Aussicht der österreichischen Elektroindustrie

Die österreichische Elektroindustrie geht von einem fortgesetzten Wachstum aus. (Bild: Adobe Stock, Frank Täubel)

| von Gunnar Knüpffer

In Österreich sprudeln die Geschäfte in der Elektro- und Elektronikindustrie. In den ersten zwei Monaten 2018 konnten die Branchenunternehmen ihren Auftragseingang um 18 Prozent steigern und auch der abgesetzte Produktionswert lag mit einem Plus von 10,9 Prozent deutlich über dem Vorjahresniveau. Dies wirkt sich auch auf die Zahl der Beschäftigen in der Branche aus. „Wir verzeichnen bereits zu Beginn des Jahres 2018 einen Zuwachs von mehr als sechs Prozent“, stellte der Geschäftsführer des österreichischen Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI), Lothar Roitner, fest.

„Die Elektro- und Elektronikindustrie legte mit 12,5 Prozent Wachstum in der Produktion im Jahr 2017 deutlich zu und erwies sich einmal mehr als Hochleistungsbranche“, sagte die Präsidentin des FEEI, Brigitte Ederer. Die Elektro- und Elektronikindustrie (EEI) als zweitgrößter Industriezweig Österreichs erreichte mit einem abgesetzten Produktionswert von 17,4 Milliarden Euro erneut ein Rekordhoch. Der Umsatz erhöhte sich um 10,2 Prozent und die Exportquote stieg leicht und blieb mit 82 Prozent auf einem hohen Niveau.

Produktion elektronischer Bauelemente wächst

Für die Hersteller elektronischer Bauelemente war 2017 ein außergewöhnliches Jahr: Nach starken Steigerungen in den zwei Vorjahren konnte die Produktion 2017 noch einmal um rund 25 Prozent ausgeweitet werden. Ausschlaggebend dafür war wie in den Vorjahren die Erzeugung von Halbleitern. Nach einer etwas schwächeren Entwicklung im Vorjahr konnten die Hersteller von Geräten und Einrichtungen der Mess-, Kontroll- und Prüftechnik ihre Produktion 2017 um 9,9 Prozent ausweiten. Ähnlich positiv zeigt sich die Entwicklung für Produzenten von Generatoren, Transformatoren und Motoren, welche um 7,5 Prozent wuchs.

Java on Chip von Demmel Products

Demmel Products hat einen Java-programmierbaren Controller namens Java on Chip entwickelt. Demmel Products

Eine Firma, die vom Trend zu elektronischen Bauelementen profitiert, ist Demmel Products. Der Anbieter von Lösungen im Hardware- und Software-Bereich aus Wien zeigte auf der diesjährigen Embedded World erstmals einen Java-programmierbaren Controller namens Java on Chip (JoC). Dieser JoC soll in vielen Fällen herkömmliche Mikrocontroller-Elektronik ersetzen und damit das Design vereinfachen. Er könnte zum Beispiel in Steuerungen oder Sensor-Auswertungen zum Einsatz kommen, wobei alle Kommunikationsschnittstellen einfach unter Java angesprochen werden sollen.

Wie sich die Exporte der österreichischen Elektroindustrie entwickelten, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Auch der Technologie-Anbieter Next System profitiert von diesem Trend. Das Unternehmen, das unter anderem im Bereich Haptic-Touch-Technologies engagiert ist, hat sich jetzt mit dem Systemlösungsanbieter Data Modul zusammengeschlossen, um Kunden neue Anwendungen in der Touchtechnologie anbieten zu können. Nach Angaben des Unternehmens ermöglicht der Haptic Touch eine einfache Bedienung von glatten Glasoberflächen. Diese „feinfühlige Innovation“ biete insbesondere in ihrem Sehvermögen eingeschränkten Benutzern einen Vorteil, den herkömmliche Lösungen der Projected Capacitive Technologie (PCAP) in dieser Form nicht leisten könnten. Für industrielle Anwendungen seien durch die intergrierte Kraftmessung zusätzliche Sicherheitsfunktionen über frei definierbare Schwellwerte realisierbar, teilte Next System mit.

Manager von Data Modul und Next System

Data Modul kooperiert mit Next System, um Kunden spezielle Lösungen im Bereich der Touchtechnologie anzubieten. Next System

Rückenwind verspürt ebenso der Hersteller von Hochleistungssensoren AMS aus Premstätten, der Produkte für Consumer, die Kommunikation, Industrie, Medizin und Automotive anbietet. Neu auf dem Markt präsentiert das Unternehmen, das weltweit rund 10.000 Mitarbeiter beschäftigt, nun einen Miniatur-Spektralsensorchip, der labortaugliche Mehrkanal-Farbanalysefunktionen für tragbare und mobile Geräte bietet. Dieser soll in Endprodukten wie Mobiltelefonen oder Zubehör präzisere Spektralmessungen in einem breiteren Spektrum von Lichtverhältnissen ermöglichen, als dies vergleichbare Sensoren können.

Export stieg um 6,5 Prozent

Die östereichischen Unternehmen der Elektro- und Elektronikindustrie exportierten 2017 Produkte und Dienstleistungen im Wert von 16,64 Milliarden Euro, was eine Steigerung um 6,5 Prozent darstellt. Dabei blieb die Exportquote mit rund 82 Prozent auf einem hohen Niveau.

Firmengebäude von Melecs

Melecs hat die mexikanische Firma Prettl Electronics Queretare erworben, um neue Kunden zu gewinnen. Melecs

Konsequent auf Internationalisierung setzt beispielsweise der Elektronikdienstleister Melecs, der gerade zu Österreichs „Fabrik des Jahres 2018“ gekürt wurde. Der Dienstleister mit österreichischen Standorten in Siegendorf, Wien und Lenzing übernahm Ende 2018 70 Prozent der Anteile von Prettl Electronics Queretare in Mexiko. Damit hat Melecs einen strategischen Partner, der im Automobil- und Haushaltsgerätegeschäft bekannt ist. So sollen neue Kunden in den Business Units White Goods, Automotive und Industry gewonnen werden und bestehenden Kunden Fertigungskapazitäten in Nordamerika angeboten werden.

Wie sich die Zahl der Beschäftigten in der österreichischen Elektroindustrie verändert hat, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Die Zahl der Beschäftigten in der östereichischen Elektro-und Elektronik-Industrie ist in den vergangenen vier Jahren um zehn Prozent gestiegen. „Unsere Unternehmen schaffen laufend zukunftssichere Jobs und sichern bestehende ab“, warb FEEI-Präsidentin Ederer. Vor allem die Digitalisierung und die Automatisierung seien Treiber für das Wachstum.

So engagiert sich beispielsweise die TT Tech Group aus Wien auf den Gebieten der Echtzeit-Kommunikation und bei Open-Computing-Plattformen für das Industrial Internet und Industrie 4.0. Zuletzt entwickelte das High-Tech-Unternehmen eine Industrial-IoT-Plattform namens Nerve für den Markt der industriellen Automatisierung. Diese Plattform soll es Maschinenbauern und Produktionsunternehmen ermöglichen, Dienstleistungen im Sinne von Industrie 4.0 anzubieten, die auf nahtlosen Software-Updates, proaktiver Wartung und optimierter Maschinenleistung beruhen. In diesem Zusammenhang kümmerte sich TT Tech auch um den Standardisierungsprozess bezüglich des Time Sensitive Networking (TSN) und förderte OPC UA TSN als einheitlichen Kommunikationsstandard für die Fertigung.

Gutes wirtschaftliches Umfeld

IIoT-Plattform Nerve von TT Tech

TT Tech entwickelte die IIoT-Plattform Nerve. TT Tech

Kooperationsprojekte zwischen Wissenschaft und Wirtschaft soll das neue Electronic-Based-Systems- Center an der TU Graz initiieren, das von der Bundesimmobiliengesellschaft mit finanzieller Unterstützung des Landes Steiermark und der EU am Campus Inffeldgasse errichtet wird. Es soll als Entwicklungszentrum im Bereich Sensortechnik und Mikroelektronik dienen. Die Hälfte der Räume steht dabei universitären Spin-offs sowie kleinen und mittelständischen Firmen aus dem Bereich Mikroelektronik zur Verfügung. Die andere Hälfte wird von der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnikder TU Graz mit Schwerpunkt auf dem Forschungsgebieten Elektronik, Sensorik und Hochfrequenztechnik genutzt. Auch ein Maker-Space für Studierende wird dort seinen Platz finden.

Nach Einschätzung des FEEI ist das wirtschaftliche Umfeld für die Branche so gut wie schon lange nicht mehr. Die Prognosen über die Konjunkturentwicklung der wichtigsten Wirtschaftsräume für die nächsten zwei Jahre seien sehr günstig, sodass man mit einer guten Entwicklung für die Elektroindustrie rechnen könne.

 

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