Die zweite Generation der Wasserkraftswerks-Testmodule von SinnPower tut seit Juni 2018 Dienst am Hafen von Heraklion, Kreta. Salzwasser und auch ein Sturm mit 10 Meter hohen Wellen konnten ihnen nichts anhaben.

Die zweite Generation der Wasserkraftswerks-Testmodule von SinnPower tut seit Juni 2018 Dienst am Hafen von Heraklion, Kreta. Salzwasser und auch ein Sturm mit 10 Meter hohen Wellen konnten ihnen nichts anhaben. Lapp

Grundbaustein der Wellenkraftwerke sind Schwimmkörper mit bis zu drei Metern Durchmesser, wobei eine Leichtbaukonstruktion einzelne Elemente verbindet. Die auf den Schwimmkörpern befestigten Module heben und senken sich mit der Wellenbewegung. Eine 10 m lange Hubstange führt diese Bewegung nach oben, wo sie bis zu zwölf Lineargeneratoren antreibt. Ein ebenso einfaches wie wirkungsvolles Prinzip, wie erste Tests in der griechischen Hafenstadt Heraklion gezeigt haben: An der dortigen Kaimauer sind seit Mitte 2018 zwei Module befestigt und liefern Strom, wobei sie sogar einem Sturm mit zehn Meter hohen Brechern standgehalten haben. Dass die Anlage heil blieb, sei ihrer durchdachten Konstruktion zu verdanken, meint Johannes Stuck, bei Sinn Power zuständig für die Geschäftsentwicklung – und den robusten Komponenten wie den Kabeln und Steckern von Lapp.

 

Lapp goes green

Sinn Power ist nicht das einzige Projekt im Bereich der erneuerbaren Energien, die mit Komponenten von Lapp realisiert werden. So hat das Unternehmen bereits für einige Photovoltaik-Projekte Verbindungssysteme geliefert und war 2016 an der Verkabelung von Windrädern mit integriertem Pumpspeicher in Baden-Württemberg beteiligt. In der Nähe von Gaildorf bei Schwäbisch Gmünd hat der Baukonzern Max Bögl Wind mit seinem Naturstromspeicher ein mustergültiges Projekt gebaut: Mit überschüssigem Strom aus Windenergie wird Wasser aus dem Tal in das Speicherbecken gepumpt. Später fließt es wieder talwärts, treibt Turbinen an und stabilisiert so die Stromversorgung bei hoher Last. Steuerleitungen, dicke Leistungskabel sowie Datenleitungen für die Windräder kommen von Lapp.

Win-win-Situation

Bei der Verkabelung der Generatoren für ihr Wellenkraftwerk setzt Sinn Power auf robuste Verbindungslösungen von Lapp.

Bei der Verkabelung der Generatoren für ihr Wellenkraftwerk setzt Sinn Power auf robuste Verbindungslösungen von Lapp. Lapp

Das Stuttgarter Unternehmen liefert die Kabel zur Leistungsübertragung in der Anlage, Datenleitungen und Steuerleitungen wie die Ölflex Robust 210, Verschraubungen und die Verdrahtung auf den Leiterplatten. Später sollen auch Unterseekabel hinzukommen.

Für den Anbieter ist die Kooperation mit Sinn Power zugleich eine gute Gelegenheit, um die außergewöhnlichen Belastungen für die Optimierung der eigenen Produkte zu nutzen. Hermann Robl, Vertriebsingenieur bei Lapp, hat beispielsweise vorgeschlagen, die Kabel aus Heraklion nach einem Jahr auszubauen und im eigenen Labor zu untersuchen, ob und wie sich der Kunststoff der Kabelverschraubungen durch die Gegebenheiten im Salzwasser verändert hat.

Grundlastfähige Energiequelle

Die Vision in der Animation: Bis zu 36 Schwimmmodule, verbunden über eine Leichbaukonstruktion, sollen zukünftig 24/7 Strom liefern.

Die Vision in der Animation: Bis zu 36 Schwimmmodule, verbunden über eine Leichbaukonstruktion, sollen zukünftig 24/7 Strom liefern. Sinn Power

Nach Überzeugung von Robl hat die Technologie von Sinn Power „Riesenpotenzial“. Dies nicht zuletzt, weil sie ein Manko anderer erneuerbarer Energiequellen nicht hat: Windkraftanlagen stehen still, wenn kein Wind weht, und Solaranlagen liefern ohne Sonnenschein keinen Strom. Die Wellen des Meeres hingegen sind als Energiequelle sogar grundlastfähig, wie es im Fachjargon heißt, denn sie stehen nie still.

Bis die Meereskraftwerke marktreif sind, will Philipp Sinn vor allem die Kosten senken. Zum einen über Skaleneffekte bei größeren Stückzahlen, aber auch mittels einer Steuerung, die den Wellengang der nächsten Stunden und Tage vorherberechnet. In etwa zwei Jahren sollen die ersten Anlagen in den Verkauf gehen. Und bereits in fünf Jahren soll Strom aus einem ­Wellenkraftwerk weniger als zehn ­Eurocent pro Kilowattstunde kosten, wobei der genaue Preis von den Rahmenbedingungen am jeweiligen Standort abhängt.

Noch in diesem Jahr will Sinn Power die Anlage in Heraklion um drei neue, technisch weiterentwickelte Module erweitern. Und schon 2020 will Philipp Sinn sein erstes Wellenkraftwerk mit 35 Modulen in Betrieb nehmen.