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Die Milch-Zapfanlage im Supermarkt sollte die Schlauch-Milchverpackung ersetzen; das Wurst-Einwickelpapier wurde durch mitgebrachte Boxen demonstrativ verschmäht. Auch wenn das insgesamt eher ein Nischeneffekt war, an der Reputation des Alleskönners Kunststoff hat die Konsumentenmacht stark gerüttelt. Selbst globale Giganten wie die Burgergriller haben das Styropor verbannt.

Mit dem Grünen Punkt wurde der Kunststoff zum Sammelobjekt und landete nicht mehr auf den Deponien. Heute sind zumindest die Fleecejacken ein stolzes Beispiel für das Up-Cycling von PET-Flaschen. Thermische Verwertung wurde erlaubt und damit das genutzte Kunststoffprodukt seinem Ausgangsstoff Erdöl gleichgesetzt.

Heute stehen im wesentlichen drei Themen in der aktuellen Fach-Diskussion: Der Ersatz des Grundstoffes Erdöl durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe. Doch die Nutzung von Nahrungsmitteln oder Ackerland für die Kunststoffherstellung wird in Zukunft sicher ähnlich kritisiert werden wie bei Biodiesel. Dies könnte zumindest ein Ausweg aus dem zweiten Thema, der wiederaufgeflammten Müllkritik um die Plastikpartikelberge sein – diesmal nicht auf den Deponien sondern im Meer. Ein dritter Punkt sind Mikroschadstoffe in Kunststoffen und Weichmachern in Verpackungen, die auf die Produkte übergehen und gesundheitsgefährdend sein können. Hormonaktive Substanzen im Wasser werden bereits reguliert. Diese Problematik hat Potenzial eine wirkliche Bedrohung für die Verwendung heutiger Kunststoffe als Verpackungsmaterial zu sein.

Aber es gibt auch die andere Seite der Kunststoffe, die ganz neue Möglichkeiten schafft: Die Revolution in Leichtigkeit und Stabilität über das Auto bis zum Langstreckenflugzeug. Doch aus der Vergangenheit müssen wir unbedingt lernen: die ungewollten Effekte von neuen Stoffen und Produkten auf die Gesundheit von Mensch und Tier, ihr Rohstoffverbrauch über den gesamten Lebenszyklus und ihre Recycling- und Entsorgungsfähigkeit sind die zentralen Themen der öffentlichen und regulatorischen Aufmerksamkeit. Eine systematische Trendanalyse und Technikfolgenabschätzung hilft, auf Vorrat zu denken und nicht altbekannte Fehler zu wiederholen.