Schnelle Medikamentenabfüllung bei Boehringer Ingelheim: Die Firma produziert hochwirksame Inhalativa gegen Erkrankungen der Atemwege. Genau 5,5 Gramm Wirkstoff werden in Hartgelatinekapseln in Form eines mikronisierten Pulvers abgefüllt. Hergestellt werden 80?000 Kapseln pro Stunde, also alle 45 Millisekunden eine. Eine Bildverarbeitungslösung von Allied Vision Technologies prüft den präzisen Füllgrad zu hundert Prozent.
Die präzise und dennoch schnelle Dosierung einer so kleinen Pulvermenge ist nicht einfach: Wie bei jedem industriellen Prozess bleibt ein Restrisiko, dass die Füllmenge vereinzelter Kapseln von dem Sollwert abweicht. Bei Medikamenten ist dieses Risiko inakzeptabel. Um es auszuschalten, bedurfte es eines hundertprozentigen Prüfsystems, das aber kein Hersteller von Kapselfüllmaschinen anbot. So entschied sich Boehringer, unter Leitung von Dr. Peter Stöckel, wissenschaftlicher Experte im Unternehmen, selbst eine optische Prüfanlage zu entwickeln und umzusetzen. Das System wurde im Fertigungsablauf nach dem Befüllen und vor dem Verschließen der Kapsel positioniert.
Nach dem Befüllen wird der Inhalt jeder einzelnen noch offenen Kapsel von oben abgebildet. Das Taktsignal der Füllmaschine löst eine Digitalkamera und den dazu gehörenden LED-Blitz über den PC direkt per externem Triggereingang der Kamera aus. Die Kapselhälfte wird von unten mit einer Hochleistungsleuchtdiode durchblitzt. Da die Kamera nicht über den vorbeifahrenden Kapseln untergebracht werden konnte, erfasst sie deren Inhalt über einen Umlenkspiegel von der Seite aus. Bei der Kamera handelt es sich um eine Marlin F-046B. Über ihre Firewire-Schnittstelle (IEEE1394a) überträgt die AVT-Kamera die Bilddaten an einen Industrie-PC. Dort analysiert eine Auswertungssoftware die Bilder. Nachdem die Kapsel im Bild lokalisiert wurde, prüft die Bildverarbeitungssoftware, ob sie überhaupt Pulver enthält. Wenn ja, dann analysiert sie die Silhouette des Pulverzylinders, um daraus Volumen und Wirkstoffmenge abzuleiten. (uns)