In der Eröffnungs-Keynote des 21. Fachkongresses Fortschritte in der Automobil-Elektronik skizziert Dr. Volkmar Denner mit den Worten „Wir denken Vernetzung weit über das Fahrzeug hinaus“ die „Zukunft der vernetzten Mobilität“ – und so lautete auch der Titel seines Vortrags. Der Vorsitzende der Geschäftsführung bei Bosch äußert sich dabei auch mit deutlichen Worten zu den Themen Datenmissbrauch und Infrastrukturdefiziten in Deutschland.

Dr. Volkmar Denner, Bosch, zum Thema Mobilfunkinfrastruktur: „Deutschland ist in dieser Hinsicht immer noch ein digitales Entwicklungsland – und zwar sowohl bei der verfügbaren Bandbreite als auch bei der Netzabdeckung.“

Dr. Volkmar Denner, Bosch, zum Thema Mobilfunkinfrastruktur: „Deutschland ist in dieser Hinsicht immer noch ein digitales Entwicklungsland – und zwar sowohl bei der verfügbaren Bandbreite als auch bei der Netzabdeckung.“ Matthias Baumgartner

Grundsätzlich gelte, dass alle elektrischen Produkte von Bosch IP-fähig sein sollen. Diese Anweisung von Dr. Denner bereits zu seinem Antritt als Bosch-Chef zeigt, welch große Bedeutung er der Vernetzung beimisst. Aktuell liegt die Quote bei 50 Prozent, bis 2020 soll das Ziel dann vollständig erreicht sein. Als konkrete Beispiele für völlig neue Anwendungen und Geschäftsfelder im Automobil-Bereich nennt Dr. Denner etwa einen digitalen Schutzschild für Motorradfahrer, bei dem diese und andere Verkehrsteilnehmer per Direktfunkverbindung rechtzeitig vor der Entstehung kritischer Situationen gewarnt werden.

Mit der Einrichtung einer speziellen Automotive-Cloud-Suite für die IoT-Cloud von Bosch sind weitere Anwendungen der vernetzten Mobilität möglich. So erprobt Bosch zusammen mit Daimler einen Parkplatzsuch-Service, der Autofahrer in Echtzeit über gerade verfügbare Parkmöglichkeiten informiert.

Doch die Vernetzung hört natürlich nicht beim Fahrzeug auf. Er weist hier insbesondere auf die sinnvolle Verknüpfung von Fahrzeug und Smart Home hin. Das in einem kurzen Einspielfilm gezeigte Beispiel ist zwar seiner Ansicht nach nicht unbedingt die naheliegendste Anwendung, doch beim Publikum kam sie gut an: Dort hat der Fahrer vom Auto aus Zugriff auf eine Webcam im heimischen Kühlschrank und kann so den dort herrschenden Bier-Notstand rechtzeitig erkennen und per Sprachbefehl zur Erweiterung der Einkaufsliste auch gleich beheben.

Deutlich ernster wird Dr. Denner bei der für die Vernetzung notwendigen Mobilfunkinfrastruktur: „Deutschland ist in dieser Hinsicht immer noch ein digitales Entwicklungsland – und zwar sowohl bei der verfügbaren Bandbreite als auch bei der Netzabdeckung.“ Ebenfalls kritisch sieht er den mit der Vernetzung weiter steigenden Datenhunger vieler Unternehmen und fordert deshalb kategorisch: „Der Kunde muss der Starke in der vernetzten Welt sein; nur er allein darf entscheiden, was mit seinen Daten passiert.“ Die Produkte und Dienstleistungen von Bosch seien dieser Maxime entsprechend konzipiert.

Dr. Volkmar Denner, Bosch: „Künstliche Intelligenz wird zukünftig eine Schlüsselrolle spielen.“

Dr. Volkmar Denner, Bosch: „Künstliche Intelligenz wird zukünftig eine Schlüsselrolle spielen.“ Matthias Baumgartner

Ein wichtiger Aspekt, der mit der Vernetzung einhergeht, ist nach Ansicht von Denner das Thema künstliche Intelligenz (KI): „KI wird zukünftig eine Schlüsselrolle spielen.“ Konkret setzt Bosch beispielsweise bei der Objekt- und Personenerkennung auf neuronale Netze (Deep Learning). Angestrebt ist ein semantisches Szenenverständnis, bei dem das Erkannte auch in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht werden kann. Ein vernetztes intelligentes Fahrzeug muss wie ein erfahrener Autofahrer über Situationsverständnis verfügen. Die für vernetzte Mobilität notwendige Rechenleistung muss zukünftig nicht allein im Fahrzeug erbracht werden: „Beim Vehicle Cloud Computer wird sich zunehmend mehr Intelligenz außerhalb des Autos befinden“, so Denner. Voraussetzung dafür sind allerdings natürlich erst einmal entsprechend leistungsfähige und zuverlässige Mobilfunkinfrastrukturen.

 

Erfahren Sie auf der nächsten Seite mehr über die Keynote „Automotive Software Technology – Shaping Tomorrow’s Ecosystem“ von Dr. Christoph Grote, Berichsleiter Entwicklung Elektronik bei der BMW Group.

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