Sei es SMD-Kleber, Reinigungsmedien, Löthilfsmittel, ESD-Produkte oder Flussmittel: Emil Otto ist mit seinem Produktportfolio prozessübergreifend in der Elektronikfertigung aktiv.

Markus Gessner von Emil Otto

Markus Gessner von Emil Otto: „Wir sind der einzige Flussmittelhersteller weltweit, der das identische Aktivatorensystem vom Konzentrat, über das fertige Flussmittel – also ready to use – bis hin zum Flussmittelgel übertragen kann.“ Emil Otto

Das Kerngeschäft sieht Markus Gessner, Marketing- und Verkaufsleiter von Emil Otto Flux- und Oberflächentechnik, ganz klar mit Flussmitteln und Reinigungsmedien: „Das Flussmittel ist das Entscheidende beim Löten.“ Lotmaterialien herzustellen sei relativ einfach, da diese genormt und somit die Inhalte festgelegt seien, argumentiert er. „Doch bei Flussmitteln gibt es keine Norm, da zählt die Erfahrung und das Know-how. Bei der Chemie trennt sich die Spreu vom Weizen.“ Die mechanisch stabile und elektrisch gut leitende Verbindung von Metallen ist Voraussetzung für funktionsfähige elektronische Baugruppen. Neben Lot und Wärme spielen dabei Flussmittel eine entscheidende Rolle. In der Tat kann das Unternehmen hierbei auf ein fundiertes Wissen zurückgreifen: Seit dem Jahr 1901 entwickelt und produziert der Hersteller eine Fülle von Flussmittel für die Elektronikindustrie.

Im Zuge dessen, wie die Elektronikfertigung immer innovativer wird, müssen sich auch die dafür notwendigen Hilfsstoffe weiterentwickeln: Mit der Zunahme von Mischbestückungen, hohen Packungsdichten und immer kleiner werdenden Bauteilen wird die Prozessleistung an Lotmaterialien, Anlagentechnik und Flussmittel weiter vorangetrieben.

Umweltbewusst: Rein wasserbasierende Flussmittel vermarktet Emil Otto unter dem Label „Green Line“, die sich auf den marktbekannten Lötsystemen einsetzen lassen.

Umweltbewusst: Rein wasserbasierende Flussmittel vermarktet Emil Otto unter dem Label „Green Line“, die sich auf den marktbekannten Lötsystemen einsetzen lassen. Emil Otto

Flussmittel in der Elektronik

Heutige Flussmittel müssen den Spagat schaffen, trotz geringerem Feststoffgehalt eine zuverlässige Lötung sicherzustellen. Sie haben die Aufgabe für optimale Lötergebnisse, allerbeste Benetzung und maximale Oxidationsreduktion zu sorgen sowie die Eigenschaften des Lots zu optimieren. Dabei gilt es, einen Abfall des Oberflächenwiderstands (SIR) genauso zu vermeiden wie das Dendritenwachstum. Nur dann ließe sich eine höchstmögliche Sicherheit erlangen. „Das ist die Kunst!“, hebt er hervor und verweist zügig auf ein umfangreiches und durchdachtes Portfolio an Flussmitteln. Durchdacht insofern, als dass jedes der Produkte eine Grundrezeptur besitzt, die die Basis der Flussmittel darstellt. Diese Grundrezeptur variiert lediglich im Feststoffanteil und ergibt so die Varianten A, B und C. „Wir wissen um die Schwierigkeit der Qualifikation bei Herstellern und Anwendern und dass dies ein sehr zeitraubender und kostenintensiver Prozess ist. Das wollten wir vermeiden“, betont er. Bei Chargen von schlechtlötbaren Bauteilen oder Leiterplatten können diese Varianten ihre Vorteile ausspielen: „Der Kunde muss nur ein Flussmittel qualifizieren, hat aber im Grunde gleich drei Flussmittel zur Auswahl, jedoch ohne einen neuen, langwierigen und teuren Zertifizierungsprozess anstreben zu müssen.“

So enthält Variante A nur 1 bis 2 Prozent Feststoffe und ist für Volltunnel-Lötarbeiten unter Stickstoff geeignet. Sie stellt ein breites Prozessfenster sicher und ist besonders temperaturstabil unter alleiniger Stickstoffatmosphäre. Die Versionen B entsprechen dem Standard und enthalten etwa 3 Prozent Feststoffe. Sie sind universell einsetzbar und besonders attraktiv beim Löten auf OSP-Leiterplatten. Mit 4 Prozent Feststoffanteil sind die Varianten C eigens für die Leistungselektronik entwickelt.

Ein weiteres Highlight stellt das Flussmittelgel dar: „Wir sind der einzige Flussmittelhersteller weltweit, der das identische Aktivatorensystem vom Konzentrat, über das fertige Flussmittel – also ready to use – bis hin zum Flussmittelgel übertragen kann“, bekräftigt er. Die Flussmittelgele sind ideal, wenn von Kundenseite der gleiche Flussmittelaktivator bei unterschiedlichen Prozessen gefordert wird. In diesem Fall kann der Kunde auf einen Anbieter zurückgreifen. Durch einheitliche Aktivatoren werden Kreuzreaktionen, die bei der Verwendung von verschiedenen Aktivatoren unterschiedlicher Hersteller auftreten können, vermieden.

Zudem bietet das Unternehmen, dessen Produktion  ausschließlich am Standort Eltville erfolgt, Multifluxe als Konzentrat an: sie sind stark mengenreduziert und ohne Gefahrstoffkennung transportierbar.
Zur productronica 2019 erweitert das Unternehmen sein Portfolio mit der Fluxpaste EO-FP-002 für Reparaturarbeiten. Die für Rework und Repair konzipierte Fluxpaste ist sowohl für Zinn-Blei- als auch für bleifreie Legierungen geeignet. Sie zeichnet sich durch eine hohe Aktivität und gutes Benetzungs- und Ausbreitungsverhalten aus. Dabei handelt es sich um ein pastöses Elektronikflussmittel mit halogenfreien Aktivatoren. Die Paste ist hochviskos und temperaturstabil.

Immer das identische Aktivatorensystem zur Hand: Die Flussmittelgele sind ideal, wenn von Kundenseite der gleiche Flussmittelaktivator bei unterschiedlichen Prozessen gefordert wird.

Immer das identische Aktivatorensystem zur Hand: Die Flussmittelgele sind ideal, wenn von Kundenseite der gleiche Flussmittelaktivator bei unterschiedlichen Prozessen gefordert wird. Emil Otto

Wasserbasiert in die nachhaltige Zukunft

Im Zuge einer umweltfreundlichen Baugruppenfertigung, rücken wasserbasierende Flussmittel vermehrt ins Rampenlicht. Gegenüber alkoholbasierten Flussmitteln sind sie günstiger und verbrauchsreduzierend, da in der Regel ein Drittel weniger Flussmittel als bei alkoholbasierenden Pendants benötigt wird. Da sie nicht entzündlich sind, werden sie nicht als Gefahrgut eingestuft und haben dadurch keine gesetzliche Einschränkungen für den Transport, die Lagerung und die weitere Handhabung in der Produktion. Das reduziert die Kosten, da eine Lagerung in Räumen ohne Explosionsschutz möglich ist.

„Ich bin ein absoluter Befürworter von wasserbasiertem Flussmittel. Wir haben auch sehr viele wasserbasierte Flussmittel im Programm, die für sehr gute Lötergebnisse sorgen“, bekräftigt daher Gessner. Bei wasserbasierenden Flussmitteln gilt die höhere Vorheizenergie als Nachteil, da die Leiterplatte für den Lötprozess unbedingt trocken sein muss. Wasserbasierte Flussmittel können aufgrund dieses Umstandes bei temperaturempfindlichen Bauteilen an ihre Grenze stoßen. Rein wasserbasierende Flussmittel vermarktet Emil Otto unter dem Label „Green Line“, die sich auf den marktbekannten Lötsystemen einsetzen lassen. „Ein Wechsel zu ökologischen, wasserbasierenden Flussmitteln ist somit für alle Kunden ohne Weiteres möglich“, versichert der Experte, der auch Anwender in der Pflicht sieht. Sie könnten seiner Ansicht nach das hierfür erforderliche Umdenken forcieren: mit der Zertifizierung ISO14001 hin zur umweltbewussten Fertigung.

Breit aufgestellt mit hochwertigen Produkten

Mit mehr als 115 Jahren Erfahrung in der Elektronikfertigung reklamiert Gessner einen hohen Innovations- und Qualitätsanspruch: „Wir können am Markt nur bestehen, wenn wir absolut innovative Produkte mit höchster Qualität haben.“ Deshalb durchlaufen sämtliche Flussmittel und Reinigungsmedien einen sehr harten Prüfzyklus, unterstreicht Gessner: „Anhand unserer Haustests können wir belegen, dass selbst bei vorhandenen thermisch nicht belasteten Flussmittelrückständen eine extrem hohe Sicherheit an der Baugruppe vorliegt.“

Einstieg in die Welt der Lötmaterialien: Emil Otto und Feinhütte Halsbrücke wollen sich künftig vertrieblich und bei der Produktentwicklung gegenseitig unterstützen.

Einstieg in die Welt der Lötmaterialien: Emil Otto und Feinhütte Halsbrücke wollen sich künftig vertrieblich und bei der Produktentwicklung gegenseitig unterstützen. Feinhütte Halsbrücke

Da Flussmittel ein chemisch-technisches Produkt ist, ist es auch beratungsintensiv. Emil Otto bietet Schulungen an und unterstützt seine Kunden bei der richtigen Auswahl. Naheliegend, dass das Unternehmen auch mit Leutz Lötsysteme, Roartis und Becktronic auf Partner zurückgreift, um Lösungskonzepte entlang der elektronischen Baugruppenfertigung aus einer Hand anbieten zu können. Zur productronica 2019 wird Emil Otto die jüngste Kooperation vorstellen: Gemeinsam mit Feinhütte Halsbrücke wurde die Vereinbarung getroffen, sich ab sofort vertrieblich und bei der Produktentwicklung gegenseitig zu unterstützen. Beide wollen zusammen entwickelte Produkte auf den Markt bringen. Besiegelt wird dies mit einem gemeinschaftlichen Messeauftritt. Zudem decken 38 Vertriebspartner im In- und Ausland die hohe Nachfrage nach Produkten von Emil Otto ab. Für Gessner eine Bestätigung, dass die Firmenphilosophie, ausschließlich in Deutschland und mit hohem Qualitätsanspruch zu produzieren, aufgeht.

Productronica 2019: Halle A4, auf Stand 420