Welches sind denn die Kernfunktionen des HMS Hubs?

Thilo Döring: Neben der Visualisierung, der Speicherung und ­Auswertung der Daten ist das Device Management eine weitere wichtige Aufgabe. Denn in Zukunft werden hunderte oder tausende von Geräten am Hub angebunden sein. Um hier nicht den Überblick zu verlieren, ist ein zentrales Gerätemanagement zwingend erforderlich. Über den HMS Hub lassen sich auch Firm­ware-Updates verteilen, um bei Bedarf weitere Funktionen hinzuzufügen oder Security-Patches in den Gateways zu installieren. Das funktioniert über das Portal und den Edge-Broker praktisch auf Knopfdruck. Das sind wichtige Unterscheidungsmerkmale, die es in anderen Lösungen so in der Form nicht gibt.

Wer Cloud nutzt, darf die Geräteadministration nicht vergessen.

Wer Cloud nutzt, darf die Geräteadministration nicht vergessen. Redaktion IEE

Und wer sagt dem IT-ler, welche Daten er braucht wie sie zu verknüpfen sind, um die gewünschte Auswertung zu erhalten?

Thilo Döring: Die Definition der relevanten Daten sollte natürlich im Vorfeld erfolgen. Anders verhält es sich, wenn man etwa Arti­ficial Intelligence betreiben will und mit Statistik nach Optimierungsfeldern und Abhängigkeiten sucht. Dann muss eigentlich alles in die Cloud – zumindest anfangs.

Warum anfangs?

Thilo Döring: Der Sequenzer, den wir jetzt implementiert haben, ist nur der erste Schritt. Wir haben uns vorgenommen, auf Edge-Ebene auch künstliche Intelligenz zu implementieren. Vor Ort laufen dann Algorithmen, die Zusammenhänge und Abhängigkeiten transparent machen.

Und das KI-Know-how kaufen Sie sich ein, wie zuletzt die Firma Webfactory?

Thilo Döring: Das machen wir über Kooperationspartner. Hier gibt es erste Initiativen. Aber wir stehen hier noch ganz am Anfang. Da der Markt gerade erst beginnt, damit Erfahrungen zu sammeln, haben wir hier schon noch etwas Zeit. Die Akquisition von Webfactory zielt in eine andere Richtung. Das Unternehmen ist ein weiterer Baustein, um eine Gesamt­lösung auf dem HMS Hub zu realisieren ‒ eine leistungsfähige HMI/Scada Software für Prozessvisualisierung.

Mit ihren Kopplungen zu MindSphere und Azure unterstützt HMS die Geschäftsmodelle der Unternehmen. Umgekehrt bietet zumindest Siemens kompetitive Produkte zu ihren Gateways an. Aber diese Konkurrenzsituation ist ihnen sicher bewusst.

Thilo Döring: In einigen Regionen ist das sicherlich Konkurrenz. Andererseits wollen wir uns wie bei den Kommunikationsprotokollen wieder breit aufstellen. Denn viele Maschinenbauer müssen nach wie vor ihre Maschinen mit verschiedenen Steuerungen und Bussystemen ausrüsten, je nach dem in welcher Region sie aufgestellt werden. Die Firmen begrüßen mit Sicherheit eine Plattform, mit der sie alles erschlagen können – auf der Steuerungsseite Mitsubishi, Rockwell und Siemens; Cloudseitig eigene Lösungen mit unserem HMS Hub realisieren können oder die Maschinendaten kontrolliert über unseren Hub an Mind­sphere, Azure, Bluemix, SAP und Co. senden.

Viele brauchen einen flexiblen Ansatz, weil ihre Digitalisierungs-Roadmap noch gar nicht steht.

Viele brauchen einen flexiblen Ansatz, weil ihre Digitalisierungs-Roadmap noch gar nicht steht. Redaktion IEE

In dieser Flexibilität sehen Sie ihr Businessmodell?

Thilo Döring: Man kann das vergleichen mit dem Thema Anybus. Mit den Modulen haben wir die Möglichkeit geschaffen, Geräte und Steuerungen in die verschiedensten Kommunikationssysteme zu integrieren. Diese Flexibilität und Offenheit übertragen wir jetzt auf die Themen IIoT und Cloud – kurz: AnyConnect.

Wie sehen denn Ihre Lizenzmodelle aus?

Thilo Döring: Für jedes Gerät oder Gateway mit einer Anbindung an eine Cloud verlangen wir einen Abonnementpreis, vergleichbar mit einem Mobilfunkvertrag. Darin enthalten ist ein gewisses Datenvolumen, das sich um zusätzliche Datenpakete erweitern lässt, wenn mehr Volumen gebraucht wird.

Kann ich mich denn als Nutzer ihres HMS Hubs von anderen Unternehmen unterscheiden, abgesehen von einem anderen Logo oder der Farbgestaltung des Portals. Kann ich als Maschinenbauer meine eigenen Dashboards und speziellen Auswertungen definieren?

Thilo Döring: Was die Dashboards betrifft, da gibt es eine Toolbox mit der jeder seine individuellen Inhalte kreieren kann. Das gehört aus unserer Sicht zu einer praktikablen Lösung einfach dazu.Darüber hinaus kann jeder mittels Node-RED seine Cloud-Dienste individuell programmieren. So bieten wir für alle
Szenarien eine Lösung ‒ für denjenigen der tief programmieren will oder muss wie auch für diejenigen, die einfach nur schnell Ergebnisse sehen wollen.

Bieten Sie die Kategorisierungsmöglichkeiten auch in Ihrer Middleware an, wer wie detailliert Zugriff auf die Daten erhält?

Thilo Döring: Das sind Überlegungen, die wir im Moment verfolgen. Implementiert ist diese Funktion noch nicht. Aber diese Rollen- oder Dienstleister-basierten Zugriffsrechte werden in Zukunft sehr wichtig sein.

Welche Rolle spielen eigentlich Ihre Solution Partner wie Rilheva, Katana oder Scante bei ihrer Strategie?

Thilo Döring: Diese Solution Partner bieten Software an, zum Beispiel Scada-Systeme, Analytics-Tools, die teils weit über das hinausgehen, was wir auf dem HMS Hub letztendlich zur Verfügung haben. Unsere Partner können ihre Lösungen on Top auf dem HMS Hub realisieren und nach Authentifizierung dann direkt auf die Daten zugreifen, beispielsweise für Datenanalytik, Predictive Maintenance oder für eine größere Visualisierung. In Summe haben wir bereits zehn Solution Partner.

Das Interview führte IEE-Chefredakteur Stefan Kuppinger.

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