Ahmed Mahmoud, Senior Group Manager Embbeded Control (links), und Andy Chang, Senior Manager Academic Research, bei National Instruments.

Ahmed Mahmoud, Senior Group Manager Embbeded Control (links), und Andy Chang, Senior Manager Academic Research, bei National Instruments.Redaktion IEE

Welche Auswirkungen haben CPS und Indus­trie 4.0 schon heute?

Mahmoud: Die Applikationen werden immer komplexer und anspruchsvoller. Die von Dr. Truchard und den andren Referenten auf den Keynotes vorgestellten Applikationen belegen das. Unser Ziel ist es, den Ingenieuren und Forschern die Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie die Komplexität ihrer Forschungen beherrschen und die gestellten Aufgaben lösen können. Darauf sind wir fokussiert.

Auf der Keynote erwähnte Dr. Truchard die Airbus-Applikation. Dabei werden die Flugzeugmonteure per Datenbrille durch den Montageprozess geführt. Die Basis bildet ein neues SOM von National Instruments. Wie klein kann ein Embedded System werden, um die NI Runtime noch hosten zu können?

Mahmoud: Wir haben in der Vergangenheit unsere Software dahin entwickelt, dass sie auch auf solch kompakten Geräten mit kleinen Mikroprozessoren gut funktioniert. Wir investieren weiter in dieses Geschäftsmodell, um unsere Plattform zu komplettieren. Dr. Truchard erwähnte in seiner Keynote die Sensorfusion im Zusammenhang mit CPS und IoT. Das verlangt kostengünstigere Sensoren mit immer mehr Intelligenz in den Geräten, um die anfallenden Datenmengen auszuwerten und zu verdichten.
Chang:
Hier kann NI mit den System on Modules den Entwicklungsprozess verkürzen und die Kosten verringern, da die Entwickler auf einem höheren Level mit ihrer Arbeit beginnen. Wir unterstützen etwa die Zynq-Chips und andere Bausteine mit einer breiten Palette an Softwaretools. Das unterscheidet unseren SOM-Ansatz von vielen anderen Anbietern. Auf der Embedded World beispielsweise gibt es fast auf jeden Stand ein SOM. Ihnen fehlt jedoch oft eine wichtige Komponente – die Software-Integration.

NI ist sehr eng mit Intel verbunden. Speziell im Embedded-Markt gibt es auch andere CPU-Anbieter und Designs mit jeweils spezifischen Vorteilen. Welche Strategie verfolgt hier NI?

Mahmoud: Wir arbeiten mit keinem Technologieanbieter exklusiv zusammen. Wir beobachten Technologien und Entwicklungen und achten vor allem darauf, die passenden Technologien vorzuhalten, die Kunden für die Lösung ihrer Problemstellungen benötigen. Natürlich setzen wir unsere enge Zusammenarbeit mit jedem unserer Partner fort. Unsere Kunden können darauf vertrauen, dass ihre Investitionen in das Ökosystem von Intel wie auch von Xilinx gesichert sind. Es ist kein Geheimnis, dass unser aktuelles SOM auf einem auf Xync-Chip basiert, der unter anderem auch einen ARM-Prozessor implementiert hat.

Besteht für Anwender denn die Möglichkeit auf Labview als grafische Entwicklungsumgebung zu wechseln, ohne sofort ein SOM von NI zu implementieren?

Chang: Einige Kunden machen das bereits, etwa die Firma Digi Metrix. Sie haben Interfaces für Roboter von Mitsubishi oder Kuka entwickelt, die eigene Steuerungen haben. Das ist genau der Usecase, den Sie beschreiben. Das Unternehmen stellt eine Hochsprachen-Programmierung per Labview zur Verfügung. Zudem können Anwender die Robotersteuerung mit unserem CompactRIO kombinieren, um weitere Funktionen der Applikation umzusetzen.

Implementierte Bosch Rexroth nicht etwas Ähnliches für ihre Motionsysteme?

Chang: Bosch Rexroth hat ihre Steuerungen über deren Open Core Engineering an Labview angebunden. Das ist eine lustige Geschichte. Anfangs wussten wir überhaupt nicht, dass Bosch Rexroth so etwas entwickelt hatte. Wir haben es erst im Rahmen des Airbus-Projekts beiläufig erfahren. Mitarbeiter von Bosch, von denen die Schraubertechnologie stammt, haben uns davon erzählt, dass ihre Kollegen bei Rexroth eine Labview-Schnittstelle implementiert haben. Der Grund: Rexroth hat Kunden die Labview als Designtool für ihre Automatisierungsprojekte einsetzen. Derzeit sind wir in Gesprächen mit Rexroth, um gemeinsam zu eruieren, ob es für solche Lösungen spezifische Märkte gibt.

Ist es denkbar, dass NI ähnlich wie Bosch Rexroth selbst Interfaces zu verschiedenen Steuerungen implementiert?

Mahmoud: Wir haben immer wieder solche Anfragen, unterstützen dieses Szenario aber nicht. NI hat aber das Framework, um unterschiedliche Software-Methologien zu unterstützen. Warten wir ab, was die Zukunft bringt.