CARB und der Klimawandel

Neuen Schub brachte an dieser Stelle der Wunsch des Californian Air Resources Board (CARB) nach sauberer Luft und Eliminierung des Smogs, der seinerzeit viele kalifornische Städte plagte. Die Vorgaben waren allerdings so streng, dass sie sich mit nichts anderem als mit Elektrofahrzeugen einhalten ließen. Nach einigem juristischem Hickhack führte dies dazu, dass die ZEV-Anordnungen (Zero Emission Vehicle) des CARB so weit verwässert wurden, dass auch Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor die neuen Zielvorgaben erfüllen konnten.

Seit dieser Zeit haben sich die Herausforderungen für das Automobil gewandelt – von sauberer Luft über den CO2-Ausstoß bis zum Klimawandel. Der Zwang zur Senkung der CO2-Emissionen ist deutlich breiter gefasst als das Streben nach sauberer Luft in den 1990er Jahren. Aufgehalten werden könnten die Bestrebungen zur Senkung der Kohlendioxid-Emissionen nur durch eine vollständige Widerlegung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Erwärmung des Weltklimas – und dies erscheint höchst unwahrscheinlich.

Eckdaten

Der Markt für E-Fahrzeuge und Hybride wächst beständig, und diesmal soll es ein kontinuierliches Wachstum sein. Allerdings wird es keine Standardlösung, sondern diverse Ausprägungen geben. In diesem Beitrag geht Strategy Analytics auch auf die Rolle von Tesla ein und liefert eine detailliertere Marktprognose bis 2025 – abgerundet von einer Aussicht auf die langfristigere Situation.

Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren auch der Wunsch nach sauberer Luft wieder laut geworden ist. Der Ende 2015 begonnene „Dieselgate“-Skandal machte deutlich, dass die konventionell betriebenen Dieselfahrzeuge vielleicht doch nicht so umweltfreundlich waren, wie man es uns glauben machen wollte.

Die Automobilindustrie dürfte es deshalb weltweit mit noch strengeren gesetzlichen Vorgaben bezüglich des Kraftstoffverbrauchs und der Abgasemissionen zu tun bekommen, und sie wird die gesetzten Ziele nur dann erfüllen können, wenn sie ihre Fahrzeugflotte zu einem großen Teil elektrifiziert. Die Chance, dass die treibende gesetzgeberische Kraft wieder verschwindet, wie es in den 1990er Jahren und zu Beginn der 2000er Jahre der Fall war, ist somit verschwindend gering. Dieses Mal ist die Situation wirklich gänzlich anders.

Eine Standardlösung gibt es nicht

Neben den völlig andersartigen Rahmenbedingungen steht uns heute eine ganz andere Palette an technischen Lösungen zur Verfügung. Ein Jahr nach der Einführung des GM EV1 brachte Toyota im Jahr 1997 die erste Generation seines Hybridfahrzeugs Prius heraus. Heute, also mehr als 20 Jahre später, haben die Konsumenten die Auswahl unter verschiedenen Hybridfahrzeugen, batterieelektrischen Fahrzeugen und sogar Modellen mit Brennstoffzellen.

Diese Auswahl ist wiederum eine entscheidende Voraussetzung für das Entstehen eines Massenmarkts. Zwar hat sich die Batterietechnologie maßgeblich weiterentwickelt, aber dennoch sind die Reichweiten-Bedenken für die Konsumenten immer noch sehr real. Die Automobilhersteller werden eine Palette unterschiedlicher Angebote brauchen, um den vielschichtigen Forderungen ihrer Kunden in Bezug auf Reichweite, Leistungsfähigkeit und Kosten gerecht zu werden.

  • Mildhybride werden ein Bereich mit starkem Wachstum sein, wobei dem 48-V-Bordnetz eine entscheidende Rolle zukommt. Im Mai 2017 wird Herbert Diess von VW wie folgt zitiert: „Bei Stadt- und Kleinstautos ist es wahrscheinlich, dass 48-V-Hybridsysteme den Dieselmotor ersetzen und für weniger Geld die gleiche Effizienz bieten werden. Auch wenn es den Verbrennungsmotor noch lange geben wird, kommen wir doch an die Grenzen der thermodynamischen Möglichkeiten, sodass die Kosten für die Umstellung auf Hybridantrieb niedriger sein werden als die Aufwendungen dafür, Verbesserungen ohne Hybridtechnik zu erzielen.“ Strategy Analytics definiert diese Gruppe der Mildhybride als Fahrzeuge, die zur Drehmomentsteigerung einen Elektromotor mit weniger als 15 kW besitzen.
  • Vollhybride wie der marktführende Toyota Prius werden einen eher moderaten Nachfragezuwachs verzeichnen und vielleicht in wenigen Jahren ihren Zenit überschreiten. Nach Ansicht von Strategy Analytics konzentrieren sich die meisten Automobilhersteller stattdessen auf kostengünstige 48-V-Mildhybride und Plug-in-Hybride.
  • Plug-in-Hybride, die im reinen Elektrobetrieb gefahren und an öffentlichen Ladestationen oder in der heimischen Garage aufgeladen werden können, werden in den kommenden Jahren ebenfalls stark wachsen, denn sie bieten den Konsumenten momentan die optimale Kombination: große Reichweite, wenn diese benötigt wird, reinen Elektrobetrieb für den kostengünstigen Alltagsbetrieb und Zugang zu allen Innenstädten, in denen Beschränkungen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bestehen.
  • Batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge (BEVs) werden ähnliche Zuwachsraten aufweisen wie die Plug-in-Modelle. Auch wenn sie noch nicht den Wünschen aller Anwender gerecht werden, sorgen die steigende Reichweite dieser Modelle und die immer besser werdende Ladeinfrastruktur dafür, dass hierin eine realistische Transport-Alternative für immer mehr Konsumenten zu sehen ist.
  • Brennstoffzellen-Fahrzeuge (FCEV) gibt es mittlerweile auch auf dem Markt. Nach Ansicht von Strategy Analytics sind Brennstoffzellen-Antriebsstränge derzeit eine hochpreisige Nische des Automobilmarkts – speziell auf dem Leichtfahrzeug-Sektor. Sollten aber die Herausforderungen bezüglich der Kosten und der Infrastruktur bewältigt werden und künftige Vorschriften vollkommen emissionsfreie Antriebssträngen verlangen, könnten Brennstoffzellen langfristig die richtige Ergänzung zu batterieelektrischen Antriebssträngen werden, mit der Möglichkeit zur Entwicklung eines nennenswerten Leichtfahrzeug-Markts ab 2025.
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