Sinec NMS bringt Transparenz in komplexe, heterogene Ethernet-basierende Netzwerke.

Sinec NMS bringt Transparenz in komplexe, heterogene Ethernet-basierende Netzwerke. Redaktion IEE

Frau Steinert, wozu ist ihr NMS gedacht?

Larissa Steinert: Sinec NMS dient zur Verwaltung, Überwachung und Diagnose von großen industriellen Netzwerken aus nur einer zentralen Sicht. Und groß heißt für uns bis zu 12 500 Netzwerkteilnehmer. Identifizierte Risiken oder Anomalien des Netzwerkes – etwa unterschiedliche Firmware-Versionen oder ein geräte-übergreifendes Ändern der Gerätepasswörter – lassen sich damit per Knopfdruck über einen intelligenten Rollout lösen.

Das soll der große Wurf sein, als den sie die Lösung auf der SPS vorgestellt haben?

Larissa Steinert: Mehr noch: Wir verstehen unsere Lösung übergreifend als ein ‚Gesundheitsprogramm‘ moderner Netzwerke. Denn unser NMS beobachtet, diagnostiziert und agiert, wenn nötig. Das System deckt dazu alle Aspekte des FCAPS-Modells der International Organization for Standardization ab.

Welche sind das?

Cockpit für das Nervensystem
der digitalen Fabik

Wer ein komplexes Produktionsnetzwerk im Blick haben muss, braucht ein leistungsfähiges Netzwerk-Management System. Steffen Schnur

Steffen Schnur

Wer ein komplexes Produktionsnetzwerk im Blick haben muss, braucht ein leistungsfähiges Netzwerk-Management System.

Larissa Steinert: Ein zentrales Element ist sicherlich die Erkennung und Darstellung aller Netzwerkteilnehmer. Somit entsteht eine stets aktuelle Landkarte, welche Teilnehmer mit welchen Eigenschaften sich an welchem Ort im Netzwerk befinden.

Diese ‚Who is who‘-Darstellung wird im zweiten Aspekt, dem Fault Management, mit Diagnoseinformationen angereichert. Dabei greift Sinec NMS auf eine Vielzahl der in Produktionsnetzwerken verfügbaren Protokolle zurück – nutzt also nicht nur das SNMP-Wissen, sondern auch Diagnosedaten, die beispielsweise über Simatic oder Profinet gelesen werden können. Diese Diagnoseinformationen bereitet unser System auf und stellt sie in verschiedenen Ebenen dar, etwa in Eventlisten, Gerätelisten, Interfacelisten, als Gerätebaum oder Topologie. In Summe ist das schon ein großer Wurf.

Aus der Diagnose heraus entsteht in der Regel Handlungsbedarf.

Larissa Steinert: Natürlich unterstützen wir auch, wenn Änderungen an der Konfiguration des Netzwerkes anfallen. Eine typische Aufgabe ist beispielsweise eine neue Firmware einzuspielen. Auch diese Aspekte können zentral vorbereitet und ausgerollt werden. Außerdem überwacht Sinec NMS rund um die Uhr die Topologie. Dadurch werden Veränderungen im Netzwerk erkannt und direkt angezeigt. Der Adminsitrator kann dann unmittelbar darauf reagieren und handeln.

Was gab den Anstoß zu dieser Entwicklung?

Larissa Steinert: Durch die Digitalisierung wächst stetig die Anzahl der Teilnehmer in den Netzwerken. Deshalb braucht es ein skalierbares Netzwerk-Management, das mit den Anlagen mitwachsen kann. Es wird im Zuge der Digitalisierung immer wichtiger, nicht mehr einfach nur einzelne Geräte zu administrieren. Vielmehr müssen die Funktionen in einem Netzwerk konfiguriert werden, unabhängig davon, welche Netzwerkkomponenten, beispielsweise Switches, Router, Access Point oder WLAN- Clients, im Netzwerk installiert sind. Sinec NMS erleichtert diese Konfiguration enorm. Außerdem hat die Transformation vom Produkt- hin zum Lösungs- und Systemgeschäft den Anspruch an unser Angebot erhöht, auch ein zentrales System zum Managen der Netzwerkgeräte bereitzustellen.

Skizzieren Sie doch kurz typische Anwendungsszenarien.

Diagnose und Konfiguration von TSN-Netzwerken wird ein Muss.

Diagnose und Konfiguration von TSN-Netzwerken wird ein Muss. Redaktion IEE

Larissa Steinert: Ein großer Fertigungsstandort mit komplexen Netzwerkstrukturen möchte gerne Transparenz sicherstellen und die Verfügbarkeit seiner Anlagen gewährleisten. Eine Voraussetzung dafür ist, über mögliche Probleme in der Anlage – und der Profinet-Teilnehmer – umgehend informiert zu werden.

Viele Produktionsstätten hatten in der Vergangenheit Profibus im Einsatz, sind inzwischen aber auf Profinet umgestiegen oder gerade in diesem Migrationsprozess. Daraus resultieren weitere Anforderungen hinsichtlich der gesamten Vernetzbarkeit. Unter anderem führt das dazu, dass die Netzwerkstrukturen komplexer sind. Da ist der Wunsch vieler Administratoren nach einer transparenten Sicht auf das Gesamtnetzwerk verständlich.

Zukunftssichere Geräteadministration heißt doch mittelfristig auch TSN zu unterstützen. Steht das auch auf der Roadmap?

Larissa Steinert: Ja, TSN steht definitiv auf der Roadmap. Einerseits wollen wir TSN-fähige Geräte zentral administrieren können und andererseits komplette TSN-Netzwerke diagnostizieren.

Bei heterogenen Strukturen und großen Netzwerken ist eine Hardwareunabhängigkeit essentiell. Wie sorgen Sie dafür?

Larissa Steinert: Mit Sinec NMS gehen wir hier genau diesen ersten Schritt. Wir administrieren keine Geräte, sondern konfigurieren das gesamte Netzwerk. Das heißt, dass der Anwender definiert, welche Funktion er im Netzwerk aktivieren möchte und auf welche Netzwerkbereiche dies angewendet werden soll.

Über Standard-MIBs ‒ Management Information Base ist die Basis, um Geräte-Funktionen zu beschreiben ‒ unterstützen wir auch Fremdgeräte. Weitere Funktionen der Geräte können über sogenannte Privat-MIBs beschrieben werden, sofern im IEEE-Standard keine Definition existiert. Darüber lassen sich beispielsweise auch EtherNet/IP-Netzwerke monitoren.

Wie die Schnittstelle zum TIA-Portal aussieht und wie sich Fremdgeräte einbinden lassen, erfahren Sie auf Seite 2.

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