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Die verschiedenen TSN-Testbeds sind für die Evaluierung sehr wichtig. Redaktion IEE

Die Projektgruppe wurde im Frühjahr initiiert. Woran wird gerade gearbeitet?

Karsten Schneider: Anfangs gab es ein Sammelsurium an Ideen, Anforderungen und Technologien. Daraus haben wir die wesentlichen Themen herausgearbeitet: TSN, OPC, Security, Semantik sowie die Netzwerkadressierung via IPV6. Auf diesen fünf Gebieten sehen wir den größten Handlungsbedarf und den größten Nutzen.

Mittlerweile wird an diesen Themen gearbeitet, wenn auch mit unterschiedlichen Prioritäten und Geschwindigkeiten: An TSN akut und konzentriert. Beim Thema Semantics stehen wir noch am Anfang, IPV6 befindet sich in der Konzeptphase.

Die PNO koooperiert mit der CC-Link Partnerorganisation. Ziel ist, beide Netzwerke und Geräte in Anlagen kombinieren zu können. Wird diese Kooperation auch in Richtung TSN erweitert?

Karsten Schneider: Das ist momentan noch zu früh, wobei wir über solche Themen miteinander reden. Realisiert haben wir einen Koppler, der ein CC-Link-Netzwerk mit einem Profinet-Netzwerk verbindet. Controller auf der CC-Link-Netzwerkseite können darüber mit Controllern auf der Profinet-Seite kommunizieren. Der nächste logische Schritt ist, das Thema OPC UA gemeinsam anzugehen. Denn wir wollen für die Controller-Controller-Kommunikation OPC UA nutzen. Was spricht dagegen, sich hier mit der CC-Link-Organisation abzustimmen? Und mit OPC UA kommt zwangsläufig auch das Thema TSN auf den Tisch. Denn früher oder später nutzen alle ein identisches TSN.

Wie sieht es in Richtung der ODVA aus? Deren Ethernet/IP ist in den unteren Schichten doch identisch zu Profinet.

Karsten Schneider: Als PNO haben wir in den letzten Jahren bewiesen, dass wir zu einer Zusammenarbeit mit allen bereit sind. Zum Thema TSN gibt es aktuell keine Gespräche mit der ODVA. In den IEEE-Gremien sitzen aber Vertreter aus allen Lagern am Tisch und arbeiten gemeinsam an TSN. Praktisch findet dort also bereits ein Austausch und eine Zusammenarbeit statt.

Diskutiert die Arbeitsgruppe Industrie 4.0 auch Szenarien wie eine direkte Kopplung an Cloud-Systeme?

Karsten Schneider: Absolut. Das ist der dritte Use-Case, den wir abdecken wollen – die Device oder Controller-Kommunikation zur Cloud.

Und die beiden anderen Use-Cases sind nochmal?

Karsten Schneider: Neben der klassischen Controller-Device-Kommunikation ist das die Controller-Controller-Kommunikation. Letzteres stand bislang eher nicht im Fokus, weil jeder Anbieter seine eigene Umgebung hat. Unabhängig von den jeweiligen Plattformen wollen wir auf Basis von OPC eine Lösung definieren, damit Controller miteinander, letzten Endes Maschinen oder Aggregate untereinander, kommunizieren können.

Jeder Use Case stellt andere Anforderungen an TSN. Bei einer Device-Cloud-Übertragung brauche ich nicht mehr Zykluszeiten im Millisekundenbereich, wie bei einer Controller-Device- Kommunikation. Dagegen gewinnen Themen wie die Übertragung und Strukturierung großer Datenmengen an Bedeutung.

Wird auf der SPS IPC Drives schon etwas Konkretes zum Thema Profinet@TSN zu sehen sein?

Karsten Schneider: Eine technische Lösung sicher nicht. Bis dahin haben wir aber ein klares Bild, wie die Technologie umzusetzen ist und auch die Roadmap dafür. Das werden wir dann in Nürnberg vorstellen und mit den Besuchern und Ausstellern gerne diskutieren.

Das Interview führte Chefredakteuer Stefan Kuppinger


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