Karsten Bier, CEO der Recom-Gruppe

Karsten Bier, CEO der Recom-GruppeRecom

Es gibt kaum eine Platine, die ohne Spannungswandler auskommt, egal in welcher Form“, sagt Karsten Bier, CEO der Recom-Gruppe, und ergänzt: „Wir haben es zum Unternehmensziel erklärt, Eigenentwicklungen unserer Kunden zunehmend durch fertig zertifizierte Standardmodule zu ersetzen.“ Oberflächlich betrachtet sei es heute keine große Kunst mehr, Wandler zu entwickeln. Im Internet gäbe es diverse Entwicklungs-Tools, die nach Eingabe der benötigten Specs eine fertig dimensionierte Schaltung ausspucken. „Aber dann fängt die Arbeit erst an“, weiß Bier, denn der Teufel stecke im Detail. Da es sich um Analogtechnik mit hohen Schaltfrequenzen handele, seien auf der Platine überall kleine Kapazitäten und Induktivitäten versteckt, die nicht im Schaltplan zu finden sind. Diese sorgen für Überraschungen in Form unerwarteter Störpegel oder einem Verlust an Effizienz. Mehrfaches Re-Design sei eher die Regel als die Ausnahme. „Spätestens wenn Time-to-Market von Bedeutung ist, greifen Hersteller vermehrt zum fertigen Modul“, erläutert Bier.

Zwar werde noch immer der Großteil der Wandler vom Kunden selbst entwickelt und diskret aufgebaut. Gerade hierin sieht Bier das enorme Wachstumspotenzial für Module. „Wir machen es in vielen Fällen billiger und fast immer besser“, gibt er sich selbstbewusst und verweist auf Recom‘s langjährige Erfahrung mit modularen Spannungswandlern, Schaltreglern und LED-Treibern. Die in Gmunden entwickelten und getesteten Designs werden in Taiwan in einer zur Recom-Gruppe gehörenden Fabrik kostengünstig produziert. Wer das Ziel verfolge, das nahezu unerschöpfliche Potenzial diskret aufgebauter Wandler zumindest teilweise durch fertig zertifizierte Module zu ersetzen, müsse die Kostenseite gut im Griff haben. Und dies sei in Asien angesichts eines noch immer hohen Anteils manueller Arbeit besser zu realisieren als in Europa. „Wer mit Wandlermodulen weltweit Erfolg haben will, kommt an Taiwan nicht vorbei“, weiß Bier aus langjähriger Erfahrung. Qualitätsbewusstsein und Ausbildungsstand seien auf europäischem Niveau. Dies sei angesichts der großen Produktvielfalt für Recom von ausschlaggebender Bedeutung. „Mag sein, dass man in China Massenware billiger produzieren kann als wir in Taiwan, aber Zuverlässigkeit kommt bei uns vor dem Preis“, versichert der Recom-Chef.

So unterwerfe man alle Prototypen im eigenen Umweltlabor in Gmunden ausgiebigen HALT-Tests in der Klimakammer, um mögliche Schwachstellen frühzeitig ausschalten zu können. Gleiches geschehe in Taiwan, sowohl mit der Nullserie, als auch mit Stichproben aus der laufenden Produktion. Auf diese Weise werde sichergestellt, dass sich durch Änderungen seitens der Zulieferer keine Mängel einschleichen könnten, die Auswirkungen auf die Lebenserwartung der Produkte haben. „Unser Ziel ist Null Prozent Fehlerrate“, betont Bier, „und wir tun alles, diesem Ziel möglichst nahe zu kommen!“ Denn Recom-Wandler sollen mindestens so lange leben wie die Produkte, in denen sie eingesetzt werden. Dies sei im Maschinenbau ebenso wichtig wie in der Bahntechnik oder in der Medizinelektronik, wo die Funktionstüchtigkeit einer großen Investition von der Zuverlässigkeit eines nur wenige Euro teuren Bauteils abhängen kann.

Sorgen bereitet eigentlich nur die Tatsache, dass immer mehr Kopien aus teilweise dubiosen Quellen auf den Markt kommen. „In China wird heute oft schneller kopiert, als wir in Österreich entwickeln können“, sagt Bier. Die Optimierung eines neuen Wandlers und die zugehörigen Tests seien mit rund 6 Monaten sehr zeitaufwändig. Entsprechend verwundert sei man dann, wenn bereits 2 oder 3 Monate nach Lieferung erster Muster nahezu baugleiche Kopien auftauchen. „Manchmal kopieren die unsere Datenblätter gleich mit, einschließlich Tippfehler“, schmunzelt Bier. So lange das Produkt unter fremdem Namen auf den Markt kommt, sei dies für Recom akzeptabel. Zumindest wisse der Kunde, dass er ein Nachahmerprodukt erwirbt. Wirklich problematisch würde es allerdings, wenn ein Produkt mit gefälschtem Recom-Logo und Gütesiegeln angeboten wird, die keiner Prüfung standhalten. Deshalb sei Skepsis angebracht, wenn Preise all zu günstig seien oder der Lieferant unbekannt ist. „Manchmal erkennen wir erst unter dem Elektronenmikroskop, dass es sich um eine Fälschung handelt“, erläutert Bier. Ein großer deutscher Kunde habe unlängst in gutem Glauben Lieferengpässe überbrücken wollen und sei einer Fälschung aufgesessen – mit enormen Folgekosten bei der Instandsetzung seiner Maschinen. Dies ließe sich vermeiden, wenn nur bei autorisierten Distributoren und Kataloganbietern bezogen wird.

„2011 war für Recom das mit Abstand beste Jahr der Firmengeschichte“, sagt Bier und unterstreicht, dass sich auch das 1. Quartal 2012 ausgesprochen positiv entwickelt. Man werde eine Reihe neuer Produkte auf den Markt bringen und habe Pläne, den Vertrieb weiter auszubauen, insbesondere im „Mutterland“ Österreich.