Ein erstes Architekturkonzept wurde für Gaia-X erstellt.

Ein erstes Architekturkonzept wurde für Gaia-X erstellt. (Bild: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie)

| von Gunnar Knuepffer

Ein erstes technisches Architekturkonzept für die geplante vertrauenswürdige sichere Dateninfrastruktur in Europa, Gaia-X, ist erstellt. Das Konzept von deutschen und französischen Unternehmen beschreibt unter anderem die für das Ökosystem zentralen Dienste, die einzuhaltenden europäischen Regeln und Normen sowie die Anforderungen aus Sicht der Anwender. Letztere wurden aus inzwischen über 40 Use Cases abgeleitet.

22 Unternehmen, von denen je elf aus Deutschland und Frankreich kommen, stellten bei einer virtuellen Veranstaltung die Organisation vor, in der sie sich als Rahmen für das Ökosystem Gaia-X zusammenschließen werden. Sie bilden sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite von Gaixa-X ab. Alle Mitglieder der Organisation verpflichten sich zur Einhaltung folgender Leitprinzipien: Schutz der Datensouveränität, der Datenverfügbarkeit, der Interoperabilität, der Portabilität, der Förderung der Transparenz und der fairen Teilhabe.

Fünf Publikationen wurden veröffentlicht, die mit den beteiligten Unternehmen und Organisationen erarbeitet wurden, um die nächsten Schritte zu konkretisieren und vorzubereiten:

  • Gaia-X – das europäische Projekt startet in die nächste Phase: Gibt einen Überblick über die mit Gaia-X verfolgten Ziele, Ergebnisse und den weiteren Prozess.
  • Gaiax-X: A Pitch Towards Europe – Statusbericht zu Anwenderökosystemen und -anforderungen: Mehr als 40 Anwendungsbeispiele aus den acht Domänen „Industrie 4.0/KMU-Kleine und mittelständische Unternehmen“, „Gesundheitswesen“, „Finanzwesen“, „Öffentlicher Sektor“, „Smart Living“, „Energie“, „Mobilität“ und „Agrar“ demonstrieren den Mehrwert, den Gaia-X im Verhältnis zum Status Quo leisten kann. Aus diesen Beispielen wurden sektorübergreifende Anforderungen an Gaia-X abgeleitet.
  • Gaia-X: Technical Architecture – Release May/2020: Mit dem ersten Architekturpapier wird ein Konzept für Gaia-X vorgestellt, das wesentliche Funktionen von Gaia-X, die so genannten föderierten Dienste („federated services“) und Rollen sowie Funktionsweisen im Gaia-X-Ökosystem technisch beschreibt.
  • Gaia-X: Policy Rules and Architecture of Standards: Die föderierte Architektur baut auf europäischen Regeln und Standards auf und wird diese effizient umsetzen. Eine erste Übersicht der Vorschläge für „Policy Rules and Architecture of Standards (PRAAS)“ wird vorgestellt und ebenso der Prozess, wie diese systematisch fortentwickelt werden.
  • Gaia-X: Driver of digital innovation in Europe – Featuring the next generation of data infrastructure: Die Publikation bietet eine High-Level Sicht auf Gaia-X und erklärt einfach beschrieben die Funktionsweise und Zusammenhänge.

„Das Ziel ist ein digitales Ökosystem in Europa, das Innovationen und neue datengetriebene Dienste und Anwendungen hervorbringt. Wir laden alle europäischen und internationalen Partner, die unsere Leitprinzipen wie Offenheit und Transparenz, Vertrauen, Souveränität und Selbstbestimmtheit teilen, zur Mitarbeit ein,“ sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

„Der gemeinsame Wille Frankreichs und Deutschlands erlaubt es uns, die Grundlagen für eine echte europäische Dateninfrastruktur zu legen“, meinte der französische Minister für Wirtschaft und Finanzen, Bruno Le Maire.  Ausgehend von der Zusammenarbeit zwischen elf deutschen und elf französischen Unternehmen könne Europa eine neue Kultur der künstlichen Intelligenz voranbringen, die sich auf die Prinzipien der Offenheit, der Interoperabilität, der Transparenz und des Vertrauens stütze.

Was Gaia-X Maschinenbauern bieten soll, können Sie hier lesen.

Und auch was wichtige Branchenverbände zu dem Projekt Ende 2019 sagten, haben wir zusammengefasst:

Bitkom: Gaia-X kann digitale Souveränität stärken

VDMA zu Gaia-X: Eine europäische Cloud wäre vielversprechend

Deutsche Internetwirtschaft begrüßt Gaia-X-Projekt

Bundesverband KI zu Gaia-X: gut, aber nicht ausreichend

Die Idee, gemeinsam an einem Projekt zum „Data-Sharing“ zu arbeiten, kam erstmals im Februar 2019 anlässlich der Veröffentlichung eines deutsch-französischen Manifests über eine europäische Industriepolitik in Berlin auf. Anlässlich des 21. deutsch-französischen Ministerrats im Oktober 2019 in Toulouse hatten sich die Minister Altmaier und Le Maire auf einen Fahrplan für die deutsch-französische Zusammenarbeit im Bereich KI sowie auf einen gemeinsamen Ansatz für eine europäische Dateninfrastruktur verständigt, die den Erhalt unserer Datensouveränität ermöglichen soll.

Auf dem Digital-Gipfel im Oktober 2019 wurde die Idee einer europäischen Dateninfrastruktur dann erstmals öffentlich präsentiert. Aktuell arbeiten Vertreter aus rund 300 europäischen und internationalen Unternehmen und Wissenschaftsorganisationen im Rahmen von Gaia-X daran, diese Idee in die Tat umzusetzen.

(gk)

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