„Mit SKS holen wie einen langjährigen Technologie-Partner in unsere Gruppe“, Frank Stührenberg, CEO Phoenix Contact.

„Mit SKS holen wie einen langjährigen Technologie-Partner in unsere Gruppe“, Frank Stührenberg, CEO Phoenix Contact. Phoenix Contact

Herr Stührenberg, wo liegt denn die Expertise von SKS Kontakttechnik?

Frank Stührenberg: SKS ist ein Entwicklungs- und Fertigungsspezialist für Steckverbindersysteme, insbesondere kundenspezifische, sowie für Sensor/Aktor- und I/O-Module in hohen Schutzarten. Darüber hinaus hat SKS noch ein Portfolio an Test- und Messprodukten, die vor einigen Jahren von Hirschmann übernommen wurden.
Ähnlich wie Phoenix Contact hat SKS eine sehr hohe Wertschöpfungstiefe, von der Konstruktion über die Entwicklung eigener Produktionsmittel bis hin zum Testequipment. Bei Spezialthemen wie dem Verguss der Elektronik hat sich das Unternehmen auf diese Weise zu einem echten Technologiespezialisten entwickelt. Wir arbeiten bereits seit 20 Jahren mit SKS zusammen. In dieser Zusammenarbeit sind beispielsweise Steckverbinder mit spezieller Verriegelung entstanden oder, ganz aktuell, IP67-Module für unsere Axio-I/O-Reihe.

Ich wusste gar nicht, dass Phoenix Contact noch Lücken im Portfolio hat?

Frank Stührenberg: Nun ja, bei mehr als 60 000 aktiven Produkten könnte man das vermuten. Allerdings führen die exponentiell zunehmende Modularisierung, Dezentralisierung und Vernetzung von Maschinen und Anlagen zu ebenso stetig steigenden Anforderungen an die Vernetzung von Energie und Daten. Und: Der Megatrend zum industriellen Internet der Dinge beschleunigt diese Entwicklung noch einmal. Insofern sehen wir in den Bereichen der Feldverkabelung, der Sensor-/Aktor-Vernetzung und der Energieverteilung noch enorme Entwicklungspotentiale für neue Produkte.

Dann darf man die Akquisition auch als Technologiesicherung verstehen?

Die IP67-Module der Axio-Reihe basieren auf dem Know-how von SKS Kontakttechnik.

Die IP67-Module der Axio-Reihe basieren auf dem Know-how von SKS Kontakttechnik. Phoenix Contact

Frank Stührenberg: Natürlich. Wie gesagt, wir arbeiten bereits seit vielen Jahren zusammen, und das in sehr wichtigen Entwicklungsprojekten. Als der Unternehmer Martin Schweitzer altersbedingt begann, sich Gedanken um seine Nachfolge zu machen, haben wir uns deshalb in die Überlegungen eingebracht, um diesen Prozess mitgestalten zu können. Immerhin machen wir mit Gerätesteckverbindern und industrieller Feldverkabelung bereits mehr als 10 Prozent unseres weltweiten Geschäfts – mit überproportionalen Wachstumsraten. Da gilt es, unsere Technologie- und Portfolioentwicklung abzusichern und zukunftsfähig zu halten.

Wie wichtig sind Ihnen die zusätzlichen Entwicklungsressourcen, die Phoenix Contact nun zur Verfügung stehen?

Frank Stührenberg: Jeder weiß, Entwicklungs- und Produktionsingenieure sind in der gesamten Industrie zunehmend Mangelware. Insofern stellt es für uns ein Glücksfall dar, mit SKS in Niederdorf einen Standort in die Phoenix Contact-Gruppe zu bekommen, der gerade in diesen Bereichen erfolgreich gewachsen ist. Und auch das Umfeld kann sich mit seinen Hochschulen und Unternehmen sehen lassen – immerhin ist das Erzgebirge eine der traditionsreichsten Industrieregionen Deutschlands.

Ist der Sensoranbieter Pulsotronic als weiterer Bestandteil nicht ebenso von strategischer Bedeutung?

Frank Stührenberg: Pulsotronic ist ganz bestimmt ein sehr erfolgreiches Unternehmen, das sich zunehmend von der Standard-Sensorik auf Applikationen in hoch innovativen Kundenanwendungen spezialisiert hat. Mobile Maschinen rücken dabei zunehmend ins Zentrum, beispielsweise Sensorapplikationen für Gabelstapler oder auch Landmaschinen.

Aus Sicht von Phoenix Contact gibt es aber keine Produkte, die unmittelbar in unser Portfolio übergehen. In den Bereichen, wo auch wir kunden- oder branchenspezifisch unterwegs sind, werden wir künftig das Know-how von Pulsotronic einbinden. Sehr interessant ist etwa die Verwindungsmessung von Windkraft-Rotoren. Daraus könnte sich zusammen mit unserem industriespezifischen Angebot im Bereich “Wind” ein größeres Lösungspaket für einen Kunden ergeben.

Gewinnen Sie mit Pulsotronic nicht auch weiteres Know-how in der Sensoranbindung an Cloud-Infrastrukturen wie auch direkt im Feld?

„Pulsotronic agiert weiterhin eigenständig im Markt, bringt ihr Know-how bedarfsweise ein.“

„Pulsotronic agiert weiterhin eigenständig im Markt, bringt ihr Know-how bedarfsweise ein.“ Phoenix Contact

Frank Stührenberg: Pulsotronic hat bereits vielfältige und innovative Sensoranbindungen im Feld oder an übergeordnete Infrastrukturen realisiert. Dieses Know-how wird ganz sicher dazu beitragen, dass Produkte von Phoenix Contact für jene Bereiche besser werden können.

Ist das der Anfang eines neuen Geschäftsfeldes Sensorik?

Frank Stührenberg: Nein. Produkte von Pulsotronic können nicht so einfach Katalogprodukte von Phoenix Contact sein. Wir haben uns deshalb entschieden, Pulsotronic als ein Unternehmen der Phoenix Contact-Gruppe zu führen, das sein Angebot – von projektspezifischer Zusammenarbeit abgesehen – weiter eigenständig im Markt entwickelt. Ein Beleg für diese Eigenständigkeit ist, dass Martin Schweitzer bis auf weiteres eine kleine Minderheitsbeteiligung an diesem Unternehmen hält.

Darf man fragen, auf welchen Betrag sich denn die bisher größte Einzelakquisition beläuft?

Frank Stührenberg: Fragen darf man. Aber zu allen kommerziellen Rahmenbedingungen der Transaktion haben wir Stillschweigen vereinbart. Und daran halten wir uns.

Erwarten Sie Auflagen seitens der Kartellbehörden?

Frank Stührenberg: Nein.

Das Interview führte IEE-Chefredakteur Stefan Kuppinger

SPS IPC Drives 2018: Halle 9, Stand 310