DRS360-Plattform für automatisiertes Fahren von Mentor.

DRS360-Plattform für automatisiertes Fahren von Mentor. Mentor

Viel Feind‘, viel Ehr‘ – dieses Motto des Landsknechtsführers Georg von Frundsberg, der 1513 ein zahlenmäßig vierfach überlegenes venezianisches Heer bei Creazzo schlug, scheint sich Mentor bei der Entwicklung der neuen Plattform zu Herzen genommen zu haben. Wer bei den zentralen Steuerungseinheiten für autonomes Fahren mitmischen will, bekommt es mit den Großen der Branche zu tun: Intel (mit Mobileye), NXP, Nvidia und Renesas etwa bieten bereits Lösungen für automatisierte Fahrfunktionen an.

Von einem der führenden EDA-Unternehmen hätte man deshalb eher eine reine Software-Lösung erwartet, wie sie etwa die Hella-Tochter Aglaia anbietet, doch Mentor hat die DRS360-Plattform als umfassendes Angebot aus Hardware- und Software-Elementen konzipiert. Die Plattform verwendet einen Xilinx-Zynq-UltraScale+-MPSoC-FPGA der ersten Generation und verfügt über SoCs und Sicherheitscontroller auf der Basis von X86- oder ARM-Architekturen. Das System soll dabei mit einer maximalen Leistungsaufnahme von 100 Watt auskommen. Für die vollautomatische Steuerung eines Fahrzeugs wäre das ein ungewöhnlich niedriger Wert.

Rohdaten zentral verarbeiten

Die DRS360-Plattform überträgt laut Mentor ungefilterte Informationen von allen Sensoren des Systems direkt zu einer zentralen Verarbeitungseinheit, wo die rohen Sensordaten auf allen Ebenen in Echtzeit fusioniert werden. Die Anbindung der Sensoren erfolgt über sogenannte „High-Speed Sensor Links“. Damit sind proprietäre Übertragungslösungen gemeint, die speziell auf die einzelnen Sensortypen wie Ultraschall, Radar, Lidar oder Kamera abgestimmt sind. Die zentrale Verarbeitung der Rohdaten soll sowohl die Latenzzeiten deutlich verringern als auch die Systemkosten reduzieren. Für die Signalverarbeitung und die Fusion der Daten ist der Xilinx-FPGA zuständig. Die eigentlichen Steuerungsaufgaben übernimmt ein SoC. Dazu kommt noch eine MCU für die Anbindung der Plattform an das Fahrzeugnetzwerk.

Die anspruchsvollen Sicherheitsanforderungen für den Einsatz in ISO-26262-ASIL-D-konformen Systemen soll die Plattform erfüllen. Man sei in intensiven Gesprächen mit OEMs und Zulieferern, heißt es bei Mentor. Konkrete Namen könne man aber derzeit noch nicht nennen. Auf „viel Feind‘“ darf sich Mentor mit der neuen Plattform sicherlich einstellen. Wie es mit „viel Ehr‘“ aussieht, wird die Zukunft zeigen.