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Elektrolyt-Kondensatoren Made in Germany.
Dr. Thomas Ebel ist Geschäftsführer bei FT-Cap in Husum.

Katrin Scharl: FT-Cap beschäftigt sich seit 65 Jahren mit Kondensatoren. Inwiefern hat sich die Branche in all diesen Jahren verändert?

Dr. Thomas Ebel: FT-Cap ist ein Familienunternehmen. Die Firmengründer Heinz Fischer und Alfred Tausche haben 1948 mit der Produktion von Kondensatoren begonnen. Damals war die Nachfrage natürlich noch vergleichsweise gering und die Produktionsbedingungen eher unprofessionell. Die Kondensatoren wurden von den Fischersfrauen hier in Husum gewickelt, die so von zuhause aus etwas Geld verdienen konnten. Die beiden Gründer erkannten schnell, dass nur eine industrielle Produktion konkurrenzfähig war. Sie kauften ein Gelände und investierten in moderne Produktionsanlagen, die seitdem laufend modernisiert und verbessert wurden. Auch heute ist die Fertigung von Kondensatoren teilweise noch mit Handarbeit verbunden, gleichzeitig wird aber auch moderne Technik wie das Laserschweißen genutzt.

In Zeiten des zunehmenden Konkurrenzdrucks hat sich die Branche auch dahingehend verändert, dass hauptsächlich in Billiglohnländern produziert wird. Diesen Trend haben wir bewusst nicht mitgemacht. Viele andere Hersteller machen ihren Umsatz mit großen Serien aus Fernost. Wir aber bleiben dem Standort und unseren Mitarbeitern treu.

Katrin Scharl: Wo liegt für Kunden der Vorteil bei einer Fertigung in Deutschland?

Dr. Thomas Ebel: Die Kunden profitieren einerseits von der Erfahrung unserer Mitarbeiter. Diese Kompetenz ist die Basis für viele patentierte Innovationen und die Beschreitung ungewöhnlicher Wege, um Anwendungsprobleme zu lösen.

Andererseits hat die Präsenz in Deutschland auch für die Kunden Vorteile. FT-Cap ist der einzige Anbieter, der Elektrolyt-Kondensatoren in Deutschland herstellt. Unsere Kunden schätzen es, dass sie ohne großen Aufwand in Husum vorbeischauen können. Unsere Entwickler kann man direkt anrufen und mit ihnen ohne Sprachbarriere kommunizieren. Das ist dann von Vorteil, wenn wir kundenspezifische Lösungen konzipieren. Da ist die räumliche Nähe unabdingbar, weil man sich eng abstimmen muss.

Einige Wettbewerber haben nur die Fertigung ausgelagert und entwickeln noch in Deutschland. Das ist aber ebenfalls keine optimale Lösung. Kurze Wege zwischen Entwicklung und Produktion sind aus vielen Gründen sinnvoll und ermöglichen viel effizientere Prozesse. Für unsere Kunden bedeutet das zum Beispiel, dass die Bemusterung einfach und schnell geht. Wir verfügen über eigene Spritzgusswerkzeuge und können so direkt Muster erstellen. Zudem machen es unsere technischen Produktionsbedingungen möglich, Innovation bis zur Marktreife zu bringen.

Katrin Scharl: Bedeutet Made in Germany aber nicht auch, dass Ihre Produkte im Vergleich mit Wettbewerbern teurer sind?

Dr. Thomas Ebel: Sie sind etwas teurer. Dafür ist die Qualität aber auch besser. Unsere Kondensatoren haben eine längere Lebensdauer und sind zuverlässiger. Man muss dazu aber sagen, dass wir uns bei FT-Cap eher auf die Nischen im Markt konzentrieren. Die Anbieter, deren Zielgruppe der Massenmarkt ist, sehen wir nicht als direkte Konkurrenz. FT-Cap ist der Ansprechpartner, wenn es um Kondensatoren für Anwendungen in kleineren und mittleren Stückzahlen geht. Hauptsächlich sprechen wir hier von größeren Kondensatoren, die schon auch einmal bis zu 120 Euro das Stück kosten können.

Abgesehen von kundenspezifischen Sonderlösungen bieten wir auch ein qualitativ hochwertiges Standardsortiment, allerdings immer mit der Option, die Produkte anzupassen. Also zum Beispiel wenn ein Kunde zum Beispiel ein Produkt in einer Standardbauform benötigt, aber die Kapazität angepasst werden muss.

Bezüglich der Preise von Kondensatoren übrigens noch eine Anmerkung: In Deutschland haben wir die Situation, dass Kondensatoren hauptsächlich über Distributoren bezogen werden, bei denen allerdings enorme Preisaufschläge üblich sind. Gerade bei kleineren Stückzahlen lohnt es sich also, direkt beim Hersteller zu kaufen.

Katrin Scharl: In welchen Anwendungsbereichen kommen Kondensatoren von FT-Cap zum Einsatz?

Dr. Thomas Ebel: Kondensatoren werden in vielen Produkten eingesetzt, in denen ein Laie sie gar nicht vermuten würde. So sind sie zum Beispiel integraler Bestandteil von autonomen Defibrillatoren, Hybrid-Rennautos, Solarschiffen und Computertomographen. Die unterbrechungsfreie Stromversorgung ist ein weiteres Anwendungsbeispiel. Eine wichtige Branche ist die Medizintechnik. Ein großes Potenzial besteht derzeit im Bereich der erneuerbaren Energien – Kondensatoren werden zum Beispiel in Windrädern und Photovoltaik-Anlagen verbaut und unterliegen im Rahmen der Energiewende einer verstärkten Nachfrage. Gleiches gilt für die Elektromobilität, das ist ein großer Wachstumsmarkt. Gerade für die deutschen Automobilhersteller ist man als lokal produzierender Hersteller attraktiv, weil die gemeinsame Entwicklungsarbeit eine räumliche Nähe erfordert.

Grundsätzlich wollen wir den Kunden mit allen unseren Lösungen einen echten Mehrwert bieten und unter Beweis stellen, welche positiven Auswirkungen ein qualitativ hochwertiger, abgestimmter Kondensator auf das Gesamtsystem haben kann. Kondensatoren haben bei manchen Entwicklern das Image einer notwendigen, aber eher langweiligen Komponente. Das gilt es zu ändern.

Das Interview führte Katrin Scharl. Sie ist als freie Redakteurin von Mahlsdorf/Golßen aus tätig.