Serge Bassem, Michael Volz und Jon Jacobsen "Wir sind die Kommmunikationspartner auf dem Weg in die Welt des Industrial Internet of Things und Industrie 4.0"

Serge Bassem, Michael Volz und Jon Jacobsen „Wir sind die Kommmunikationspartner auf dem Weg in die Welt des Industrial Internet of Things und Industrie 4.0“ Redaktion IEE

Anfang 2016 wurde eWON übernommen. Der Schritt kam für viele schnell und überraschend.

Michael Volz: Beide Unternehmen ergänzen sich, HMS mit dem Schwerpunkt auf der industriellen Kommunikation, eWON im Bereich Fernwartung. Beides spielt in künftigen Automatisierungssystemen eine zentrale Rolle. Zugegeben, wir sind mit unserer Plattform Netbiter etwas spät in das Segment Fernwartung von Steuerungen für Service und Diagnose gestartet. Rasch haben wir festgestellt, dass Serge Bassem und eWON hier sehr erfolgreich unterwegs und etabliert sind. Die ersten Gespräche haben dann schnell gezeigt, dass wir gemeinsam sehr viel mehr erreichen können.

Serge Bassem: Unsere Portfolien und Kernkompetenzen passen wirklich gut zusammen. Daher ging alles recht zügig: Im Februar 2016 erfolgte die Akquisition. Seitdem ist eWON Teil der HMS Firmengruppe.Da wir beide in unseren jeweiligen Marktsegmenten sehr erfolgreich unterwegs sind, haben wir unseren Unternehmen und Mitarbeitern die Zeit gegeben, sich gegenseitig kennenzulernen und die für beide Firmen passende und zukunftsweisendste Integrationsstrategie zu entwickeln.

Michael Volz: Ja, wir haben viel Zeit damit verbracht, unsere unterschiedlichen Märkte zu verstehen. Nach dieser intensiven Analyse steht für 2017 nun die Umsetzung unserer Strategie an.

Und wie sieht die aus?

Jon Jacobsen: Ein Bestandteil davon ist, dass eWON die Netbiter-Plattform für die Fernüberwachung von Anlagen und Feldgeräten rebranded und in das bestehende Portfolio integriert. Das rundet die M2M-Router und Daten-Gateways der Flexy- und Cosy-Serie ab. Nur um ein Beispiel zu nennen.

Und wie stellen sich HMS und eWON vertrieblich auf?

Michael Volz: Es ist kein Geheimnis, dass die Firma Wachendorff seit Langem als Distributor die eWON-Produkte in Deutschland vertreibt – und das sehr erfolgreich. Daran wird sich nichts ändern. Als Distributor kümmert sich Wachendorff von je her um die Vermarktung in der Fläche. HMS dagegen adressiert mit seiner direkten Vertriebsmannschaft mittlere und große Kunden, die unsere Geräte eventuell brandlabeln möchten oder spezielle Anpassungen benötigen. Dazu würde es Wachendorff an Flexibilität fehlen. Insofern ergänzen wir uns.

"Kommunikation ist die Basis- technologie für IIoT und Industrie 4.0"

„Kommunikation ist die Basis- technologie für IIoT und Industrie 4.0“ Redaktion IEE

Was war die technologische Motivation für die Übernahme?

Michael Volz: Wir beide teilen die Vision des Industrial Internet of Things und der Industrie 4.0. Und Eines ist ganz klar: Kommunikation spielt darin eine sehr sehr wichtige Rolle. Denn nichts geht darin ohne Kommunikation. HMS ist Spezialist für die Echtzeitkommunikation mit Feldbussen und Industrial Ethernet. eWONs Stärken liegen im Bereich der Fernwartung, Remote Services und der Cloud-Anbindung. Auf der Basis dieses gebündelten Know-hows begleiten wir unsere Kunden nun auf dem Weg hin zu Industrie 4.0 und dem industriellen Internet der Dinge (IIoT).

Ist denn Industrie 4.0 aus Ihrer Sicht schon einen Trend?

Serge Bassem: Es sieht immer noch mehr nach Hype aus. Aber es gibt immer mehr ‘early adopters’, innovative Unternehmen, die das Thema treiben. Der Hype um Industrie 4.0 und das IIoT war mit ein Grund für uns, mit HMS zusammenzugehen. Denn der Markt wird riesig – zu groß für ein kleines Unternehmen wie eWON. Aber zusammen können wir die vielfältigen Anforderungen des IIoT stemmen.

Industrie 4.0 ist also ein Kernaspekt des Zusammenschlusses?

Michael Volz: Industrie 4.0 nicht direkt, sehr wohl aber unsere Vision des IIoT: Alles ist in der Fabrik vernetzt und mit der IT verbunden.

Serge Bassem: Wir ergänzen uns einfach: HMS beherrscht die Connectivity in der Fabrik, wir verstehen uns auf den Verbindungsaufbau von außen mit der Produktion und Aufbereitung der Daten in der Cloud.

Jon Jacobsen: Unser Portal Talk2M ist mittlerweile zehn Jahre im Markt und hat sich quasi zum Skype für Maschinen entwickelt. Mit dieser Cloud-Lösung lässt sich mit nur einem Klick eine Verbindung zu einer Maschine im Feld aufbauen.

Mittlerweile sind über unsere VPN-Server mehr als acht Millionen Verbindungen zu über 110.000 Maschinen und Systemen in 156 Ländern sicher und zuverlässig erreichbar.

Serge Bassem: Diese Kopplungen vermeiden nicht nur teuere Serviceeinsätze, sie sparen auch Zeit. Alle an unserem Portal angebundenen Maschinen sind potenziell in der Lage, Daten und Informationen zu senden. So gesehen sind Industrie 4.0 und IIoT mit unserer Technologie bereits in der Praxis umsetzbar.

Sind sich Ihre Kunden und Endanwender dessen bewusst, dass sie über Talk2M auch Daten aus den Maschinen ziehen könnten und nutzen sie das auch?

Serge Bassem: Absolut. Unsere Strategie orientiert sich an einer Pyramide. Der erste Schritt in Richtung Industrie 4.0 überhaupt ist die Verbindung mit der Maschine, denn ohne die geht Nichts. Das ist auch der Ausgangspunkt für Remote Services. Allein diese Möglichkeit eine Verbindung aufzubauen reduziert die Service-Einsätze auf echte Probleme. Und der Wegfall einer einzigen unnötigen Dienstreise amortisiert bereits unsere Fernwartungslösung. Schritt zwei auf dem Weg zu Industrie 4.0 ist der Zugriff auf die Maschinen, um Probleme zu erkennen und zu lösen. Wir sehen hier immer mehr Kunden, die ihre Anlagen monitoren und die Performance anhand von KPIs überwachen. Der nächste Schritt wäre, dass Maschinen selbstständig ihre Daten an eine zentrale Stelle senden und dort für Diagnosen, Datenauswertung und weitere Analysen bereit stehen. Als letzter Schritt folgt die Anbindung oder Integration in MES- oder ERP-Systeme. Dieser stufenorientierte Ansatz überzeugt viele Anwender, die das Thema IIoT ebenso wie wir angehen wollen – Schritt für Schritt.

Wie viele Ihrer Kunden sind denn nun auf welchen Stufen bereits unterwegs?

Serge Bassem: Wir haben Kunden, die sich auf jedem Level bewegen. Zugegeben, nur etwa 10 Prozent sammeln und integrieren ihre Maschinendaten bereits und vielleicht 30 Prozent monitoren ihre Anlagen. Aber das verschiebt sich von Jahr zu Jahr.

Jon Jacobsen: Wir investieren auch viel in die Entwicklung, um das zu beschleunigen. Dabei kommt es aus unserer Sicht auf zwei Schlüsselfaktoren an: Das Sammeln und Auswerten der Daten muss vor allem einfach und sicher sein. Das hat bei unseren Lösungen Priorität.

Welche Schnittstellen und Interfaces werden denn bevorzugt? Derzeit wird überall OPC UA als heißer Kandidat gehandelt.

Serge Bassem: Wir setzen auch auf OPC UA und verfolgen dabei zwei Strategien, zum einen sind das die Internet-Gateways in Richtung Cloud-Ebene, zum anderen die IT-Gateways. Mit letzteren adressieren wir den Enterprise-Level, also die ERP/MES-Anbindung. Wir glauben, dass sich OPC UA bei den Internet-Gateways als Standard durchsetzen wird, bei den IT-Gateways zusätzlich Technologien wie MQTT und AMQT in Kombination mit HTTPS. Als typischen Einstieg sehen wir eines unsere Flexy-Gateways mit OPC-UA-Server im Produktionsnetzwerk für die Anbindung ans ERP/MES-System. Gleichzeitig unterstützen unsere Gateways die Internet-Anbindung für Monitoring und Datensammlung.

Michael Volz: Das Gateway der Zukunft integriert zwei Kommunikationswege, sowohl ins IIoT als auch in die Unternehmens-IT. Umsetzen werden wir das auf Basis unseres modularen eWON-Routers Flexy, bei dem sich die Kommunikationstechnologien flexibel kombinieren lassen. Mittels anderer Module können wir mit den künftigen Entwicklungen Schritt halten, beispielsweise was die Funk-Technologien betrifft. Begonnen haben wir mit 2G und 3G. Heute ist 4G Standard und 5G steht bereits in den Startlöchern. Ähnlich verhält es sich mit anderen Schnittstellen. Wer in Richtung IIoT geht, braucht hier Flexibilität – auch was die Anbindung der unterschiedlichen Steuerungen betrifft. Hier sind wir mit der modularen Router-Familie gut positioniert.

"HMS ist der Partner für heutige und künftige Aufgaben"

„HMS ist der Partner für heutige und künftige Aufgaben“ Redaktion IEE

Und OPC UA und MQTT sind bereits implementiert?

Serge Bassem: OPC UA ist verfügbar, an MQTT arbeiten wir noch.

Ist es möglich, diese Schnittstellen auch nachzurüsten? Schließlich haben sie eine breite installierte Basis.

Serge Bassem: Das ist selbstverständlich möglich. Kostenlose Upgrades für unsere Hardware war von Anfang an Bestandteil unserer Strategie. Daran wird sich nichts ändern. Unsere Kunden können durch ein einfaches Firmwareupgrade OPC UA ohne Zusatzkosten nachrüsten.

Michael Volz: Ein weiterer großer Vorteil ist, dass an der SPS-Software nichts geändert werden muss, weil wir die Schnittstelle zwischen Gateway und SPS stabil halten. Nur die Funktion des Gateways wird erweitert. Das erleichtert den Einstieg ins IIoT – speziell bei den sogenannten Brownfield-Anlagen – und ist für viele Anwender ein ausschlaggebendes Kriterium. Mit den Gateways zeigen wir Anwendern den Weg in die Zukunft des IIoT.

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