Renesas hat eine neue Plattform namens Autonomy auf den Markt gebracht und erläutert in diesem Beitrag seine Strategie rund um ADAS und autonomes Fahren:„In zwei Segmenten sieht Renesas ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich: Rund um ADAS und automatisiertes Fahren sowie bei Elektrofahrzeugen und Hybriden“, berichtet Jean-François Chouteau, Vice President Global ADAS Centre bei Renesas. Bei EVs/HEVs rechnet der Halbleiterhersteller mit einem jährlichen Marktwachstum von 18 % zwischen 2015 und 2020, bei ADAS sollen es +17 % sein. „Unser CEO hat es ganz klar in seiner Strategie dargelegt“, erklärt Jean-François Chouteau. „ADAS und autonomes Fahren stehen wirklich im Zentrum unserer Investitionen, natürlich zusammen mit anderen Bereichen.

Jean-François Chouteau (links) und Uwe Westmeyer: Renesas Autonomy ist eine flexible und skalierbare Plattform

Jean-François Chouteau (links) und Uwe Westmeyer: Renesas Autonomy ist eine flexible und skalierbare Plattform Alfred Vollmer

Dass der Franzose Chouteau als weltweiter ADAS-Chef sein Büro in Düsseldorf hat, zeigt nicht nur, welche Bedeutung Deutschland und Europa für das japanische Unternehmen haben, sondern auch, wo die Musik bei ADAS und AD (Automatisiertem Fahren) spielt. In dem 2014 gegründeten ADAS-Centre arbeiten etwa 100 Personen aus 15 Nationen. Für Renesas ist dieses Center ein echtes Novum, denn erstmals befindet sich damit die Leitung, Steuerung und Verantwortung für ein Geschäftsgebiet nicht mehr in Japan. „Das zeigt ganz klar, dass Renesas das Thema ADAS mit einer globalen Sichtweise und nicht nur mit einem Blick durch die japanische Brille angeht“, ergänzt Uwe Westmeyer, Senior Principal Engeineer im Solution-Marketing des Global ADAS Centre von Renesas. Das Chip-Design erfolgt zu großen Teilen in Japan, aber Produktdefinition, Marketing und Steuerung des weltweiten ADAS-Geschäfts hat Renesas in Düsseldorf konzentriert.

Radar, Kamera, V2x

Autonomy: Die offene Plattform von Renesas.

Die offene und skalierbare Plattform von Renesas. Renesas

Vor diesem Hintergrund scheint der Vorstoß des Weltmarktführers bei Automotive-MCUs, der letztes Jahr gut 1 Milliarde Mikrocontroller in Fahrzeuge lieferte,  nur logisch: „Wir wollen auch einen Teil des Kuchens in den Bereichen Smart-Camera, Radar und V2x für Connectivity“, stellt Jean-François Chouteau die Strategie vor. „Mit R-Car und RH850 sind wir da sehr gut aufgestellt; damit sind auch Sensordatenfusion und das Fällen von Entscheidungen möglich – und zwar bis Level 4 oder 5 beim automatisierten Fahren. Mit mehr als zehn Jahren Erfahrung im Bereich Functional Safety sind wir da bestens aufgestellt.“ Während es sich bei R-Car um ein ARM-basiertes SoC handelt, das primär für rechenintensive Applikationen konzipiert  und bis ASIL-B einsetzbar ist, ermöglichen die mehr für Controller-Applikationen konzipierten Mikrocontroller mit einem RH850-Kern sogar die Implementierung von ASIL-D.

Die Roadmap sieht vor, dass 2019 die ersten Fahrzeuge mit Highway-Pilot auf den Markt kommen sollen. Ab 2022 bis 2025 will Renesas dann Produkte für die Level 3 und 4 beim automatisierten Fahren in großen Stückzahlen ausliefern; derzeit sind es „erst“ Halbleiter für ADAS gemäß Level 1 und 2.

Für Chouteau ist damit klar: „Die Automatisierung benötigt neue Technologien jenseits der Sensordatenerfassung, und das wird die Wertschöpfungskette verändern. Daher kommen wir mit Lösungsplattformen auf den Markt, denn neben Hardware und Software ist auch eine kurze Time-to-Market ein ganz wesentlicher Aspekt.“ Deshalb hat Renesas auch diverse Solution-Kits entwickelt, wobei die gemeinsam mit TTTech entwickelte, ASIL-D-konforme HAD-Platform erst dieses Jahr hinzukam.

Details über die Roadmap, Geschäftsmodelle, Einsatzmöglichkeiten und das Gesamtpaket der Frontkameralösung finden Sie als Mini-Präsentation in der folgenden Bildergalerie:

Bildergalerie
Die Roadmap von Renesas im Bereich Lösungen für Frontkameras.
Die Geschäftsmodelle von Renesas im Bereich Frontkameras. Das ultimative Ziel des Unternehmens besteht darin, eine wettbewerbsfähige und offene Lösung anzubieten.
R-Car V3M im Einsatz für NCAP-Frontkameras.
Ein erstes Muster des R-Car V3M sowie das entsprechende Starterkit.
Das Gesamtpaket rund um die Frontkameralösung.

Renesas Autonomy

Unter dem Markennamen „Renesas Autonomy“ fasst Renesas seine gesamten Aktivitäten rund um ADAS und automatisiertes Fahren zusammen. Es handelt sich dabei gleichzeitig auch um eine offene und skalierbare Plattform. „Mit Renesas Autonomy können die Entwickler frei entscheiden, welchen ADAS- oder Automatisierungslevel sie wählen möchten“, hebt Chouteau hervor. „Mit unterschiedlichen Derivaten unterstützen wir ganz gezielt die individuellen Anwendungen.“ So unterstützt zum Beispiel die brandneue „R-Car V3M“ genannte Lösung eine NCAP-konforme Kamera der dritten Generation, und für Ende diesen Jahres plane Renesas noch eine wichtige Ankündigung im AD-Bereich. Eines ist für ihn besonders wichtig: „Die Tier-1s können selbst entscheiden, wie tief sie selbst in die Entwicklung einsteigen möchten und dann die entsprechende Renesas-Lösung für ihre individuelle AD-Applikation auswählen.“ Bei der neuen, bis ASIL-C nutzbaren Lösung, für die es im Rahmen von Autonomy bereits ein Starter-Kit gibt, habe Renesas auch besondere Schwerpunkte auf die BOM-Kosten (also die Hardwarepreise laut Stückliste) gelegt, betont François Chouteau.

Zur Verifizierung in einem realen Fahrzeug auf Basis eines Lincoln hat Renesas übrigens ein eigenes autonomes Fahrzeug aufgebaut, wobei dem Unternehmen neben den erforderlichen Standard-Features auch Skalierbarkeit, Low-Power-Betrieb mit unter 30 W, Cyber-Security und der Fail-Operational-Betrieb besonders wichtig sind.