Der VDW will den Umati-Standard weltweit rollen und im Sinne der Maschinenanwender möglichst viele Mitstreiter zu gewinnen. „Die vielen Messeabsagen im vergangenen Jahr haben die internationale Verbreitung jedoch ein wenig gebremst, sagte der VDW-Vorsitzende Dr. Heinz-Jürgen Prokop auf der Jahrespressekonferenz des Verbands.

Der VDW will den Umati-Standard weltweit ausrollen und im Sinne der Maschinenanwender möglichst viele Mitstreiter zu gewinnen. „Die vielen Messeabsagen im vergangenen Jahr haben die internationale Verbreitung jedoch ein wenig gebremst, sagte der VDW-Vorsitzende Dr. Heinz-Jürgen Prokop auf der Jahrespressekonferenz des Verbands. (Bild: VDW)

Die deutschen Werkzeugmaschinenbauer erwarten nach zwei schlechten Jahren in Folge eine Trendwende. Auf der Jahrespressekonferenz des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) wies der Vorsitzende Dr. Heinz-Jürgen Prokop auf zahlreiche positive Faktoren hin: wirtschaftlicher Aufschwung in China, die USA sorgten wieder für Schub, in Europa werde wieder mehr investiert. Der Prognosepartner des Industrieverbands, Oxford Economics, stellte für 2021 einen kräftigen Auftragszuwachs von 35 % in Aussicht. Aber die Corona-Pandemie mache verlässliche Perspektiven unsicher, gab Prokop zu bedenken.

Jahresbilanz 2020: Kennzahlen tief im Minus

2020 waren die Aufträge für die Werkzeugmaschinenbauer bedingt durch die Corona-Krise um 30 % gefallen, nach einem Rückgang gleicher Größenordnung schon ein Jahr zuvor. Auch alle anderen Kennzahlen rutschten 2020 tief ins Minus: Produktion minus 31 %, Export minus 29 %, Inlandsabsatz minus 33 %. Die erhoffte Aufwärtsbewegung für das Jahr 2021 startet also von niedrigem Niveau aus.

2019 lag die Kapazitätsauslastung noch bei mehr als 88 %. Durch den Auftragsmangel fiel sie 2020 auf knapp 72 %. Das ist vergleichbar mit dem Niveau der Finanzkrise 2009. Die Zahl der Beschäftigten sank im Jahresdurchschnitt 2020 um 4,5 % auf 70.000.

Trotz der hohen Verluste haben sich die deutschen Hersteller im internationalen Wettbewerb gut geschlagen. In der Produktion belegt die Branche mit einem Anteil von 16 % nach China und vor Japan Platz 2. Im Export ist sie mit 20 % Anteil Exportweltmeister geblieben, vor Japan und China.

China bleibt mit einem Verbrauch von 18 Milliarden Euro weltgrößter Markt und mit einem Einfuhrvolumen von 5,4 Milliarden Euro trotz zweistelliger Verluste der weltgrößte Importeur. Allerdings könnten die Geschäfte in Zukunft schwieriger werden. Wenn der innerasiatische Handel mit dem jüngst geschlossenen RCEP-Abkommen durchlässiger werde, intensiviere dies den Wettbewerb der deutschen Anbieter mit Japan und Südkorea im chinesischen Markt. Zudem strebe die chinesische Regierung mehr Unabhängigkeit von Technologie-Importen an; unter den Maschinenbauern werde heftig spekuliert, ob dies mittelfristig gelingen könne.

Folgen der Euro-7-Norm für den Werkzeugmaschinenbau

Mit der Euro-7-Norm plant die EU-Kommission, den Grenzwert für Emissionen von Pkw und Lkw bis 2025 auf null zu setzen. „Damit verbietet sie quasi den Verbrennungsmotor und setzt voll auf Elektromobilität“, kommentierte Prokop das Vorhaben. Käme das Aus für den Verbrenner, befürchten Experten nach Angaben des VDW, dass eine halbe Million Arbeitsplätze allein in Deutschland gefährdet wären. Rund 43 % der Werkzeugmaschinenproduktion gehen nach einer aktuellen Kundenstrukturerhebung des VDMA in die Automobil- und Zulieferindustrie. Viele Maschinen werden für die Produktion von Motor und Antriebsstrang eingesetzt.

Hier finden Sie das VDMA Positionspapier Euro 7-Pläne der EU: Drohendes Aus für Verbrennungsmotoren würde gesamte industrielle Wertschöpfungskette gefährden

Produkte mit OPC UA for Machine Tools in der Pipeline

Die Entwicklung der OPC-UA-Schnittstelle für die Kommunikation von Werkzeugmaschinen mit IT-Systemen konnte 2020 trotz der äußeren Erschwernisse weiter vorangetrieben werden. „Damit kann die Werkzeugmaschinenindustrie das Zeitalter von Industrie 4.0 mit neuen Geschäftsmodellen und zunehmend automatisierten Produktionsprozessen auch tatsächlich einläuten und Anwender können einen echten Nutzen daraus ziehen“, sagte Prokop. Produkte und Anwendungen können nun „auf Basis dieses Standards entwickelt werden“.

Umati wächst – bereits über 150 Partner

Mit der Fertigstellung der Umati-Standards wurde eine Beispiel-Implementierung als Testgrundlage umgesetzt, um Herstellern den einfachen Einstieg in die reale Umsetzung der Schnittstellen-Spezifikation zu ermöglichen. Dies wurde auch unmittelbar mit 21 Werkzeugmaschinenunternehmen erfolgreich erprobt. Jetzt müsse „der Markt aktiv bearbeitet und informiert werden, damit sich die Standards auch durchsetzen und verbreiten“, sagte Prokop. So werde es zur Messe „Metav digital“ im März  einen Live-Demonstrator aufgebaut.

Mit dem Forum Glastechnik habe man Ende vergangenen Jahres sechs neue Umati-Partner gewonnen. Der VDW ist mit weiteren Technologiegruppen sind wir im Gespräch. Darunter befindet sich auch eine größere Gruppierung. Derzeit könne Prokop aber „noch keine Details nennen“.

Der VDW hat Ende Januar nach einem langwierigen Registrierungsprozess eine Repräsentanz in Shanghai eröffnet. Sie wird den OPC-UA-Schnittstellenstandard unter der Marke Umati vor Ort vertreten. Dort wird auch ein Umati-Showroom aufgebaut, der die Live-Präsentation des Standards dauerhaft erlaubt. Die eigenständige VDW-Repräsentanz war notwendig geworden, weil das zuvor bestehende Office-in-Office-Konzept unter dem Dach des VDMA aufgrund des NGO-Gesetzes aus dem Jahr 2016 nicht mehr fortgeführt werden konnte.

(dw)

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