Passen Open Source und Safety zusammen oder hatten Sie Bedenken?

Wir haben ROS industrietauglich gemacht.

Wir haben ROS industrietauglich gemacht. Redaktion IEE

Daniel Baković: Nein, denn für uns ist Safety separat. ROS macht die Bahnplanung, Bahnausführung und die Programmabarbeitung. Safety läuft klassisch mit unseren Steuerungen wie sie unser Automatisierungssystem PSS 4000 anbietet, das mit ROS kommuniziert und Freigaben erteilt. Aber wenn ROS beispielsweise versucht weiterzufahren, obwohl es einen Haltebefehl gibt, dann schaltet die Sicherheitssteuerung ab. Nochmal ganz explizit: Wir betrachten ROS und Safety aktuell getrennt!

Das heißt zwei Steuerungen, eine für den Roboter und eine für die Safetyfunktion?

Daniel Baković: Genau. Für Safety haben wir unsere kompakten Industriesteuerungen und für ROS werden meistens Industrie-PCs oder Standard-PCs genutzt.

Sie sagten aktuell, wie sieht die Zukunft aus?

Daniel Baković: Wir hoffen, dass in ROS auch Safety-Anforderungen berücksichtigt werden, zum Beispiel mit dem Nachfolger ROS 2.

Bernd Müller: Dahingehend laufen auch viele Diskussionen mit Kunden, die sich mit dem Thema befassen und fragen: Wie ist das jetzt mit der Safety? Aber ich denke, wir haben da den entsprechenden Background, um diese Fragen zu beantworten.

Hardware- und Software-Entwicklung – zum Teil bei 0 angefangen. Das war sicher ein immenser Aufwand. Sie vertrauen also der Robotik als Zukunftsthema?

Bernd Müller: Ja, denn der Markt bietet Potenzial. Dies war in den letzten Jahren sehr gut zu sehen, etwa wie sich bei den Industrierobotern die Verkaufszahlen in die Höhe geschraubt haben. Auch der Bereich MRK ist ein Riesentrend im Markt und die Prognose für den Bereich der professionellen Servicerobotik ist entsprechend gut. Daher sehen wir großes Potenzial für unsere Module.

Auf der automatica war Ihr Roboter noch eingezäunt und gesichert. Wann kommt die erste MRK-Variante?

Wir bauen einen Manipulator, keinen Roboter.

Wir bauen einen Manipulator, keinen Roboter. Redaktion IEE

Bernd Müller: Mit den aktuellen Sicherheitsfunktionen safe torque off (STO) und safe brake control (SBC) ist bereits eine MRK im Sinne der Methode 1 – sicherheitsüberwachter Stopp – möglich. Aber natürlich werden wir in den nächsten Jahren Thema MRK weiterentwickeln und auch zusätzliche Sicherheitsfunktionalitäten anbieten.

Spielen dabei Ihre Textil-Sensoren eine Rolle, die bereits in der Sicherheitsmatte zum Einsatz kommen?

Daniel Baković: Ja. Auf der automatica haben wir einen Manipulator im Forschungsstadium gezeigt, der damit umhüllt war. Zudem waren die Gelenkbereiche mit kapazitiver Sensorik umhüllt. Diese Kombination aus taktilen und kapazitiven Sensoren könnte für uns ein möglicher Ansatz sein, um die Methode 4 der MRK, also Leistungs- und Kraftbegrenzung, zu realisieren.

Wie läuft die Umsetzung von MRK in ROS?

Daniel Baković: Bis zu Methode 3 würde es wahrscheinlich gehen, aber noch brauchen wir eine übergeordnete Sicherheitssteuerung, die das Ganze überwacht. Mit ROS allein funktioniert es nicht, noch nicht.

Was sind die technischen Eckdaten Ihres Roboters?

In Zukunft wollen wir auch weitere Pilz Komponenten in ROS integrieren, damit diese mit dem Roboter kommunizieren können.

In Zukunft wollen wir auch weitere Pilz Komponenten in ROS integrieren, damit diese mit dem Roboter kommunizieren können. Redaktion IEE

Daniel Baković: Das Manipulatormodul besitzt 6 Achsen und hat eine Traglast von 6 kg bei 19 kg Eigengewicht. Die maximale Reichweite beträgt 741 mm. Zur Ansteuerung steht eine CANopen Schnittstelle (CiA 402 Profil – elektrische Antriebe) zur Verfügung. Eine Besonderheit ist die 24 Volt Spannungsversorgung, die einen Akkubetrieb ermöglicht. Somit ist der Manipulator ideal für mobile Anwendungen, wie den Einsatz auf Fahrerlosen Transportsystemen (FTS), vorbereitet.

Bernd Müller: Und gerade in dem Umfeld der fahrerlosen Transportsysteme kommt der Vorteil mit den 24 Volt, aber auch ROS, sehr gut zum Tragen, weil ich eine abgeschlossene Applikation habe, die ich in ROS realisieren kann.

Weil das Fahrzeug bereits über ROS läuft.

Bernd Müller: Genau. Und dann harmoniert das wunderbar, und ich muss mich nicht um die anderen Maschinenapplikationen im Umfeld kümmern.

Provokant gefragt: Was kann Ihr Roboter besser als andere?

Wir werden in den nächsten Jahren das Thema MRK weiterentwickeln und zusätzliche Sicherheitsfunktionalitäten anbieten.

Wir werden in den nächsten Jahren das Thema MRK weiterentwickeln und zusätzliche Sicherheitsfunktionalitäten anbieten. Redaktion IEE

Bernd Müller: Die drei Module Manipulator, Steuerungsmodul und Bedienmodul werden von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung gemäß der EN ISO 10218-1 ein Zertifikat erhalten. Der Manipulator ist bereits entsprechend zertifiziert. Dies ist schon ein Alleinstellungsmerkmal, denn der Kunde, der jetzt unsere Module im Rahmen seiner Applikation einsetzt, braucht diesen Sicherheitsaspekt in seiner weiteren Dokumentation nicht mehr zu berücksichtigen, sondern wir liefern das Zertifikat.

Daniel Baković: Was uns noch auszeichnet, ist die nahtlose ROS-Integration. Die Pakete, die wir für unser System veröffentlichen, stammen auch von uns. Es gibt also keinen Bruch zwischen ROS-Entwickler und Manipulator-Hersteller. Bei vielen ist es so, dass Anwender oder ROS-Nutzer die Integration übernehmen und nicht der Roboterhersteller selbst.

Zudem ist es so, dass der Anwender nichts zusätzlich von Pilz braucht, um den Roboter anzusteuern. Das ist wirklich ein Modul, ein Manipulatormodul. Nochmal: wir sind kein Roboterhersteller, wir sind Robotik-Module-Hersteller. Also wenn der Kunde den Manipulator kauft, hat er freie Wahl bei der Steuerung so lange diese eine CANopen Schnittstelle zur Verfügung stellt. Damit kann er den Manipulator ansteuern und sich seinen eigenen Roboter bauen.

Wann kommt der nächste Manipulator und mit welcher Traglast?

Bernd Müller: Wir sind jetzt vorerst mit 6 kg Traglast auf den Markt gekommen und da gibt uns der Markt Recht. Es gibt Studien, dass mehr als 50 % der Applikationen mit Knickarmrobotern im 5 kg-Traglastbereich umgesetzt werden. Von daher sind wir für die ersten Schritte gut aufgestellt.

Gibt es bereits erste Projekte?

Bernd Müller: Wir sind im Juni auf der automatica mit den Modulen an den Markt gegangen und sind jetzt in der Phase, dass erste Pilotkunden unsere Module testen. Dabei finden sich die Anwender sowohl im industriellen Umfeld wie auch in Forschungseinrichtungen und Universitäten.

Das Interview führte Dr. Martin Large, Redakteur IEE

SPS IPC Drives 2018: Halle 9, Stand 370

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