Die Deutsche Bahntechnik zehrt  heute noch aus dem damaligen  „Rad Schiene Forschungspro- gramm“. Sie ist in vielen Bereichen deshalb auch derzeit noch führend. Es gilt jedoch gehörig aufzupassen, dass wir diesen Vorsprung nicht leichtfertig durch gesells

Die Deutsche Bahntechnik zehrt heute noch aus dem damaligen „Rad Schiene Forschungspro- gramm“. Sie ist in vielen Bereichen deshalb auch derzeit noch führend. Es gilt jedoch gehörig aufzupassen, dass wir diesen Vorsprung nicht leichtfertig durch gesellsA.S.T. Angewandte Systemtechnik

elektronik industrie: Sie feiern jetzt 20-jähriges Jubiläum der A.S.T. Dresden. Wie ist die Vorgeschichte der A.S.T.?

Matthias Boeck: Die heutige A.S.T. Dresden bestand seit 1961 als wissenschaftlicher Industriebetrieb „VEB Schwingungstechnik und Akustik Dresden“ (SAD), wurde später in die neu gegründete „VEB Meßelektronik Dresden“ (MED) übernommen und dann im Jahr 1979 in das „VEB Kombinat robotron“ eingegliedert. Sie baute damit bereits bei der Privatisierung zur A.S.T.-Mess & Regeltechnik, Dresden vor 20 Jahren auf viele Jahre “Messtechnische Erfahrungen“ auf. Heute und speziell in den letzten Jahren sind in Dresden neben der Kraftmesstechnik weitere Schwerpunkte hinzu gekommen. Hierzu zählt unsere moderne mechanische und elektronische Fertigung, ebenso, wie die Softwareentwicklung, wodurch die A.S.T. Dresden speziell mit Systemlösungen in der Bahntechnik weltweit bekannt wurde. Diese Systemlösungen aus Dresden ergänzen auch perfekt die mehr als 30-jährige Branchenerfahrung der A.S.T.- Gruppe im Bereich der elektrischen Zugvorheizanlagen und der Vorwärmanlagen für Diesellokomotiven, sowie der sonstigen Verkehrstechnik.

elektronik industrie: Was sind die Schwerpunkte der vier selbstständigen Firmen?

Matthias Boeck: Gegliedert in drei Technologiebereiche, die  Sensorik in Dresden, die Leistungselektronik in Berlin, die Systemtechnik in Wolnzach, haben wir heute mehr als 200 Mitarbeiter, wobei über etwa die Hälfte davon in Dresden angesiedelt ist.

Am Standort Dresden haben wir auch unser Produktions-Know-How der Fügetechnik, die elektronische Bestückung und die mechanische Fertigung mit dem elektronischen Gerätebau konzen-triert. Dies hat insbesondere in der Kraftmesstechnik den Standortvorteil, dass wir die überwiegende Fertigungskette im eigenen Hause darstellen können und so die notwendige Präzision unserer Messsysteme für die Verkehrsindustrie, also auch die Messsysteme zur geometrischen Vermessung von Reisezugwagen etc. garantieren können.

In Wolnzach, in der Nähe von München, sind wir seit vielen Jahren im Bereich der Energieeinsparung und der Umwelttechnik unterwegs und bauen dort gerade unsere Systemtechnik und die dazugehörige Produktion aus. Zu diesem Bereich der Energie- und Umwelttechnik zählt auch unser „bewegtes Bad“ also der Bereich „Live Sience“ mit  den höhenverstellbaren Waschtischen und Toiletten sowie der dazugehörigen Haus- und Gebäudetechnik.

Unsere Leistungselektronik in Berlin entwickelt und produziert hauptsächlich Baugruppen für die Bordstromversorgung, Bordlader und integrierte Frequenzumrichter für Anwendungen in der Bahntechnik sowie in zunehmendem Maße auch für moderne Windkraftanlagen.

elektronik industrie: Welche dieser Firmen entwickelt sich in besonderer Weise? Gibt es Verschiebungen zwischen ihnen?

Matthias Boeck: Natürlich gibt es immer neue Technologien, die übergreifend oder auch speziell für unsere Unternehmensbereiche von Bedeutung sind. Im Bereich Energietechnik und auch im Bereich Live-Sience sind wir auch sehr stark mit verschiedenen Forschungseinrichtungen, Universitäten und den Fraunhofer Gesellschaften unterwegs.

Am Standort in Dresden entwickeln wir mit unserer EBZ die zukünftige Systemtechnik für die SOFC-Brennstoffzelle und auch die Aufbau- und Verbindungstechnik für die Thermoelektrik, beziehungsweise liefern weltweit Prüfsysteme für die SOFC-Brennstoffzellen-Forschung.

Am Standort in Wolnzach entwickeln wir, zum Teil gemeinsam mit verschiedenen Forschungsstellen, die notwendige Systemtechnik für die zukünftigen Märkte der Energietechnik und hoffen hier auch weiterhin unsere Marktanteile ausbauen zu können.

elektronik industrie: Können Sie für diese notwendigen Systeme der zukünftigen Märkte ein Beispiel nennen?

Matthias Boeck: Ein Beispiel hierfür ist die Entwicklung von Thermoelektrischen Generatoren (TEGs) zum Aufbau von autarken Systemen und so weiter und später ggf. auch zur Abwärmenutzung. Analoges gilt auch für die Brennstoffzelle, wobei wir hier mehr an die Bordstromversorgung von großen Einheiten denken. Die zukünftigen Energietechniken und deren Systeme sind massiv auf die Leistungselektronik und die Mess- und Regeltechnik, also auf die Schwerpunkte der A.S.T.-Gruppe angewiesen.

elektronik industrie: Wie schätzen Sie die Position der deutschen Bahntechnik im Vergleich zu Frankreich, Italien und anderen europäischen Ländern bzw. weltweit bzw.China?

Matthias Boeck: Die Deutsche Bahntechnik zehrt heute noch aus dem damaligen „Rad-Schiene-Forschungsprogramm“. Sie ist in vielen Bereichen deshalb auch derzeit noch führend. Es gilt jedoch gehörig aufzupassen, dass wir diesen Vorsprung nicht leichtfertig durch gesellschaftspolitische Vorgaben und Beschränkungen verlieren. Einen Zug der bei uns nicht benützt wird, oder gesellschaftspolitisch obsolet ist, werden wir später auch nicht verkaufen können.

elektronik industrie: Der Name A.S.T. hat besonders in der Bahntechnik einen guten Ruf. Was sind hier Ihre Meilensteine?

Matthias Boeck: Mit dem Einsatz der ersten rechnergestützten Energieversorgungsanlagen, also den „Zugvorheizanlagen zur Klimatisierung und zum Vorheizen von Reisezugwagen“ haben wir zusammen mit der heutigen Bahn AG vor vielen Jahren richtungsweisende Erfolge bei der Energieeinsparung und der Erhöhung der Betriebsbereitschaft derartiger Anlagen erzielt. Der weltweite Erfolg dieser Systeme hat dies nachhaltig bestätigt. Analoges ist uns mit der Entwicklung der ersten rechnergestützten Vorwärmanlagen für Diesellokomotiven gelungen. Dahinter stehen unsere integrierten Frequenzumrichter für Pumpen und Antriebe, sowie unsere heutige Erfahrung im Aufbau von entsprechenden integrierten Betriebsdatenerfassungssystemen.

Ebenso gut hat sich die A.S.T. Dresden mit ihren Messsystemen zur Qualitätssicherung beim Bau von Hochgeschwindigkeitszügen entwickelt und wir sehen hier auch weiterhin einen wachsenden Exportmarkt. Derzeit wollen wir der SOFC-Brennstoffzelle und dem Thermo-Elektrischen-Generator (TEG) im Bereich der Bordstromversorgung zum Erfolg verhelfen, sowie im Bereich der Mess- und Regeltechnik die Netzeinbindung der Baugruppen verstärken.

elektronik industrie: Im Haus steht auch ein Generationenwechsel bevor. Sind die Weichen ür die Zukunft gestellt?

Matthias Boeck: Zusammen mit den Mitarbeitern betrachte ich unser Unternehmen nach wie vor als einen „Familienbetrieb“ der durch unsere leitenden Mitarbeiter mit geprägt wird. Auch einer meiner Söhne, Tobias Boeck, arbeitet bereits seit mehreren Jahren aktiv in verschiedenen Funktionen und Projekten mit. Wenn ich oder auch andere dann später ausscheiden werden, so glaube ich, dass wir bereits jetzt gut gerüstet sind, das Unternehmen auch weiterhin erfolgreich zu führen.

Wir danken für dieses Gespräch.