Zur HMI 2017 hatten sich Molex, Phoenix Contact, Murrelektronik und Binder auf die Fahne geschriebe, bei M12-Push-Pull-Steckverbindern einen gemeinsamen Nenner zu finden. Molex

Zur HMI 2017 hatten sich Molex, Phoenix Contact, Murrelektronik und Binder auf die Fahne geschrieben, bei außenveriegelnden M12-Push-Pull-Steckverbindern einen gemeinsamen Nenner zu finden. Molex

Bereits zur Hannover Messe 2017 taten sich Molex, Binder, Murrelektronik und Phoenix Contact zum Thema M12-Push-Pull zusammen, um einen Standard für ein außenverriegelndes System zu entwickeln. Diesem Vorhaben hat sich auch Harting angeschlossen. Zusammen treiben die Unternehmen den Standard in den Gremien bei der deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) voran. Aus der Sicht von Molex wird der Standard den Markt für die M12-Schnellanschlusstechnik in der industriellen Automatisierungstechnik öffnen und für breitere Akzeptanz bei Endkunden, zum Beispiel für Sensorhersteller oder im Maschinenbau, sorgen.

Neben dem Vorschlag für das außenverriegelnde System, arbeitet ein Konsortium aus Phoenix Contact, Harting, Murrelektronik und Molex an einer Lösung für die Innenverriegelung (Inner Push Pull), die sich aktuell in einer frühen Designphase befindet. Allerdings soll laut Frank Welzel, Director Global Product Management bei Harting, „voraussichtlich im Februar 2019 der erste Entwurf dieses Standards auf der IEC-Ebene diskutiert werden.“

Innenverriegelung vs Außenverriegelung

Push-Pull Steckverbinder von Harting für versenkte (links) oder stehende Buchsen

Push-Pull Steckverbinder von Harting für versenkte (links) oder stehende Buchsen Harting

Hintergrund ist, dass die bisherigen außenverriegelnden M12-Push-Pull-Möglichkeiten vor allem für den Transportsektor entwickelt wurden und daher nur auf stehende und aus einem Gerät heraus­ragende Buchsen aufgesteckt werden können. Daher bedarf es der zusätzlichen Lösung für platzsparende Buchsen, die versenkt und bündig mit Gerätegehäusen abschließen. Diese Lösung, die speziell auf die Farbrikautomatisierung zielt, erfordert wiederum einen in die Buchse einsteckbaren M12 mit neuer Verriegelung. Gleichzeitig müssen auch diese neuen Buchsen rückwärtskompatibel normale Schraubsteckverbinder in M12 aufnehmen können. Treiber dieser Entwicklung sind die PNO, Siemens und die Automatisierungsinitiative deutscher Automobilhersteller (AIDA).

Bezüglich der Martkeinführung hat Harting auf der SPS IPC Drives 2018 den ersten Schritt gemacht. Dort präsentierte das Unternehmen im Zuge seines „Heldenprogramms“ Dr. Metrix. Unter diesem Markennamen vereint das Unternehmen seine metrischen Rundsteckverbinder mit Push-Pull-Technologie; außen- wie innenverriegelnd. Dazu Frank Welzel: „Erste Produkte für die innenliegende Automatisierungswelt sollen noch in diesem Jahr erhältlich sein.“

Keine ganz neue Idee

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Der M12 Y-Circ M von Yamaichi mit platzsparender Push-Pull Innenverriegelung Yamaichi

Auf eine eigene Lösung für die Innenverriegelung setzt Yamaichi Electronics bereits seit 2017: Steckverbinder aus der Reihe Y-Circ M Format M12 mit Push-Pull, die bereits offiziell als IEC Projekt bearbeitet werden. Hier rastet der kabelseitige Steckverbinder hinter dem Gewinde von innen mit drei Rasthaken in eine spezielle Buchse ein. Dies ermöglicht ein Design, das mit dem Bauraum einer Standard-M12-Ausführung mit Schraubgewinde auskommt. Die Buchse ist so gestaltet, dass neben der Push-Pull-Verriegelung auch die klassische Schraubverriegelung weiterhin möglich ist. Die Rundsteckverbinder lassen sich für kundenspezifische Konfigurationen kombinieren: Durch das Baukastensystem sind je nach Applikation Funktionen wie Rüttelschutz oder 360°-Schirmung integriert. Mit der X-Codierung sind auch hohe Datenübertragungsraten bis Cat.6A (10 GBit/s) realisierbar. Komplette Kabelkonfektionen in den Codierungen A, B, D und X gibt es ebenfalls.

Laut Werner Fröhlich, Mitglied der Geschäftsleitung bei Binder, setzt sein Unternehmen im ersten Schritt auf die Variante von Yamaichi. Was die Außenverriegelung betrifft, stehe Binder weiterhin zur Kooperationszusage von 2017.

Am Ende zwei Standards

Trotz der Mitarbeiter an der innenverriegelnden Variante favorisiert Molex die Außenverriegelung. Die Gründe dafür sind, dass es sich um ein seit zehn Jahren etabliertes Konzept handelt. Zudem sei die Lösung einfach steckbar sowie in der Anwendung robust und zuverlässig (Schutzklasse IP69K).

Am Ende wird es zwei Standards für M12-Push-Pull geben. Einen für die Außen- sowie einen für die Innenverriegelung. Ob und welche Variante sich am Ende durchsetzt, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass diese gemeinsam die gesamte Welt der Automatisierung abdecken werden – vom Automatisierungsgerät bis zum Sensor im Feld.

3 Fragen an…

Redaktion IEE

Sebastian Richter, Produktmanager für Steckverbinder bei Murrelektronik Redaktion IEE

Sebastian Richter, Produktmanager für Steckverbinder, Murrelektronik

Wie ist der Stand der Standardisierung bezüglich M12-Push-Pull?

Sebastian Richter: Es gibt einen Normentwurf zur außenliegenden Kontur und einen zur ­innenliegenden Kontur. Diese Entwürfe sind in der Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) eingereicht und befinden sich in der Kommentierungsphase.

Bis wann rechnen Sie mit einem ­Abschluss der Standardisierung?

Sebastian Richter: Ich denke, dass eine finale technische Lösung der innenliegenden ­Kontur noch 2019 erfolgt. Die Normung wird sicherlich noch bis zu 2 Jahre dauern.

Wie war das Kundenfeedback auf der SPS bezüglich der Verriegelung innen vs. außen?

Sebastian Richter: Auf der Sensorseite wird nur außen funktionieren. Auf der Modulseite haben beide System Vor- und Nachteile. Vom Handling her, ist die innenliegende Variante besser. Allerdings gab es auf der Messe dazu keine eineindeutige Aussage seitens der ­Kunden.