Schneider Electric, der Konzern mit Visionen: In zwei Jahren soll ein konzernweites Umsatzplus von 20 Prozent erarbeitet werden, um weltweit die Nummer Eins zu sein – wenn das Konzept der ,New Electric World? aufgeht. Auch hierzulande ist dazu einiges zu tun, um im Ranking weiter vorzurücken, erklärt Dietmar Hinteregger, Generaldirektor von Schneider Electric Österreich.

Eine Konzerntochter der besonderen Art: Vom einfachen Schalter bis zu Steuerungen für 16 Achsen und mehr deckt die Schneider Electric Austria GmbH (nahezu) alles ab, was der Weltkonzern (72.000 Mitarbeiter, mehr als 10 Milliarden Euro Umsatz) im Portefeuille hat. Und die Mutter hat es weit gebracht, avancierte Schneider doch zum Bronzemedaillenhalter unter den globalen Anbietern.
In den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren hatte Schneider Electric Telemecanique, Merlin Gerin und Square D übernommen, 1993 erfolgte die Fusion und seit 1994 firmiert der Konzern unter Schneider Electric SA. Ein Schritt, der auch in Österreich nachvollzogen wurde: Merlin Gerin und Telemecanique Österreich wurden zur Schneider Electric Austria GmbH verschmolzen und bilden nun eine der nationalen Tochtergesellschaften in über 130 Ländern weltweit.
Allerdings: “global playing” ist das eine, der tägliche Wettbewerb am kleinen Markt Österreich das andere. Da war der Jahreswechsel ein guter Anlass, Generaldirektor Dietmar Hinteregger zum Interview zu bitten.

Frage: Herr Generaldirektor Hinteregger, wie sehen Sie die derzeitige Konjunkturlage und welche Maßnahmen werden Sie 2003 in Ihrem Unternehmen ergreifen?

Generaldirektor Dietmar Hinteregger: Manche sprechen derzeit sogar von Rezession ? ich mag diesen Ausdruck aber nicht, denn ich meine nicht, dass wir in einem Konjunkturtief, sondern in einem Strukturwandel der Wirtschaft sind, also nicht in einem temporären Loch, nach dem es wieder steil bergauf geht, sondern, dass wir uns vielmehr darauf werden einstellen müssen, mittelfristig mit niedrigeren Wachstumsraten umgehen zu lernen. Wir werden uns mit drei bis maximal vier Prozent Wachstum zufrieden geben müssen. Das ist die eine Seite. Die andere ist, gegenzusteuern. Was jeder dazu tun kann, ist einmal, die Kosten entsprechend anzupassen und die Erträge zu sichern, die wir als börsennotierende Aktiengesellschaft für unsere Shareholder brauchen. Wir haben, über alles gesehen, in Österreich einen Marktanteil von ca. 12%, wobei wir natürlich auch Segmente haben, wo wir einen Marktanteil um die 50% halten, dafür sind wir dann eben in anderen Segmenten wieder etwas schwächer. Daraus ergibt sich für uns, was zu tun ist: Wir werden verstärktes Augenmerk auf die Erhöhung unseres Marktanteiles richten, wobei es dort, wo wir einen höheren Anteil halten, natürlich schwieriger sein wird, Zugewinne zu erzielen.

Frage: Wie sieht der aktuelle Status der Weltwirtschaft aus der Sicht des Global Players Schneider aus? Wo boomt das Geschäft, während es in Europa stagniert?

GD D. Hinteregger: Wenn wir den Weltmarkt betrachten, gibt es auch Regionen, die extrem starkes Wachstum aufweisen. Ich denke da in erster Linie an China. Dort boomt das Geschäft.
Frage: Das hat natürlich Konsequenzen für die Konzernpolitik?

GD D. Hinteregger: So ist es tatsächlich. Unser Konzern hat in etwa 72.000 Mitarbeiter und macht knapp 10 Mrd. Euro Umsatz weltweit. Bis 2004 wollen wir uns auf 12 Mrd. steigern. Davon soll eine Milliarde durch normales Wachstum, also durch bestehende Produkte erreicht werden, die zweite Milliarde wollen wir über Akquisitionen realisieren.

Frage: Eine Steigerung von 20 Prozent in 24 Monaten ist eine gewaltige Herausforderung. Gibt es für das Erreichen dieses Zieles eine akkordierte Konzernstrategie?

GD D. Hinteregger: Natürlich. Sie haben es vorhin schon angesprochen, Schneider Electric ist ein Global Player. Auf so verschiedenen Kontinenten, auf so verschiedenen Märkten mit so verschiedenen Bedürfnissen ist es äußerst wichtig, einen internationalen roten Faden zu finden, wo wir festlegen, was unser Weg ist. Basis unserer Überlegungen ist unsere Vision der ,New Electric World?, die wir schon bis 2010 festgelegt haben. Da steht ein ganz klares Ziel dahinter, wir wollen weltweiter Marktführer in Energieverteilungstechnik und Automatisierungstechnik werden. Wir sind es bereits in vielen Bereichen, aber dort wo wir es noch nicht sind, wollen wir es werden. Weltmarktführer heißt für uns nicht unbedingt, nur die Top-Produkte zu haben, sondern das beste Paket, den besten Lösungsansatz und den besten Kundenrespons, denn der Mensch steht immer hinter dem Ganzen, Menschen entwickeln neue Produkte und Technologien, immer stehen Menschen dahinter. Das ist mir ein persönliches Anliegen, denn ein Unternehmen ist immer so gut, wie die Menschen, die sich dafür engagieren.

Frage: Wie sieht in diesem visionären Komplex die konkrete Aufgabenstellung für Sie und Ihre Mitarbeiter aus?

GD D. Hinteregger: Sozusagen als Feinjustierung haben wir im vergangenen Jahr für die schon angesprochene, für uns so wichtige Zeit, unser Dreijahres-Programm ,New 2004? erarbeitet, das uns zur Realisierung unserer ,New Electric World? führen soll. In diesem Programm sprechen wir unter dem Motto: ,Wachstum & Effizienz? das Spannungsfeld zwischen Unternehmen und Kunden, Mitarbeitern und Aktionären an. Erhöhte Motivation, globaleres Handeln, verstärkte Fokussierung auf den Kunden, Verpflichtung zu Qualität und Innovation sowie die Förderung gesellschaftlicher Verantwortung sollen uns stärken.

Frage: Marktführer in der Automatisierungstechnik zu werden, wie Sie vorhin sagten, ist eine Ambition, die Sie auch mit anderen Konzernen teilen. Wie definieren Sie Ihre angestrebte Marktführerschaft?

GD D. Hinteregger: Ich spreche hier von einer weltweiten Marktführerschaft. Derzeit sind wir in der Automatisierungstechnik weltweit die Nummer drei. Der Weg zur Nummer eins ist noch ein sehr weiter. Um da zu reüssieren, wird es massiv notwendig sein, mit neuen Produkten, neuen Technologien und Lösungen auf den verschiedenen Kontinenten die Marktführerschaft unserer Mitbewerber anzugreifen. Europa ist, wie wir wissen, stark in deutscher Hand, da wird es wohl etwas schwieriger werden, aber wir denken natürlich stark an den amerikanischen und asiatischen Markt.

Frage: Wie positionieren Sie sich am österreichischen Markt?

GD D. Hinteregger: Die Stärken von Schneider Electric Austria sind einmal im klassischen Niederspannungsschaltgerätebereich, da sind wir im Industriebereich bei OEM-Kunden in Österreich die Nummer eins und wir sind auch, so denke ich, auf Platz zwei oder drei in der Automatisierungstechnik.

Frage: Müssen Sie nicht, um im Automatisierungsbereich dem heimischen Marktführer Paroli zu bieten, einen großen Unterschied in der Manpower ausgleichen, besonders wenn es in breitere Anwendungsbereiche geht?
Auf der anderen Seite hören wir von zufriedenen Schneider-Kunden bei Speziallösungen. Wohin tendieren Sie eher?

GD D. Hinteregger: Meine persönliche, natürlich auch subjektive Meinung dazu ist: Wir sind heute im Schneider Electric-Konzern in der glücklichen Lage, alles bieten zu können. Auf der einen Seite die bereits angesprochenen klassischen Produkte, die auch einige unserer Mitbewerber im Angebot haben und wo die Marktpreise zur Zeit leider auch nicht gerade die besten sind. Auf der anderen Seite verfügen wir aber auch über genügend Spezialisten, sowie etwa unsere Konzerntochter NUM (CNC Complete Solutions), um nur ein Beispiel zu nennen.
Dazu kommen dann aber noch eine Vielzahl weiterer Schwesterunternehmen, von denen einige bereits längere Zeit in Österreich tätig sind, etwa Berger-Lahr, Crouzet und Selectron oder im Bereich Gehäusetechnik die Firma Sarel. Die bereits vorhandene Präsenz und die künftig verstärkte Zusammenarbeit mit unseren ,Schwestern? am Markt Österreich wird uns dabei unterstützen, unsere Ziele zu erreichen und unsere Lösungskompetenz immer weiter auszubauen. Dies und auch die Einbeziehung von Konzernunternehmen, die in Österreich noch nicht tätig sind, ist einer der Punkte unseres Unternehmensprogramms ,NEW 2004?.

Herr Generaldirektor Hinteregger, wir wünschen ein erfolgreiches Jahr 2003 und danken für das Gespräch.

Das Gespräch führten Dieter
Schaufler und Ing. Wolfgang Stabauer.