„Unsere Technologie-Partnerschaft mit Yaskawa bei der PLCnext-Technologie ist ein Meilenstein für die Automatisierungsbranche.“ Ulrich Leidecker, CEO Phoenix Contact

„Unsere Technologie-Partnerschaft mit Yaskawa bei der PLCnext-Technologie ist ein Meilenstein für die Automatisierungsbranche.“ Ulrich Leidecker, CEO Phoenix Contact Phoenix Contact

Corona hat alle Pläne und Entwicklungen über den Haufen geworfen und unerwartet vor vielfältige Herausforderungen gestellt. Im Ergebnis war das erste Quartal bei Phoenix Contact von einem Wachstum gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum geprägt, gefolgt von einer deutlichen Abschwächung im zweiten Quartal. „Für den Moment hat die Geschäftsentwicklung einen stabilen Punkt erreicht“, so Ulrich Leidecker, CEO von Phoenix Contact. Seine Prognose: „Das Ergebnis 2020 fällt besser aus als zu Beginn der Pandemie erwartet, reicht aber nicht an die ursprüngliche Geschäftserwartung ohne Corona heran.“ Konkret bedeutet das einen moderaten Umsatzrückgang von 4 bis 5 Prozent. Für 2021 geht Leidecker von einem mittleren einstelligen Wachstum und einen Gruppenumsatz aus, der leicht über dem Niveau von 2019 liegt.

Umsatz-Doping per Innovationen und Kooperationen

Auch wenn der Umsatz stockt, die Investitionen und Innovationen wie die vor drei Jahren vorgestellte PLCnext-Plattform tun es nicht: Neben neuen CPUs hebt Leidecker auf die im September veröffentliche Kooperation mit dem japanischen Roboter- und Antriebsspezialisten Yaskawa zurück.

Deren Anfänge reichen viel weiter zurück, ist aus einem Nebensatz von Leidecker herauszuhören: „Ursprünglich wollten wir mit unserer Kooperation schon auf der Hannover Messe an die Öffentlichkeit.“

Ziel der Partnerschaft rund um die offene Automatisierungsplattform PLCnext Technology ist, den Wandel von proprietären Lösungen hin zu einem offenen und zukunftssicheren Ecosystem für die industrielle Automatisierung voranzutreiben. In diesem Zuge lizensiert Phoenix Contact seine PLCnext-Laufzeitumgebung an Yaskawa und hat die gemeinsame Weiterentwicklung vereinbart.

Technologie-Austausch bleibt keine Einbahnstraße

Gemeinsames Ziel von Phoenix Contact und Yaskawa ist es, ein offenes und zukunftssicheres Ökosystem für die industrielle Automatisierung anzubieten. In diesem Zuge hat Phoenix Contact seine IEC 61131-3-basierte Laufzeitumgebung PLCnext an Yaskawa lizensiert und stimmt künftigen gemeinsamen Weiterentwicklungen zu. Yaskawa will die PLCnext Technology dazu nutzen, das eigene Angebot an Maschinensteuerungen weiter auszubauen und fortzuentwickeln. So steht es in der Pressemitteilung vom September. Mittelfristig wird man bei Yaskawa beziehungsweise ehemals Vipa mit Sicherheit keine zwei Technologie-Plattformen pflegen. Dazu ist auf Dauer der finanzielle und personelle Aufwand einfach zu groß, mithin: zu teuer. Die S7-kompatiblen Steuerungsfamilien, die noch aus der Übernahme von Vipa stammen, dürften daher eher im Rahmen einer Modellpflege weiterentwickelt werden.

Aus Phoenix-Sicht stärkt und erweitert Yaskawa als globales Schwergewicht im Bereich Robotik und Antriebstechnik das Eco-System von PLCnext. Mit der Kombination aus offener Steuerungstechnik, modularer Engineering-Software und Online-Community ermöglicht diese Lösung eine einfache Adaption an wechselnde Anforderungen sowie eine effiziente Nutzung von bestehenden und neuen Software-Anwendungen. Künftig kommt nun noch eine umfangreiche Palette an Roboter- und Motion Control-Lösungen in Hard- und Software dazu. Diese Komponenten werden nicht nur den digitalen Marktplatz PLCnext bereichern, sondern auch das Lösungsangebot von Phoenix Contact.

Kommentar von Stefan Kuppinger, Chefredakteur IEE

Yaskawa plant den Einsatz des PLCnext Runtime Systems in den Bereichen Motion Controls und Robotics, zunächst in Europa und den USA. Details dazu lesen Sie im Interview mit Armin Schlenk, Direktor Marketing EMEA bei Yaskawa Europe.

„Diese Technologie-Partnerschaft ist ein Meilenstein für die Automatisierungsbranche, denn je mehr Partner in einem offenen Automatisierungs-Ecosystem agieren, desto wertvoller wird es für jeden einzelnen Teilnehmer“, betont Leidecker.