Was ist mit Tesla?

Während die bestens publizierte Kehrtwende von VW vom Diesel- zum Elektroantrieb entscheidend zu den positiveren Perspektiven für EVs beigetragen hat, war Tesla zweifellos die andere treibende Kraft. Der wichtigste Erfolg von Tesla ist, dass das Unternehmen das Elektrofahrzeug begehrenswert gemacht hat. Auch wenn der elektrische Antriebsstrang eines Tesla ganz klar ein entscheidendes Verkaufsargument ist, handelt es sich hier bei weitem nicht um den einzigen Grund, einen Tesla zu wählen. Tesla hat nämlich auch in anderen Bereichen wie Infotainment, Automatisierung und Software-Updates Innovationen eingeführt, die abgesehen vom Antriebsstrang für viele Kunden den Ausschlag geben, sich für ein Fahrzeug dieses Herstellers zu entscheiden.

Wie allerdings allen Lesern bekannt sein dürfte, hat Tesla in den letzten Monaten nicht nur positive Schlagzeilen gemacht. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Texts hatte Elon Musk, CEO und Chairman von Tesla, die Zustimmung zu einem Vergleich bezüglich der Anklage der US-amerikanischen Securities and Exchange Commission wegen Wertpapierbetrugs gegeben. Diese Nachricht beruhigte den Markt zwar und ließ den Aktienkurs von Tesla wieder steigen, aber dennoch sind Finanz-Analysten weiter uneins, was die Aussichten für Tesla betrifft, und viele halten hier Short-Positionen von erheblichem Umfang.

Wäre es einige Jahre früher, also noch vor dem Dieselgate-Skandal und bevor die Emissionen des Verbrennungsmotors erneut ins Blickfeld rückten, zu dieser Volatilität gekommen, hätte dies das erneute Aus für das Elektrofahrzeug bedeuten können. Obwohl aber Tesla viel dafür getan hat, diesen Markt zu fördern und zu entwickeln, hält Strategy Analytics das Elektrofahrzeug inzwischen für so ausgereift, dass sein Überleben nicht von einem seiner wichtigsten Förderer abhängt.

Welches Potenzial hat der Markt?

Strategy Analytics erwartet nunmehr also einen signifikanten Anstieg der Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen. Es kommen immer mehr und immer erschwinglichere Fahrzeuge auf den Markt, und nichts deutet darauf hin, dass der gesetzgeberische Druck, den Kraftstoffverbrauch und den Schadstoffausstoß zu senken, nachlassen könnte.

Elektromobilität 2025 erwartet Strategy Analytics 27 Millionen elektrifizierte Fahrzeuge.

Für 2025 erwartet Strategy Analytics 27 Millionen elektrifizierte Fahrzeuge. Strategy Analytics

Die Prognose von Strategy Analytics lautet, dass im Jahr 2025 etwa 27 Millionen elektrifizierte Fahrzeuge produziert werden, was etwa einem Viertel der gesamten Fahrzeugproduktion entspricht und wahrscheinlich noch eine konservative Schätzung ist. China ist es in der Vergangenheit nicht gelungen, seine ehrgeizigen Ziele bezüglich der elektrifizierten Modelle zu erreichen, aber wenn das Land in den kommenden Jahren aufholt, könnte die Nachfrage deutlich über diesen prognostizierten Werten liegen. Batterieelektrische Modelle werden mit einem erwarteten Output von 7 Millionen Fahrzeugen einen beträchtlichen Anteil an diesen 27 Millionen Fahrzeugen ausmachen, und mehr als die Hälfte davon wird in China produziert werden.

Kosteneffektive Mildhybride, die nahezu alle auf 48-V-Technik basieren werden, werden mit einer produzierten Stückzahl von 8 Millionen im Jahr 2025 das größte Segment bilden. Diese Zahl könnte sogar noch erheblich höher ausfallen – besonders wenn sich die Abkehr vom Dieselmotor in Europa beschleunigt und die Hersteller gefordert sind, mehr kostengünstige 48-V-Hybride mit Benzinmotor einzuführen, um ihre Zielvorgaben in punkto Kraftstoffverbrauch zu erfüllen. Auch Indien und China werden wichtige Mildhybrid-Märkte sein.

Elektromobilität 2025 und danach

Einige werden vielleicht überrascht sein, dass Strategy Analytics für das Jahr 2025 den elektrifizierten Fahrzeugen einen Anteil von „nur“ 25 % an den insgesamt produzierten Fahrzeugen prognostiziert. Wir halten dies für eine realistische, eher an der Untergrenze angesiedelte Schätzung des Marktpotenzials. Für die Zeit nach 2025 erwarten wir jedoch, dass der Markt in eine zweite Wachstumsphase eintritt. Viele Regierungen von der kommunalen bis zur gesamtstaatlichen Ebene erwägen inzwischen, für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor Fahrverbote zu erlassen, von denen viele in der Zeit zwischen 2030 und 2040 in Kraft treten sollen. Insofern erscheint ein Marktwachstum zum Erreichen dieser Ziele ab 2025 plausibel.

Der Zeitraum von 2030 bis 2040 deckt sich auch mit den Erwartungen von Strategy Analytics hinsichtlich der weltweiten Einführung des automatisierten Fahrens der Stufe 4 und höher. Immerhin sind zwischen dem automatisierten und dem elektrifizierten Fahren starke Synergien auszumachen – und wenn es nur die Tatsache wäre, dass das kabellose Laden für ein autonomes Fahrzeug wesentlich einfacher zu bewältigen ist als das selbstständige Nachtanken an einer Tankstelle.

Strategy Analytics glaubt deshalb fest daran, dass das Elektrofahrzeug dieses Mal nicht wieder in der Versenkung verschwinden wird.

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