oder 7 Prozent ist vor diesem Hintergrund gut vorstellbar.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Themen in der nächsten Zeit für Distributoren wichtig werden.

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