Die kombinierte Hardware- und Software-Lösung Kontron Approtect verfügt über ein integriertes Hardware-Security-Modul und ein Software Framework, das Sicherheits- und Lizenz-Funktionalitäten kombiniert.

Die kombinierte Hardware- und Software-Lösung Kontron Approtect verfügt über ein integriertes Hardware-Security-Modul und ein Software Framework, das Sicherheits- und Lizenz-Funktionalitäten kombiniert. Kontron

Kaum eine Maschine ist heute im Einsatz, die nicht über Software-Steuerung verfügt. Im industriellen Umfeld sind die Maschinen zudem vernetzt, um Daten an Leitstände und Kontrollräume zurückzuspielen oder für Big-Data-Analysen in Rechenzentren oder gar einer Cloud zu speichern. Übermittelt werden die Daten von Edge oder Fog Devices in den Maschinen vor Ort. Dabei handelt es sich meistens um Embedded Computer, die auch Sicherheits- und Lizenzierungsfunktionen direkt an der Maschine übernehmen können. Damit sind die technologischen Voraussetzungen für nutzungsbasierte Abrechnungsmodelle gegeben, sofern eine entsprechende Hardware und ein Software Framework verfügbar sind. Vorstellbar – aber nicht ausschließlich – sind dabei folgende Szenarien nutzungsbasierter Abrechnungsmodelle.

Modell 1: Bezahlung nach Nutzung

Hersteller von Druckern und industriellen Druckmaschinen gehörten zu den Ersten, die Pay-per-Use-Modelle einführten. Heute gibt es Anbieter, die ganze Druckstraßen, einschließlich Verbrauchsmaterial, im Betreibermodell anbieten.

Hersteller von Druckern und industriellen Druckmaschinen gehörten zu den Ersten, die Pay-per-Use-Modelle einführten. Heute gibt es Anbieter, die ganze Druckstraßen, einschließlich Verbrauchsmaterial, im Betreibermodell anbieten. Bank Phrom – Unsplash

Die Maschine verbleibt im Eigentum des Herstellers: Bezahlung nach Nutzung. Das sogenannte Betreibermodell ist sinnvoll, wenn der Nutzer keine rentable Dauerauslastung erwartet, die Maschine aber dennoch im eigenen Fertigungsumfeld benötigt wird. Auch wenn Anwender an eine Maschine hohe Verfügbarkeits- und Service-Anforderungen stellen, kann es vorteilhaft sein, die Service- und Support-Verantwortung im Betreibermodell dem Hersteller zu überlassen. Auf diese Weise ist die Verfügbarkeit ohne Zutun des Nutzers garantiert.

Vorteil für den Hersteller ist, dass er alle Maschinen in seiner Obhut behält. Das bedeutet auch, dass er Zugriff auf die Maschinendaten aller von ihm betriebenen Geräte erhält. Werden die Daten von vielen Maschinen aggregiert und ausgewertet, lassen sich hier via Big-Data-Analyse wertvolle Schlüsse für vorausgeplante Wartungsarbeiten/ Predictive Maintenance, zukünftige Weiterentwicklungen oder die Fehlerbehebung ziehen. Für eine Abrechnung pro Nutzung sind vor allem Prozesse mit gut messbaren Vorgängen geeignet, etwa bei Stanzmaschinen, Punktschweißmaschinen oder Laserschneiden. Im Unterschied dazu kann aber auch die Zahl der verarbeiteten Werkstücke als Grundlage einer Abrechnung dienen. Das Modell wird bereits heute häufig im Industrial-Automation-Markt angewendet.

Modell 2: Beschränkte Nutzung

Die Maschine ist Eigentum des Nutzers, jedoch ist die Zahl der Nutzungsfälle beschränkt. Das ergibt etwa bei Leasing-Verträgen Sinn, wenn der Hersteller die Maschine zurücknimmt und weiter veräußern muss – vergleichbar mit der Kilometerbegrenzung beim Autoleasing. Vorteil für den Nutzer ist, dass dieser die Maschine zu einem günstigeren Preis erwerben kann als ein Gerät mit unbeschränkter Nutzbarkeit. Für den Maschinenanbieter bedeutet dies, dass er aufgrund der Nutzungsbeschränkung weiß, wie abgenutzt die Maschine ist und mit einem entsprechenden Wiederverkaufswert kalkulieren kann. Bei Druckmaschinen ist es zum Beispiel möglich, die Anzahl der Druckvorgänge zu limitieren. Darüber hinaus ist auch eine zeitliche Beschränkung in Form eines Betriebsstunden-Kontingents denkbar. Ein typisches Anwendungsgebiet für das Leasing-Modell findet sich in der Medizintechnik, beispielsweise bei Computertomographen.

Modell 3: Funktionsumfang per Software beschränkt

Die Maschine ist im Eigentum des Nutzers, jedoch ist der Funktionsumfang per Software beschränkt. Dieses Modell ist dann sinnvoll, wenn absehbar ist, dass nur bestimmte Funktionen benötigt werden. Weniger Funktionen machen die Maschine natürlich für den Käufer günstiger; der Hersteller kann jedoch eine Produktlinie per Software mit mehr oder weniger freigeschalteten Funktionen anbieten und muss nicht alle Varianten extra produzieren.
Folgendes Szenario wäre hier sogar vorstellbar: Der Hersteller schaltet die deaktivierten Funktionen frei, wenn der Nutzer dies wünscht und bezahlt. Dieses Geschäftsmodell kommt bereits in vielen Branchen zum Einsatz und ist besonders geeignet etwa für Spielautomaten im Entertainment-Bereich oder aber im Bereich Industrial Automation, um zusätzlich Funktionen von Maschinen oder bei Fertigungsrobotern freizugeben.

Die Modelle, welche die Maschine im Eigentum des Herstellers belassen, haben auch Auswirkungen auf die Bilanz. Während die Anschaffung von kompletten Maschinen betriebswirtschaftlich unter Investitionen laufen, sind nutzungsbezogene Abrechnungsmodelle wie Betriebsausgaben zu behandeln. Insbesondere in Branchen, in denen teure Maschinen hohe Investitionsaufgaben bedeuten, kann die Verlagerung der Ausgaben von Investitionen zu laufenden Betriebsausgaben über Pay-per-Use-Modelle interessant sein.

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