all-electronics hat eine Umfrage bei einer Reihe von Elektronik-Unternehmen zum Thema Umgang mit der Corona-Krise gestartet. Die Unternehmen berichten, welche Maßnahmen sie ergriffen haben, wie sie sich auf das Hochfahren der Geschäftstätigkeit vorbereiten und was sie von der Politik erwarten. In diesem Übersichtsbeitrag fassen wir die wichtigsten Aussagen zusammen.

Wie haben Sie sich bzw. Ihr Unternehmen mit den Corona-Einschränkungen arrangiert? Welche Maßnahmen wurden getroffen, um mit der Situation zurecht zu kommen?

Jens Höfer: Factronix ist ein Vertriebsunternehmen, weshalb wir keine eigene Produktion haben. Als Servicepartner agieren wir europaweit und damit über die Landesgrenzen hinaus. Durch die bestehenden Reiserestriktionen können wir kaum Techniker zur Installation und Wartung der Anlagen und Systeme zu den Kunden vor Ort schicken – schon gar nicht ins Ausland. Erschwerend hinzu kommt, dass unser Partner, die schottische Firma Retronix, einem dreiwöchigen Lockdown unterlag und lediglich eine Notfallcrew für systemrelevante Projekte im Einsatz hatte. Zwar fährt Retronix seine Produktion wieder hoch, doch kommt es in nächster Zeit noch zu Engpässen. Durch den sehr engen Schulterschluss mit unseren Kunden, war es uns bislang möglich, alternative Lösungen zu finden und wir konnten stets auf das Verständnis unserer Kunden zählen.

Darüber hinaus bieten wir Dienstleistungen wie das Lohnröntgen in unserem Hause an. Wir nehmen die empfohlenen Maßnahmen der Bundesregierung, respektive die Regeln des Robert-Koch-Instituts und des Gesundheitsamts sehr ernst. Die Umsetzung hierzu ist neben einem Maßnahmenkatalog, wie der alltägliche Umgang zu erfolgen hat, auch die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln und ein rollierendes Homeoffice. Damit gewährleisten wir, dass wir einerseits unser Vertriebsbüro für unsere Kunden offenhalten können. Anderseits sehen wir im rollierenden Homeoffice eine wirksame Schutzmaßnahme für unsere Mitarbeiter, um die Ansteckungsgefahr auf ein Minimum zu halten. Wir achten darauf, dass sich die Mitarbeiter des Vertriebs und der Serviceabteilung im Büro turnusmäßig abwechseln und kommunizieren intern über Teamviewer und Webex. Insbesondere Mitarbeiter mit Familie arbeiten verstärkt von zuhause aus. Verpflichtend für alle Mitarbeiter war überdies, dass sie ihren Resturlaub zügig abbauen mussten.

Darüber hinaus haben wir unsere Interaktion mit unseren Kunden und auch mit unseren im Portfolio befindlichen Herstellern intensiviert, um in Zeiten der Coronakrise weiterhin möglichst kurze Reaktionszeiten sicherzustellen. Auf diese Weise ist es uns bislang erfolgreich gelungen, unsere Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit schicken zu müssen.

Wie sieht die Exitstrategie aus, um zu einem ansatzweise „normalen“ Arbeitsalltag zurück zu kehren, und welchen Zeitraum planen Sie dafür ein?

Factronix-Geschäftsführer Jens Hoefer

Factronix-Geschäftsführer Jens Hoefer: „Dennoch müssen wir uns andere – insbesondere digitale – Kommunikationswege überlegen. Der Informationsbedarf ist unabhängig von der Coronakrise weiterhin hoch.“ Factronix

Jens Höfer: Gerade durch diese sehr enge Interaktion sowohl mit unseren Kunden wie auch unseren Herstellern sind wir zuversichtlich, einen „runden“ Exit hinlegen zu können. Über die Wochen der eingeschränkten Ausgangssperre hat sich ein großer Stau in unserer Installations- und Wartungs-Pipeline gebildet. Eine genaue logistische Planung beim Abbau dieses Staus ist daher erforderlich, sobald die Reiserestriktionen gelockert werden und sich die Grenzen wieder öffnen. Um ein Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten, werden unsere Techniker und Service-Engineers für ihre Dienstreisen mit entsprechenden Schutzmaßnahmen wie Mundschutzmasken und Desinfektionsmittel, etc. ausgestattet. Allerdings sehen wir die derzeitigen leichten Lockerungen etwas kritisch, da dieser ein leichtsinniges Verhalten beflügeln könnte. Bis auf Weiteres werden wir daher das rollierende Homeoffice aufrechterhalten.

Nachdem hierzulande alle Großveranstaltungen bis einschließlich 31. August 2020 verboten sind, stehen wir unseren geplanten Messeauftritten kritisch gegenüber. Stand heute wurde die Messe SMTconnect 2020 nun final abgesagt; und wir hoffen, dass wir uns auf der electronica 2020 wie gewohnt dem Fachpublikum präsentieren können. Dennoch müssen wir uns andere – insbesondere digitale – Kommunikationswege überlegen. Der Informationsbedarf ist unabhängig von der Coronakrise weiterhin hoch. Wir sehen als eine der Möglichkeiten verstärkt auf Webinare zu setzen.

Werden die Corona-bedingten Einschränkungen Ihren Arbeitsalltag und-organisation auch nach Ende der Epidemie nachhaltig verändern? Inwiefern?

Jens Höfer: Viele digitale Möglichkeiten werden künftig einen höheren Stellenwert haben. Neben den informativen Videokonferenzen und Webinare weiter zu forcieren, gilt es, digitale Module für virtuelle Geräteschulungen und zur Fernwartung auszuarbeiten.

Wir ersehen es allerdings als positiv, dass die deutsche Automobilindustrie nun (eingeschränkt) medizinische Ausrüstung produziert, was sicherlich auch dazu beitragen wird, dass derzeit ums Überleben kämpfende kleine und mittelständische Zulieferer wieder einen Auftrieb erfahren. Mit unserem Angebotsspektrum an Equipment, Tools und Verbrauchsmaterialien für die Fertigung hochzuverlässiger elektronischer Baugruppen sind wir unterstützend dabei.

Welche Unterstützung seitens der Politik würden Sie sich dabei wünschen, und welche Maßnahmen sind nötig, um wieder einen normalen Arbeitsalltag zu gewährleisten?

Jens Höfer: Die Soforthilfe der Bundesregierung für Selbständige finden wir sehr gut, da diesen gebeutelten Einzelkämpfern zügig geholfen wurde und wird. Für Mittelständler so wie wir, sind diese Hilfen lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein, vor allem, je länger die Coronakrise andauert. Eine gute Informationspolitik nicht nur von der Bundesregierung, sondern auch von regionalen und Industrie-Verbänden sehen wir als unabdingbar, für die weitere strategische Unternehmensausrichtung.

Anzumerken ist allerdings auch, dass bei der Soforthilfe der Bundesregierung leider Start-ups durchs Raster fallen. Da sollte die Bundesregierung unbedingt und vor allem zügig nachjustieren. Denn gerade Start-ups sind unsere Innovationsträger der Zukunft!