Komponenten-Management im Produktlebenszyklus eines Geräts. Produktmitteilungen

Komponenten-Management im Produktlebenszyklus eines Geräts. (Bild: Rutronik)

Die Unternehmen – beziehungsweise die verantwortlichen Personen – stehen vor der Aufgabe, die zahlreich eintreffenden Produktmitteilungen den Stücklisten, Produkten oder Plattformen zuzuordnen, die Informationen zu bewerten und an die entsprechenden Stellen im Unternehmen oder Fertigungsverbund weiterzuleiten. Um einen drohenden Mehraufwand in punkto Doppelbearbeitung zu vermeiden, gilt es redundante Meldungen möglichst frühzeitig zu erkennen und zu eliminieren.

Digitaler Standard für Produktmitteilungen

Die Informationenverwaltung findet heute noch immer hauptsächlich manuell statt. Das heißt, die Bearbeitung der Produktmitteilungen seitens der Hersteller, sofern überhaupt verfügbar, erfolgt in lokalen Kundendatenbanken. Der Großteil der Hersteller, vor allem im Bereich der elektronischen Bauelemente, stellt die Informationen zwar in elektronischer Form zur Verfügung, aber in uneinheitlichen Formaten (PDF, Word, Excel, etc.). Eine automatisierte Verarbeitung der Daten ist auf diese Weise nicht möglich. In Anbetracht einer kontinuierlichen Zunahme an Produktmeldungen während der letzten Jahre wäre jedoch genau dies wünschenswert. Allein im Jahr 2017 verzeichnete der Distributor Rutronik einen Anstieg um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der Produktabkündigungen am Gesamtvolumen reduzierte sich dabei leicht auf rund 19 Prozent.

Als international agierender Broadline-Distributor sieht sich auch Rutronik künftig verstärkt mit Kundenforderungen hinsichtlich Informationssicherheit, Datensicherheit und Automatisierung der Daten konfrontiert. Die Mitgliedschaft im COG (Component Obsolescence Group) deutet bereits daraufhin, dass das Unternehmen die Themenfelder Obsoleszenz-Management und PCN/PDN-Handling sehr ernst nimmt. Die Kunden sollen so die Möglichkeit haben, auf umfassende und optimierte Servicedienstleistung zugreifen zu können. Gerade in Bezug auf die gewünschte automatisierte Bearbeitung von Änderungsmitteilungen spielt der Smart-PCN-Standard eine zentrale Rolle.

Mehr zum Smart PCN-Format und zum Obsoleszenz-Managment zeigt der Beitrag auf der nächsten Seite.

Das Smart-PCN-Format

Der Distributor hat hierzu eigens ein IT-Projekt initiiert, um die erforderlichen Schnittstellen einzurichten, die dann die Herstellerinformationen in das Smart-PCN-Format (PCN, Product Change Notification) umwandeln können, also zu digitalisieren (XML-Format). Somit erhalten Kunden die Möglichkeit, die Daten unter Einsatz von geeigneter Software digital einzulesen und zu verarbeiten. Entscheidende Vorteile sind hier die automatische Einspielung der Daten sowie die Erkennung von redundant erhaltenen Informationen. Gerade beim Bezug eines Bauelementes von mehreren Lieferanten kann es vorkommen, dass dieselbe Änderungsmitteilung mit zeitlichem Versatz von unterschiedlichen Quellen eintrifft. Durch Smart-PCN ist es nun möglich, Doubletten frühzeitig zu erkennen, wodurch lästige und zeitraubende Mehrfachbearbeitungen endgültig der Vergangenheit angehören.

Seit dem dritten Quartal 2018 können Kunden auf Anfrage die Änderungsmitteilungen im Smart-PCN-Format zur Verfügung stellen. Ein weiterer Vorteil der digitalisierten Aufbereitung ist die einfache Weiterverarbeitung der Daten in Bezug auf eine Risikobewertung der weiteren Verfügbarkeit (Life-Time-Cycle). Ein Großteil des Rutronik-Umsatzes basiert auf dem Vertrieb von komplexen, erklärungsbedürftigen elektronischen Bauelementen (Design-In-Produkte). Diese Produkte sind oftmals aufgrund ihrer hohen Funktionalität und Integrationsdichte nicht 1:1 austauschbar, was den Einsatz von Alternativen im Falle einer Obsoleszenz deutlich erschwert. Besonders bei diesen Produkten ist neben einer zielgerichteten Informationspolitik die Risikobewertung zur (Langzeit-) Verfügbarkeit elementar wichtig. Die Einschätzung obliegt dabei dem Kunden und richtet sich unter anderem nach Applikation und Branche und den entsprechenden Anforderungen und Produktlebenszyklen. Eine Bewertung zur Absicherung der Verfügbarkeit sollte dabei bereits in einer frühen Phase der Design-In-Aktivität Berücksichtigung finden.

Produktionsausfälle vermeiden

Bei der VDI-Richtlinie 2882 (Obsoleszenz-Management aus Sicht von Nutzern und Betreibern) handelt es sich um einen Leitfaden zur Vermeidung von Produktionsausfällen. Sie zeigt Konzepte zur Sicherstellung und Nutzung langjähriger Komponenten beziehungsweise Systemen auf und ergänzt damit die DIN EN Norm 62402 (Anleitung zum Obsoleszenz-Management). Die Digitalisierung der Änderungsmitteilung ermöglicht somit dem Nutzer eine deutliche Zeit- und Kostenersparnis und entlang der gesamten Lieferkette einen durchgängigen, transparenten – da standardisierten – zeitnahen Informationsfluss.

 

 

Andreas Glaser

Leiter technisches Qualitätsmanagment bei Rutronik

(aok)

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