Seit der Abspaltung von Hewlett-Packard befindet sich Agilent Technologies auf einer Aufholjagd, um verlorenes Terrain am oberen Frequenzbereich bei Echtzeit-Oszilloskopen wieder aufzuholen. Mit einer Erhöhung der analogen Bandbreite um mehr als 50% gegenüber hauseigenen Modellen und, und das ist viel wichtiger, gegenüber der bisherigen Nr. 1, Tektronix, hat sich das Unternehmen jetzt mit Abstand an die Spitze gesetzt.


Im oberen Preisbereich angesiedelte Oszilloskope laden seltener zu Spontankäufen ein. Doch jeder Entwickler, der sich mit aktuellen seriellen Bussen wie Fibre Channel, Fully Buffered DIMM, Serial ATA, Serial Attached SCSI oder PCI Express beschäftigt, wird spätestens im nächsten Jahr mit Datenübertragungsraten im Bereich 4 bis 8 Gbit/s und Flankenanstiegszeiten von 50 ps und kürzer (20% auf 80%) konfrontiert sein. Und wer die 3. und 5. Harmonische der Grundwelle vermessen will, ist einfach auf Geräte dieser Größenordnung angewiesen. So liegt z.B. die 5. Harmonische beim PCI Express 2.0 bei 12,5 GHz.


Die jetzt auf den Markt kommende Infiniium-DSO-Serie 80000 besteht aus dem Spitzenmodell 81304A mit 13 GHz analoger Bandbreite und einem US-Preis von 122500 $, der 12-GHz-Variante 81204A (115000 $) und dem 10-GHz-Modell 81004A (94000 $). Wer noch nicht bestellt hat, darf frühestens mit einer Lieferung der Geräte im Februar 2005 rechnen. Durch die Zusammenschaltung von zwei Kanälen können als maximale Abtastrate 40 GS/s erreicht werden; sonst wird mit 20 GS/s abgetastet. Der Spitzenwert von 13 GHz Bandbreite wird, wie auch von anderen Herstellern bekannt und durchgeführt, durch einen spezielle DSP-Software erreicht. Bei den 10- und 12-GHz-Oszilloskopen wird dieser Trick nicht eingesetzt. Das 12-GHz-Gerät kann jedoch nachträglich per Software-Upgrade zum 13-GHz-Gerät gemacht werden.


Obwohl die Bandbreite sich dramatisch vergrößert hat, ist das Rauschen in der Größenordnung der Vorgängermodelle gehalten worden. Agilent gibt für das 12-GHz-Modell ein effektives Rauchen von 365 µV an, beim 13-GHz-Flaggschiff mit 400 µV. Auch der effektive Trigger-Jitter hat respektable Werte, er liegt bei den neuen Geräten unter 300 fs. Um die Bandbreite auch an der Tastkopfspitze verfügbar zu machen hat Agilent das zu den Geräte passende Probing-System InfiniiMax II entwickelt.


Bis zum Redaktionsschluss hatten die einschlägigen Oszilloskop-Wettbewerber zwar noch nicht mit der Ankündigung neuer Geräten im High-Speed-Bereich nachgezogen, doch ich bin sie werden nicht lange untätig bleiben. Der Abstand ist einfach zu groß.


Bereits in der Ausgabe 10 der elektronik industrie hatten wir das 13-GHz-Echtzeit-Oszilloskop angekündigt, den Beitrag jedoch leider nicht abgedruckt. Einigen Interessenten haben wir zwischenzeitlich vorab telefonisch weiterhelfen können, möchten uns aber auch bei allen anderen Lesern für die technische Panne entschuldigen.(jj)


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