Das Innenlagen-Werk mit dem gesamten Basismaterialvorrat wurde zerstört. Doch einige Brandschutzmauern hielten Stand. Fraglich, ob die Versicherungen einen „Totalschaden“ anerkennen und somit einem schnellen Werksneubau nebenan auf der „grünen Wiese“ zustimmen.

Das Innenlagen-Werk mit dem gesamten Basismaterialvorrat wurde zerstört. Doch einige Brandschutzmauern hielten Stand. Fraglich, ob die Versicherungen einen „Totalschaden“ anerkennen und somit einem schnellen Werksneubau nebenan auf der „grünen Wiese“ zustimmen. Lokalpresse

Kein Masslam-Service in Europa mehr

Zwischenzeitlich versucht Ruwel/Unimicron Germany sein Außenlagenwerk weiter mit fertig verpressten Innenlagen von externen Lieferanten zu füttern. Zu besseren Zeiten der Leiterplattenindustrie in Europa wurde Masslam als Halbfertigprodukt von führenden Basismaterialherstellern angeboten. Auch Ruwel versuchte seinerzeit, seine deutlichen Überkapazitäten Mitbewerbern anzubieten.

Im vergangenen Jahr stellte Option Circuits in Großbritannien als letzter Anbieter seinen Masslam-Service ein. Als Bezugsquelle kommen jetzt nur Mitbewerber und asiatische Werke im Unimicron-Konzern in Frage. Dem Vernehmen nach sind Ruwel-Mitarbeiter unter anderem in China sowie bei der schweizerischen Varioprint im Einsatz.

Doch solch ein Fremdbezug ist umständlich. Jeder Leiterplattenhersteller hat seine Fertigung auf bestimmte Produktionspanel-Größen abgestimmt. Daher müssen die Gerberdaten aller Bestandstypen zunächst erneut in der Arbeitsvorbereitung für diese neuen fremden Panel-Formate mit verschnittarmer Nutzenauslegung und allen zugehörigen Programmen zur Equipment-Steuerung umgesetzt werden.

Darüber hinaus verlangen Kunden vor der Serie aus dieser neuen Produktionskonstellation Freigabemuster, die eigehenden Untersuchungen unterzogen werden. All das kostet Zeit, lange Transportwege und bedeutet Aufwand. Manche Aufträge werden da sicher kundenseitig anderweitig vergeben, um diese von A bis Z aus einer Hand betreuen zu lassen.

2015 wurden in Europa noch bei mehrjährig abfallender Tendenz Leiterplatten im Wert von 1,852 Mrd. Euro gefertigt. Das sind nur noch 3,8 Prozent der Weltproduktion. Ruwel erzielte im Jahr 2016 einen Jahresumsatz von knapp 50 Mio. Euro.

2015 wurden in Europa noch bei mehrjährig abfallender Tendenz Leiterplatten im Wert von 1,852 Mrd. Euro gefertigt. Das sind nur noch 3,8 Prozent der Weltproduktion. Ruwel erzielte im Jahr 2016 einen Jahresumsatz von knapp 50 Mio. Euro. Data4PCB

Basismaterial ist knapp

Eine weitere Herausforderung ist die schnelle Basismaterialbeschaffung, denn Kuferfolien steigen im Preis und sind knapp. „Konkurrierende aufstrebende Technologien, wie Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung, Elektroautos und Elektrofahrräder, mobile Endgeräte, Akku-Werkzeuge und die dafür notwendigen Batterien binden enormen Mengen des am Markt gehandelten Kupfers“, verdeutlicht der Leiterplattenindustrie-Experte Michael Gasch von Data4PCB. „Der Herstellprozess von Kupferfolien ist sehr aufwändig. Die Nachfrage stagnierte in den letzten Jahren. Zur besseren Auslastung suchten die Folienhersteller nach Alternativen und fanden diese in der Batterietechnik. Die Folienproduktion dafür ist prozesstechnisch auch weniger anspruchsvoll und wird besser bezahlt“, erläutert Gasch besorgt.

Aus diesen Gründen seien allein in den Jahren 2015 und 2016 schon über 21 Prozent der Gesamt-Folienkapazität für den Batteriebereich umgewidmet worden „und weitere Mengen werden folgen“, prognostiziert der Marktforscher. Ruwels Lagerbestand an Basismaterial ist vernichtet. Wettbewerber benötigen das knappe und teure Material zur Bedienung ihrer eigenen Kunden. Bis die Unimicron-Tochter über eigene neue Kontingente verfügt, dürfte es dauern und zu weiteren Lieferverzögerungen führen.

 

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