Die EU-Kommission verurteilte das US-Unternehmen wegen Verstößen gegen europäische Wettbewerbsregeln. Laut bereits seit 2015 laufenden Ermittlungen der Behörde zu Qualcomms Marktdominanz bei LTE-Basisband-Chipsätzen soll der Konzern zwischen 2011 und 2016 Milliardenbeträge an Apple gezahlt haben, um auszuschließen, dass das Unternehmen bei der Konkurrenz kaufe. Auf diese Weise seien Mittbewerber mehr als fünf Jahre lang vom Markt für LTE-Basisband-Chipsätze ausgeschlossen worden.

Bei dem inkriminierten Verhalten handele es nicht um bloße Preisnachlässe, sagte EU-Kommissarin Margrethe Vestager am Mittwoch in Brüssel. Die Zahlungen seien unter der Bedingung geleistet worden, dass Apple in sämtlichen iPhone- und iPad-Geräten ausschließlich Qualcomm-Chipsätze verwende. Dadurch sei Verbrauchern und Mitbewerbern eine größere Auswahl und Zugang zu innovativen Technologien vorenthalten worden.

Qualcomm

Im Qualcomm-Headquarter im kalifornischen La Jolla reißen die negativen Schlagzeilen nicht ab. Coolcaesar, eigenes Werk, Wikimedia

Die Zahlungen sollten nach Ansicht der Behörde vor allem die Konkurrenz durch Intel einschränken. Tatsächlich konnte sich Intel in der Vergangenheit mit seinen Mobilfunk-Chipsätzen häufig nicht gegen Qualcomm-Modelle durchsetzen. Die 997 Millionen Euro Strafe, die Qualcomm nun für seine Wettbewerbsverzerrung zahlen soll, belaufen sich laut der EU-Kommission auf 4,9 Prozent des Unternehmensumsatzes im Jahr 2017.

Der Konzern reagierte am Mittwoch mit der Ankündigung eine Anfechtung auf die verhängten Strafzahlungen. „Wir sind überzeugt, dass die betreffende Vereinbarung EU-Wettbewerbsregulierungen nicht verletzt hat und keine negativen Auswirkungen auf den Markt oder europäische Verbraucher hatte“, ließ Qualcomm-Chefjurist Don Rosenberg in einem Statement verlauten. Man wolle das das Berufungsverfahren unmittelbar einleiten.

Nicht nur wegen der Entscheidung der EU-Wettbewerbshüter befindet sich Qualcomm derzeit in einer misslichen Lage: So sieht sich der Konzern zum einen einem feindlichen Übernahmeversuche durch Broadcom ausgesetzt, zum anderen ist er in einen langwierigen Rechtsstreit mit seinem Hauptkunden Apple verwickelt.

Zugleich versucht Qualcomm aktuell selbst, seinen niederländischen Konkurrenten NXP zu akquirieren. Dass die EU-Wettbewerbsbehörden erst vor wenigen Tagen grünes Licht für die Transaktion gaben, dürfte an den geringen Erfolgsaussichten für den Übernahmeversuch jedoch wenig ändern.