Das Zahlenwerk zuerst: Rückblickend weist das Geschäftsjahr einen Verlauf vergleichbar zu 2012 auf. „2012 ist uns mit 4,5 % ein moderates Wachstum gelungen, das sich auch 2013 fortgesetzt hat“, erklärte Geschäftsführer Roland Bent auf der SPS IPC Drives. Der starke Euro frisst allerdings das Wachstum auf, sodass von dem voraussichtlichen weltweiten Wachstum von 4 bis 5 % lediglich zwischen 2 und 3 % in Euro übrig bleiben. Anteil daran haben ebenso die globalen Unsicherheitsfaktoren wie die Staatsverschuldung der meisten Wirtschaftsnationen, die Eurokrise und Turbulenzen um den US-amerikanischen Haushalt dämpfen nach wie vor die Investitionsbereitschaft der Industrie. „Das Geschäft der Elektroindustrie findet also seit Mitte 2011 in einem nahezu unverändert schwierigen Umfeld statt“, zeigt Bent das generelle Problem auf. In absoluten Zahlen bedeutet das rund 1,64 Milliarden Euro Umsatz in 2013.

Roland Bent: Phoenix Contact: „Mit den vorhandenen Technologien können wir heute schon die Philosophie von Industrie 4.0 in konkreten Anlagen umsetzen.“

Roland Bent: Phoenix Contact: „Mit den vorhandenen Technologien können wir heute schon die Philosophie von Industrie 4.0 in konkreten Anlagen umsetzen.“Stefan Kuppinger/IEE

„Es war und ist Kern unserer Unternehmensstrategie, uns mit eigenen Wachstumsimpulsen durch neue Marktfelder, Produktlinien und Geschäftsmodelle von der Weltkonjunktur abzukoppeln“, betont Bent mit Blick auf den Aus- und Aufbau des Unternehmens. So wurden auch 2013 bedeutende personelle und sachorientierte Investitionen zum Ausbau der Vertriebsstrukturen, der Geschäftsbereiche und der Technologiekompetenz getätigt.

Beispiel 1: Mehr Platz für die Hochspannung

Allein rund 20 Millionen Euro investiert Phoenix Contact am Standort Blomberg in ein neues Forschungs- und Entwicklungsgebäude für die Hochspannungs- und Hochstromtechnik, das Entwicklung, Konstruktion und Marketing bündelt. „Wir wollen auf diesem komplexen Gebiet unsere Technologieführerschaft festigen und weiter auszubauen“, so Bent.

Beispiel 2: Zusammenschluss bei der Stromversorgung

Stromversorgungen haben sich zu einem bedeutenden Geschäftsbereich mit einem zweistelligen Anteil am Gesamtumsatz der Gruppe entwickelt. Nachdem Ende 2012 der Bereich durch die Übernahme der Firma APtronic deutlich verstärkt wurde, folgt Anfang 2014 die organisatorische und rechtliche Zusammenführung mit dem Geschäftsbereich Power Supplies in eine eigenständige Tochtergesellschaft. Dazu Bent: „Mit einem eigenen Gebäude mit rund 12.000 m² Fläche in Paderborn gibt es einen gemeinsamen Standort für alle Stromversorgungs-Aktivitäten von der Produktdefinition bis zur Vermarktung.“

Beispiel 3: Elektromobilität

„Mittelfristig ist die Elektromobilität nicht aufzuhalten“, ist Bent überzeugt. Bis Ende 2014 werden allein 16 deutsche Elektrofahrzeug-Modelle auf dem Markt existieren. Mit dieser breiten Verfügbarkeit an Fahrzeugen sieht er Phase der Marktverbreitung in Deutschland als abgeschlossen. „Für die bis 2018 folgende Phase des Markthochlaufs kann von einer exponentiellen Entwicklung der Zulassungszahlen ausgegangen werden“, skizziert Bent das Marktpotenzial für sein Unternehmen.

Ladestecker und natürlich die elektronischen Komponenten zum Aufbau von Ladestationen und deren Infrastruktur sind hier die Themen, mit denen sich Phoenix Contact E-Mobility befasst. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem ‚Combined Charging System‘ (CCS), ein Schnellladesystem, das mit bis zu 200 A und 800 V DC die Ladezeiten auf bis zu 10 min verkürzt. Entwickelt wurde dieses System zusammen mit allen deutschen Automobilherstellern und ist inzwischen in der IEC 62196 Teil 3 in einem finalen Normungszustand. Die rund vierzig Mitarbeiter des E-Mobility-Unternehmens sollen schon im kommenden Geschäftsjahr rund 10 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften.

Beispiel 4: Industrie 4.0

„Industrie 4.0 ist für den Wirtschaftsstandort Deutschland von elementarer Bedeutung, um die Wettbewerbsfähigkeit der produzierenden Unternehmen zu erhalten“, begründet Bent das Engagement von Phoenix Contact und vieler anderer Firmen im Rahmen des Arbeitskreises Industrie 4.0. „Unser firmeneigener Maschinenbau, ist dafür ein ideales Testfeld sowie ein Anforderungs- und Ideenlieferant für unsere Produkte und Lösungen“, betont Bent. Das Ganze basiert auf dem Technologie-Portfolio des Unternehmens auf: Netzwerktechnologien, Security, Safety sowie drahtlose Kommunikation und Automation.

Industrie 4.0 im Praxistest

Industrie 4.0 zum Anfassen: Demo-Anlage einer automatischen individuellen Klemmleisten-Bestückung.

Industrie 4.0 zum Anfassen: Demo-Anlage einer automatischen individuellen Klemmleisten-Bestückung.Phoenix Contact

Inzwischen sind bereits erste Anwendungen von Industrie-4.0-Technologien in der Fertigung von Phoenix Contact im Einsatz. „Auch auf der SPS IPC Drives zeigen wir die Umsetzung von Industrie 4.0 an von zwei Demonstrationsanlagen: Anhand einer Roboterzelle wird demonstriert, wie sich signifikante Energieeinsparungen durch eine hohe Vernetzung und Integration aller Prozessteilnehmer erreichen lassen. Kernstück des Energiemanagementsystems ist die sogenannte Energie-SPS, die über eine standardisierte Schnittstelle vom Leitsystem Informationen über die Produktionszeiten und die Produktionspausen erhält. Die Energie-SPS berechnet, in Abhängigkeit der geplanten pausen- oder produktionsfreien Zeit, die Schaltstrategie, um den energetisch optimalen Betriebszustand zu erreichen und schaltet dazu die Anlagenkomponenten in den Pausen in die entsprechenden Zustände. „Diese integrierte Betrachtung ermöglicht eine Senkung des Energieeinsatzes um bis zu 15 %“, so Bent.

Die zweite Demo-Anlage zeigt die Aspekte einer integrierten Engineering-Kette auf: Digitale Produktbeschreibungen und Makros von Phoenix Contact unterstützen die E-CAD-Tools zur Schaltplanerstellung, Komponentenauslegung und -auswahl. Als Ergebnis erhält der Planer eine Beschreibung des digitalen Artikels – das Bindeglied zur Produktion, die in der Demonstrationsanlage in Form einer automatisierten, individuellen Klemmleistenbestückung für den Schaltschrankbau erfolgt. Roland Bent abschließend: „Mit den vorhandenen Technologien können wir heute schon die Philosophie von Industrie 4.0 in konkreten Anlagen umsetzen.“