In einem Video auf Youtube stellt Monta Vista ein Embedded-System vor, das binnen einer Sekunde bootet und sinnvolle Werte grafisch anzeigt.

In einem Video auf Youtube stellt Monta Vista ein Embedded-System vor, das binnen einer Sekunde bootet und sinnvolle Werte grafisch anzeigt.

Was auf Desktop-PC und Notebooks lästig ist, gerät bei Embedded-Systemen zum K.O.-Kriterium: Die Boot-Zeit, gemessen vom Einschalten bis zum funktionsfähigen Zustand. Oft liefern Suspend-Modi einen Ausweg: Der Rechner legt sich in einen stromsparenden Tiefschlaf, aus dem er sehr schnell erwacht. Bei eingebetteten Systemen zieht das nicht: „Wir mussten uns auf unsichere Spannungsversorgung einstellen und möglichst sparsam mit der Energie sein“, erklärt Dean Misenhimer, Marketing Director von Monta Vista im Gespräch mit dem elektronikJOURNAL. „Für unseren Kunden war es wichtig, in einer Sekunde oder kürzer nach dem Einschalten der Zündung ein funktionsfähiges System zu haben.“ Es handelte sich um einen Prototypen für eine Automotive-Dashboard-Applikation. „Für das Power-Management ist auch die Software extrem wichtig“, ergänzt Nick Pollitt, Senior Product Manager.
Bei der Umsetzung verwendete Monta Vista ihr eigenes Professional Edition Linux auf einem Freescale MPC5121e (SoC mit Power-Architektur). Die Linux-Spezialisten optimierten jede Boot-Phase für dieses System. Innerhalb einer Sekunde ist der Kernel geladen, die Hardware initialisiert, sind die Init-Skripte abgearbeitet und ein Userland-Prozess gestartet, der eine grafische Oberfläche zeigt und Echtzeit-Mess­daten aus dem Fahrzeug darstellt. „Der Kernel muss möglichst klein sein, also viele Treiber als Modul vorliegen. Der komplette Start-Vorgang vom Bootloader bis zum Userland sind sehr kreativ optimiert. Wo möglich laufen die Schritte parallel“, erklärt Dean Misenhimer. Nick Pollitt ergänzt: „Unsere Entwickler laden die Userspace-Komponenten in das Init-FS, noch während sich der Kernel initialisiert“ und verrät noch, dass Teile des Systems erst nach der ersten Sekunde initialisiert werden und manche Daten zunächst aus dem Speicher stammen, bis die Peripherie so weit ist.
Wie sehr das Resultat die Gemüter der Linux-Gemeinde bewegt, zeigt die breite Resonanz auf das Youtube-Video. (lei)