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TQ ist nicht nur EMS, sondern auch Systementwickler und Embedded-Experte mit eigenen Produkten.
Der SRI-Standort in Durach: Die Zeichen stehen auf Wachstum.
Volker Mackert von SRI will die Synergien mit TQ nutzen.
Mit insgesamt 16 SMT-Linien an neun Produktionsstandorten kann TQ mit SRI an seiner Seite nun auch Großserien anbieten.
Detlef Schneider will mit SRI neue Märkte erobern.
Idyllisch gelegen: Der Hauptstandort der TQ-Group befindet sich auf Gut Delling im bayerischen Seefeld.

Nun ist es amtlich: Das Amtsgericht Kempten hat die Insolvenz der SRI-Unternehmensgruppe aufgehoben. Nachdem die Gläubiger der SRI Holding AG, SRI Radio Systems GmbH und SRI Logistics GmbH im März den Insolvenzplänen zugestimmt haben, wurden in den vergangenen Monaten noch die letzten formalen Schritte durchgeführt, um einen Aufhebungserlass des Amtsgerichts Kempten zu erhalten. Fristgerecht zum 31.07.2013 wurde nun die Insolvenz für alle drei Gesellschaften aufgehoben. Damit ist die Aufnahme der SRI in die TQ-Gruppe rechtlich vollzogen.

Im Zuge der Reorganisation werden nun die drei SRI-Unternehmen verschmolzen und im Rahmen der TQ-Gruppe als SRI Radio Systems GmbH weitergeführt. Volker Mackert fasst zusammen: „Ziel der Zusammenarbeit ist, Synergien für die TQ-Gruppe zu schaffen und auch die SRI Radio Systems GmbH weiter zu stärken. Gemeinsam können wir klein- und mittelgroße sowie komplexe Volumenproduktionen anbieten – von der Bestückung, über die Montage bis hin zur Logistikdienstleistung. Systemlösungen komplettieren das Angebot.“ Seit 1. Juli 2013 hat er die kaufmännische Geschäftsführung von SRI inne.

Elektronik-Entwicklung im Fokus

Mit TQ hat die SRI einen leistungsfähigen Partner gefunden, betont Detlef Schneider, Geschäftsführer von TQ-Group. „Mit dem Engagement bei der SRI haben wir die Möglichkeit, die bestehenden Strukturen zu festigen und uns als führender Technologiedienstleister noch intensiver zu entwickeln als bisher.“ Der Elektronikfertigungs-Dienstleister und Embedded-Experte beschäftigt bisher an neun Standorten in Deutschland, der Schweiz und China rund 900 Mitarbeiter – mit dem zehnten Standort, Durach, sind es nun über 1200 Mitarbeiter. Das Spektrum beider Unternehmen im Bereich Elektronikdienstleistungen ist vergleichbar, jedoch unterscheiden sie sich in der Marktausrichtung: „SRI entwickelt und produziert insbesondere für die Telekommunikation und den Automotive-Bereich – und das in großen Stückzahlen. Im Rahmen der TQ-Gruppe bieten wir nunmehr auch die richtigen Rahmenbedingungen für kleinere und mittlere Stückzahlen sowie für weitere Branchen, wie etwa Automatisierung, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik und Gebäudetechnik“, ergänzt Volker Mackert weiter.

Im Bereich der Elektronik-Entwicklung ist TQ sehr breit aufgestellt, sowohl quantitativ mit 125 Mitarbeitern als auch qualitativ durch umfassende Entwicklungskompetenz. Dieses Know-how steht nun auch SRI-Kunden zur Verfügung. Auch das Obsoleszenzmanagement, das TQ seit mehreren Jahren bei einer Vielzahl von Projekten bereits umgesetzt hat, steht SRI-Kunden nun offen. Langfristig soll bei SRI, wie auch bei TQ, der Anteil an ODM- und OEM-Produkten ausgebaut werden, um zusätzliche Wettbewerbsvorteile für die Kunden und SRI zu generieren, beschreibt Detlef Schneider die künftige Unternehmensausrichtung: „Unser Wachstum im Bereich E²MS – Electronic Engineering Manufacturing Services – können wir nun sehr gut mit SRI umsetzen.“ Ein erster Schritt hierzu ist das neue Produkt „SRI Modul No. 1“, eine Lösung zur Echtzeit-Videoübertragung auf WHDI-Basis. Darüber hinaus stehen den SRI-Kunden zur Projektrealisierung TQ-Lösungen zur Verfügung, wie beispielsweise die TQ-Minimodule und Embedded-Systeme sowie TQ-Antriebslösungen auf Basis der Robodrive-Technologie.

Elektronikfertigung: Attraktive Hochfrequenz

Seine Stärken konnte SRI bislang vor allem in den Bereichen Umwelttechnik respektive erneuerbare Energien und im Solargeschäft ausspielen. Auch im Bereich der Hochfrequenz hat sich SRI verdient gemacht. Einen Löwenanteil des SRI-Umsatzes nahm die Telekommunikation ein. Das kommt nicht von ungefähr: Im Jahr 1962 wurde SRI als „Siemens Company“ gegründet. Im Jahr 1976 erfolgte der Umzug ins neue Fertigungsgebäude in Durach. Schließlich ging SRI Radio Systems im Jahr 1997 als ein Fertigungsstandort für Richtfunksysteme und Mobilfunkbasisstationen von Siemens an den Start. Seither fertigte der EMS für Siemens, aber auch für Nokia Siemens Networks verschiedene Produkte für die Infrastruktur von GSM- und UMTS-Mobilfunknetze. Davon profitiert nun TQ im besonderen Maße: Mit dem SRI-Backround kann TQ sein Leistungsspektrum um die HF-Technik erweitern – und damit das komplette Spektrum bis in den 43-Gigahertz-Bereich anbieten.

Durch die Zusammenarbeit von SRI und TQ in Entwicklung und Produktion, dem Austausch von Erfahrungen und der wechselseitigen Nutzung der vorhandenen Kompetenzen könnten sowohl SRI und TQ als auch deren Kunden großen Nutzen ziehen. War TQ bislang auf mittlere Stückzahlen fokussiert, kann das Unternehmen mit der Aufnahme von SRI in den TQ-Verbund nun auch hochvolumige Aufträge bearbeiten. Auch sieht sich das Unternehmen nunmehr in der Lage, Kunden zu bedienen, denen bisher mangels Kapazität und Ressourcen abgesagt werden musste. Mit insgesamt 16 SMT-Linien an sieben Produktionsstandorten ist eine Bestückleistung von 12 Millionen Bauteilen und Komponenten pro Tag möglich. Auch großformatige Geräte wie etwa Schaltschränke sind angesichts einer Nutzfläche von 24.000 m² bei SRI in Durach leicht zu realisieren.

Synergien ausschöpfen

Mit der Übernahme von SRI verspricht sich TQ auch einen besseren Zugang zum Automobilmarkt. SRI war seinerzeit TS16949-zertifiziert. Daran will TQ festhalten: „SRI hat – wie TQ – eine sehr kompetente Entwicklungsabteilung und eine hochqualitative Produktion mit hoher technologischer Kompetenz, modernstem Equipment und Prozessen. Hinzu kommt die große Erfahrung in den Bereichen Telekommunikation und Automotive – also Märkten, in denen TQ kaum aktiv war“, erläutert Detlef Schneider. Auch dass annähernd 80 Prozent der SRI-Kunden in Europa angesiedelt sind, sieht Detlef Schneider als weiteren Vorteil: „Die sich aus SRI ergebenden Marktpotenziale und bestehende Kundenbeziehungen wollen wir künftig besser nutzen. Deshalb ist SRI ein eigenständiger Standort der TQ-Gruppe mit den Schwerpunkten Telekommunikation, Automotive und weiteren Wachstumsbranchen.“

SRI unterhielt ein recht durchdachtes Konzept. Der EMS unterteilte sich in die drei Geschäftsfelder Manufacturing & Sourcing, Engineering & Services sowie Consulting & Training, die eng miteinander verzahnt waren. Auf diese Weise ließen sich wertvolle Synergien mit Effizienz erzielen, was sich sowohl bei der Materialbeschaffung niederschlug, als auch in hocheffizienten und kundenspezifischen Fertigungslösungen, die darin mündeten, eine kundenauftragsbezogene Produktion ohne Pufferlagerung offerieren zu können. Beispielsweise verbaute das Unternehmen im Jahr 2010 elektronische Baugruppen, die beidseitig bis zu je 6000 Bauteile aufweisen konnten mit bis zu 600 unterschiedlichen Bauelementen und Komponenten pro Leiterplatte. Der Miniaturisierung Rechnung tragend, verarbeitete SRI Leiterplatten bereits ab einer Größe von 5 mm x 10 mm und setzte dabei auch 01005-Bautypen in Serie ein.

Daher kann Volker Mackert einen positiven Ausblick geben: „Durch Aufnahme in die TQ-Gruppe können wir unseren Kunden ein umfassenderes Leistungsspektrum und Rundum-Sorglos-Paket bieten – und zwar von der Idee bis zum Ende des Lebenszyklus. Durch das Know-how und die Kapazität von SRI können wir unseren Kunden ein sehr attraktives Paket schnüren, so dass Kunden mit unterschiedlichsten Anforderungen bei TQ und SRI jeweils maßgeschneiderte Lösung erhalten.“