Platooning von zwei Bussen im Stadtverkehr

Beim sogenannten Platooning sind zwei oder mehr Fahrzeuge über eine ‚elektronische Deichsel‘ miteinander verbunden. Dabei hat aber nur das vordere Fahrzeug einen menschlichen Fahrer, die hinteren Fahrzeuge fahren automatisiert hinterher. (Quelle: KIT)

| von Dieter Wirth

Dabei fährt nur der vorderste Bus mit Fahrer und die anderen Busse folgen mittels elektronischer Steuerung in kurzem Abstand. Dabei sind sie nicht mechanisch oder per Kabel miteinander gekoppelt, sondern informationstechnisch via Datenfunk–Platooning wird das genannt. Diese Kolonnen aus jeweils den gleichen Bussen können einfach an den jeweiligen Bedarf angepasst werden. Denn die "elektronische Deichsel" kann leicht an- und entkoppelt werden. Dadurch „können wir unseren Fahrgästen ein passgenaues Angebot bieten“, sagte Dr. Svenja Reiß von den Stadtwerken München (SWM), so wie es die Nachfragesituation erfordert. Das ist der Plan, wenn die bisherigen Busse durch elektrisch angetriebene Fahrzeuge ersetzt werden. Den Weg dahin soll das Projekt Tempus ‚Testfeld München – Pilotversuch Urbaner automatisierter Straßenverkehr‘ ebnen, an dem unter anderen das KIT Karlsruher Institut für Technologie, die Stadtwerke München und der Elektrobushersteller Ebusco seit Anfang 2021 arbeiten; das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fördert das Projekt mit rund 12 Millionen Euro für die Laufzeit von zweieinhalb Jahren. Ähnliche Projekte gibt es auch anderswo: Daimler Trucks erprobt die Platooning-Technik bereits seit längerem in USA und Japan. Dem vorausgegangen war das EU-Projekt Sartre (Safe Road Trains for the Environment).

Am Institut für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV) am KIT werden jetzt die Konzepte für das Platooning von Stadtbussen und anschließend die entsprechenden Algorithmen für die Automatisierung entwickelt. Diese werden dann in einem Bus-Prototyp eingesetzt, den das KIT, die SWM und Ebusco bis Mitte 2022 verwirklichen wollen. Getestet wird dieser Prototyp auf dem Testfeld für elektrifizierte und automatisierte Fahrzeuge im öffentlichen Personennahverkehr im Norden von München. „Unser Ziel ist es, die neuen Fahrzeuge ab Mitte des Jahrzehnts auf die Straße zu bringen“, erklärte Prof. Eric Sax, Leiter des Instituts für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV) am KIT.

Andere Lösungen als diese elektronische Kopplung von Fahrzeugen sind weitaus weniger sinnvoll beziehungsweise wirtschaftlich. Die bisherige Lösung der Münchner Stadtwerke mit mechanisch an ein Zugfahrzeug gekoppelten Personenanhängern sei es jedenfalls nicht, wenn die Busse einen elektrischen Antrieb haben, erläutert Sax. Zusätzlich einen Personenanhänger elektrisch zu motorisieren sei ebenfalls weder kosten- noch energieeffizient. Eine rein elektronische und informationstechnische Kopplung wie bei diesem sogenannten Platooning erlaube hingegen, vollständige Fahrzeuge zu koppeln. „Weil dabei gängige Fahrzeugtypen eingesetzt werden, ist die Elektrifizierung einfacher und preiswerter“, sagte Sax.

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