| von Melanie Feldmann

Vorbei sind die goldenen Zeiten der 90er Jahre, die den Druckmaschinen-Herstellern durch Umstellung der Zeitungen von Schwarz-Weiß- auf Farbdruck sonnige Umsätze bescherte. Mittlerweile leiden die Verlage unter sinkenden Auflagen und Werbeeinnahmen. Denn Internet, E-Books, Tablet-PCs und internetfähige Handys forcieren immer stärker einen Wandel im Medienkonsum. Es werden weniger Zeitungen und Zeitschriften gekauft, also auch weniger gedruckt. Die Verlage steigen deswegen oft auf kleinere Zeitungsformate um; und kleinere Formate führen zu kleineren Maschinen und damit zu kleineren Erträgen der Druckmaschinen-Hersteller. Die Wirtschaftskrise ab 2008 gab der Branche einen schweren Schlag – die Kunden wurden vorsichtiger, Kredite für die Großinvestition in einen Druckmaschine waren schwerer zu bekommen. Das jährliche Nachfragevolumen für neue Bogen- und Rollendruckmaschinen (ohne Digitaldruck) sank laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) 2009 um über 50 %. Von ehemals 9,2 Milliarden Euro blieben nur 3,9 Milliarden übrig. Längerfristig geht der Verband davon aus, dass sich das jährliche Marktvolumen bei etwa 7 Milliarden Euro einpendeln wird. Hoffnung hängt an den BRIC-Staaten, Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, die, was Druckerzeugnisse anbelangt, einen starken Nachholbedarf haben. Vor allem China schwenkt das Fähnlein der eifrigen Drucker. So wurde China 2010 erstmals zum weltgrößten Einzelmarkt für Bogenmaschinen. Auch die deutschen Druckmaschinen-Hersteller bekommen die Konsequenzen dieses für sie negativen Wandels zu spüren.

Manroland insolvent aber optimistisch

Am 25. November 2011 gab Manroland die Eröffnung des Insolvenzverfahrens bekannt. Als Auslöser für den Insolvenzantrag gab das Unternehmen den erneuten dramatischen Einbruch im Auftragseingang an, der seit Mitte Juli 2011 zu beobachten war und sich zuletzt beschleunigt hatte. Knappe sieben Tage später, am 2. Dezember 2011, verkündete der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider eine Vereinbarung über einen Massekredit: „Die Fortführung der Produktion und der Geschäftsbetrieb bei Manroland sind damit gewährleistet“, so der Wirtschaftsprüfer. „Das Unternehmen kann mit Kunden und Lieferanten weiterarbeiten.“ Der Massekredit hatte ein Gesamtvolumen von 55 Millionen Euro. 10 Millionen Euro standen dabei als Barkredit-linie zur Verfügung. Weitere 45 Millionen Euro waren ein sogenannter unechter Massekredit. Dabei geben Gläubigerbanken einen Teil der an sie abgetretenen Forderungen frei. Die Freigabe bringt dem Schuldnerunternehmen die benötigte Liquidität, ohne dass die Bank neue Kreditmittel zur Verfügung stellen muss. Durch den Massekredit konnte das Unternehmen Verbindlichkeiten gegenüber Kunden und Lieferanten erfüllen, die nach dem Insolvenzantrag Aufträge und Bestellungen erhalten. Offene Forderungen aus dem Zeitraum vor dem Insolvenzantrag bleiben dabei sogenannte Insolvenzforderungen, die im eigentlichen Verfahren bearbeitet werden.

Anfang Februar 2012 erwarb das Unternehmen Possehl das Rollendruckmaschinengeschäft am Standort in Augsburg. Damit ist der Fortbestand dieses Geschäftsfelds erst einmal gesichert. Das von Possehl übernommene Geschäft wird nun in der neu gegründeten Manroland Web Systems GmbH geführt. In dem neu gegründeten Unternehmen fanden rund 1.400 Mitarbeiter einen Arbeitsplatz. Damit blieben mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze am Standort Augsburg erhalten. Ziel für die neue Gesellschaft, in der auch weiterhin das Neumaschinen- sowie das Service- und Ersatzteilgeschäft betrieben wird, ist ein Jahresumsatz in der Größenordnung von 300 Millionen Euro.

Auch Heidelberger Druckmaschinen muss umstrukturieren

Fast gleichzeitig verabschiedete der Vorstand der Heidelberger Druckmaschinen sein Effizienzprogramm ‚Focus 2012‘. Teil des Programmes ist unter anderem ein Abbau von 2.000 Stellen, 1.200 davon in Deutschland. Insgesamt sollen im Geschäftsjahr 2013/14 Einsparungen in Höhe von rund 180 Millionen Euro realisiert werden. Im Rahmen der kurzfristigen Maßnahmen sollen die Produktionskapazitäten um rund 15 % verringert sowie die Servicekapazitäten in den Regionen an das erwartete mittelfristige Umsatz-niveau angepasst werden. Der Bereich Forschung und Entwicklung soll durch verringerte Kapazitäten sowie eine Verbesserung der internen Prozesse und eine begleitende Neu-Priorisierung von Projekten seine Aufwendungen senken. Außerdem sollen die Vertriebs- und Strukturkosten reduziert werden. Die Maßnahmen sollen dazu führen, dass das Geschäftsjahr 2013/14 ein operatives Ergebnis von rund 150 Millionen Euro erreicht.

Verpackungen, Digitaldruck und gedruckte Elektronik

Doch es zeigt sich Licht am Ende des Tunnels. Vor allem der Verpackungsdruck boomt. Hier besonders die Kosmetikverpackungen. Diese werden immer aufwendiger und hochwertiger. Vor allem Markenartikler möchten ihre Produktverpackungen flexibel bedrucken können. Gewinn-, Sonder- oder Rabattaktionen müssen auf der Verpackung angekündigt werden. Und auch das zu bedruckende Material darf kein Hindernis sein – egal ob Karton, Folie oder Etiketten.

Auch der Digitaldruck, der einen qualitativ hochwertigen und wirtschaftlichen Druck auch bei kleineren Auflagen möglich macht, soll den Druckmaschinenherstellern gute Zahlen bescheren. Bisher untermauern die Branchenzahlen die Digitaldruck-Hoffnung aber nicht: der Anteil digitaler Druckverfahren an der Gesamtproduktion liegt bei unter 15 %.

Dafür könnte der Funktionsdruck umso zukunftsträchtiger sein. Unter Funktionsdruck versteht man den Druck von funktionalen Schichten für Solarzellen, Leuchtdioden oder komplette RFID-Transponder. Zurzeit befinden sich die meisten Anwendungen jedoch noch im Entwicklungsstadium oder stehen kurz vor der industriellen Reife. Einzelne Anwendungen wie der Druck von RFID-Antenne laufen aber bereits in der industrielle Produktion. Gängige RFID-Antennen werden aus Draht gewickelt oder aus Aluminium geätzt. Bei dem neuen Verfahren werden im Rolle-zu-Rolle-Prozess Funktionsschichten aus massivem Kupfer aufgebaut. Zuerst wird die Antennenstruktur vorgedruckt, danach erfolgt der Kupferaufbau im galvanischen Prozess. Die Schichtstärke lässt sich genau auf die jeweilige Anwendung abstimmen, sodass bei möglichst geringer Dicke der benötigte Gütefaktor exakt erreicht werden kann. Die Antennenwindungen haben eine Stärke von nur rund 12 μm, die aus Aluminium sind etwa 30 μm dick. Bei dem additiven Schichtenaufbau gibt es, anders als bei geätzten Antennen, keinen Metallabfall. Außerdem sind Kupferantennen um fast 60 % leitfähiger als ihr Aluminiumpendant. Der Herstellungsprozess ist umweltschonend und wirtschaftlich, zudem lassen sich die Antennen aufgrund ihrer niedrigen Stärke gut weiterverarbeiten. Dieser Ausblick zeigt, dass neuen Materialien und Verfahren die Zukunft der Druckmaschinen gehört.

Melanie Feldmann

: Redakteurin IEE

(mf)

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