Software als Produkt

Dr. Christoph Grote, Bereichsleiter Entwicklung Elektronik bei der BMW Group, gab seiner Keynote den Titel „Automotive Software Technology – Shaping Tomorrow’s Ecosystem“. Gleich zu Beginn stellt er klar, wo die Reise hingeht: „Wie kommen wir denn aktiv zu einer arbeitsteiligeren Industrie, die jetzt offenbar eine immer größere Rolle spielt?“ – und dabei knüpft er gleich an seinen Vorredner an: „Es ist Realität, was Herr Denner gesagt hat: Software und Elektronik werden mehr und mehr Funktionsträger.“

Dr. Christoph Grote, BMW: „Software ist nie statisch. Vielmehr gehört eine Wartungsverantwortung einfach dazu.“

Dr. Christoph Grote, BMW: „Software ist nie statisch. Vielmehr gehört eine Wartungsverantwortung einfach dazu.“ Matthias Baumgartner

Jetzt gelte es, sich neu aufzustellen, um die Herausforderungen rund um das Thema Software zu meistern: „Nicht nur bei BMW in der Softwareentwicklung ist es wichtig, dass wir miteinander einen Konsens entwickeln, wie die Arbeitsteiligkeit funktioniert und welche Veränderungen jetzt noch kommen.“ Bisher wurde fast ausschließlich für die Hardware bezahlt, aber das müsse sich ändern: „Viele von den Häusern haben gar keine Einkaufsorganisation, um tatsächlich Software sourcen zu können.“ Derzeit käme noch ein hoher Anteil der Software von Ingenieurs-Dienstleistern, aber es gelte, diesen Anteil zu verringern. Stattdessen laute jetzt die Devise, „dass wir mehr über Produkte statt über Dienstleistungen nachdenken“.

Als Beispiel nennt Dr. Grote das automatisierte Parken: „Es ist völlig klar, dass OEMs so etwas nicht entwickeln sollten, weil alle diese Software nutzen werden. Mein Ziel ist, dass zwei oder drei Unternehmen weltweit um die funktionale Führerschaft ringen.“ Dass das Modell der gemeinsamen Software-Nutzung durch viele OEMs gut funktioniere kann, erläuterte er am Beispiel des Kartendienstleisters Here: „Die Kartendienste sind innovativ, auch die Schichten obendrüber. Dennoch sind viele dieser Themen nicht wettbewerbs-differenzierend. Das gleiche gilt für eine HDKarte.“ Ohne die Etablierung gemeinsamer Standards seien viele Innovationen gar nicht sinnvoll möglich.

„Wir sind auch gefordert, dass wir mit den Häusern Support-Prozesse installieren, die professionell mit den Themen Sourcing, Portfolio-Management und Wartung umgehen.“ BMW habe daher seinen Einkauf neu geordnet, damit mehr die Berücksichtigung von Software als Produkt möglich wird. Was heißt das in der Praxis? BMW verfolgt die Umsetzung eines arbeitsteiligen Modells mit klarer Trennung zwischen Hard- und Software in stretegischen Bereichen für differenziertes Sourcing von Hardware- und Software-Umfängen. Durch diese neue Positionierung in der Software-Wertschöpfungskette ermögliche BMW darüber hinaus die selektive Entwicklung des Software-Produktgeschäfts für Tier-1s und Dienstleister im Automobilumfeld.

Dr. Christoph Grote, BMW: „Nicht nur bei BMW in der Softwareentwicklung ist es wichtig, dass wir miteinander einen Konsens entwickeln.“

Dr. Christoph Grote, BMW: „Nicht nur bei BMW in der Softwareentwicklung ist es wichtig, dass wir miteinander einen Konsens entwickeln.“ Matthias Baumgartner

Im Laufe der regen Diskussion nach seinem Vortrag betonte er noch einmal, wie wichtig es ist, bei neu entstehenden Aufgaben wie dem hochautomatisierten Fahren, „von vornherein darauf zu achten, dass man nicht vorsätzlich in verschiedene Richtungen geht“. Über eines solle man sich stets im Klaren sein: „Software ist nie statisch. Vielmehr gehört eine Wartungsverantwortung einfach dazu“, aber das sei seiner Erfahrung nach kein Problem. Wie die Zusammenarbeit mit sehr kleinen Unternehmen aussehen solle, beantwortete er mit dem Hinweis, dass es gelte, bei der Einführung neuer Dienstes „Interfaces so früh wie möglich öffentlich“ zu stellen, damit man „bewusst frühzeitig dafür sorgt, dass sich ein Markt entwickelt“, um dann sofort anzumerken: „Wenn der Markt sich nicht entwickelt, dann gibt es vielleicht auch keinen Markt für diese Funktionen.“

 

„Vision New Volkswagen: e-mobil – autonom – vollvernetzt – intuitiv – zukunftsweisend“ betitelte Ralf Milke, Leiter E/E-Entwicklung Karosserieelektronik und Bordnetz bei Volkswagen seine Keynote – mehr darüber auf der nächsten Seite.

 

 

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