Protestierende der IG Metall

In der startenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie fordert die IG Metall für ihre Mitglieder ein Plus von 8 Prozent bei den Entgelten und Ausbildungsvergütungen. Die Arbeitnehmerseite sieht die Forderungen naturgemäß als überzogen an. (Bild: Thomas Range / IG Metall)

„Die Konjunktur braucht steigende Einkommen und stabilen Konsum. Die Arbeitgeber müssen dafür jetzt ihren Beitrag leisten.“ Das ist eines der Argumente, mit dem die IG Metall für ihre Mitglieder ein Plus von 8 Prozent bei den Entgelten und Ausbildungsvergütungen in der startenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie fordert. Der Vorstand bestätigt damit den Beschluss der Tarifkommissionen, die zuvor nach Debatten in den Bezirken die Forderung an den Vorstand weitergegeben hatte. Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, sagte: „Die Beschäftigten brauchen Entlastungen, auch mit Blick auf ihre 2023 nochmals steigenden Rechnungen. Die Konjunktur braucht steigende Einkommen und stabilen Konsum als existenzielle Stütze. Die Arbeitgeber müssen dafür jetzt ihren gerechten Beitrag leisten.“ Zuletzt wurden 2018 in der Branche die tariflichen Entgelttabellen angehoben.

Unabhängig von weiteren nötigen Entlastungen der Privathaushalte durch die Politik müssten die Arbeitgeber laut der Gewerkschaft ihre Gewinne in die soziale Stabilität des Landes investieren: „Der überragenden Mehrheit der Unternehmen geht es aktuell gut: sowohl hinsichtlich der Auftrags- als auch der Ertragslage. Betriebe können steigende Kosten weiterreichen, Beschäftigte nicht“, sagte Hofmann. Dementsprechend laute das Motto dieser Tarifrunde „Solidarität gewinnt!“

Die Verhandlungen in den Tarifgebieten der IG Metall mit den Arbeitgeberverbänden beginnen Mitte September. Die Friedenspflicht endet mit dem 28. Oktober 2022.

Video der IG Metall zu ihren Forderungen in der Tarifrunde Metall und Elektro 2022

Das sagen die Arbeitgeber zur Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie

Wie zu erwarten war, hält die Arbeitgeberseite die Forderungen für überzogen: „Bereits die Forderungsempfehlung war ein Zeichen für einen alarmierenden Realitätsverlust der IG Metall. Diese nun beschlossene Forderung ist nur zu erklären, wenn die IG Metall blind geworden ist für die Wirklichkeit in der Branche“, erklärte Gesamtmetall-Präsident Dr. Stefan Wolf. Auch die Argumente der IG Metall lässt er nicht gelten: „Ein Auftragsbestand, der nicht abgearbeitet werden kann oder mit dem die Unternehmen mit jedem verkauften Produkt Verlust machen würden, ist kein Kriterium für eine gute Lage der Branche insgesamt.“ Zudem sieht er weiteres Problem: „Die Lage ist so unterschiedlich wie nie zuvor. Sich von den 26.000 Unternehmen in der Metall- und Elektro-Industrie an den vielleicht 100, denen es trotz allem noch gut geht, zu orientieren, ist verantwortungslos, gerade wenn man Interesse an einem Flächentarif hat.“

Dr. Wolf verwies weiter darauf, dass die tatsächliche Produktion der Branche heute noch um 12 % unter 2018 liege, die Beschäftigten aber seitdem mehr als 9 % mehr Geld erhalten hätten. Zudem sei die Beschäftigung nahezu stabil geblieben: Die Zahl der Arbeitsplätze sei lediglich um 3 % gesunken.

Gesamtmetall-Präsident Wolf weiter: „Das zeigt, dass die Unternehmen trotz Corona, Teilemangel und Energiepreisschock an Beschäftigung festhalten. Klar ist aber, dass dies trotz aller Unterstützung durch Kurzarbeiterregelungen viele Betriebe ausgelaugt hat. Dabei ist noch gar nicht berücksichtigt, dass die Investitionen in den Strukturwandel erst einmal verdient werden müssen. Wir können nur zusammen nach vorne kommen. Voraussetzung dafür ist aber, nicht in einer Fantasiewelt zu verharren.“

Sie möchten gerne weiterlesen?

Registrieren Sie sich jetzt kostenlos:

Bleiben Sie stets zu allen wichtigen Themen und Trends informiert.
Das Passwort muss mindestens acht Zeichen lang sein.

Mit der Registrierung akzeptiere ich die Nutzungsbedingungen der Portale im Industrie-Medien-Netzwerks. Die Datenschutzerklärung habe ich zur Kenntnis genommen.

Sie sind bereits registriert?