elektronik journal: Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Versorgungssicherheit innerhalb der Elektronik zuletzt entwickelt?

Joachim Kaiser, Glyn: In der Branche kommt es immer wieder zu Allokations-Situationen, aktuell bedingt durch die starke Nachfrage in den Bereichen Automotive und Internet of Things (IoT). Ebenso führt die Hochkonjunktur im Consumer- und Industriemarkt zu einer Verknappung aller Bauteile. Besonders betroffen sind derzeit Bauteile aus den Bereichen Leistungselektronik und Battery-Management sowie einige Mikrocontroller. Am schlimmsten hat es wohl die Passiven Bauteile getroffen, die wir aber nicht im Lieferprogramm führen. Die bei uns am deutlichsten betroffene Familie ist die der Speichermedien. Die Anzahl der weltweit hergestellten Waver ist endlich, und auf eine verstärkte Nachfrage können Hersteller so erst ein halbes oder Dreivierteljahr später reagieren.

Supply Chain

Soll-Prozesse definieren und festlegen: das bedürfnisoptimierte Supply-Chain-Management-System mit Automatisierungskonzept, Logistik-Modulen sowie Controlling aller Automatismen. Glyn

Aufgrund negativer Erfahrungen, die sie in der Vergangenheit gemacht haben, investieren Hersteller nicht sofort in den kostenintensiven Aufbau neuer Produktionskapazitäten, sondern versuchen durch langfristige Planung ihre vorhandenen Produktionsressourcen gezielt einzusetzen. Werden schließlich unterschiedliche Bauteile knapp, führt Vorratshaltung zu einer weiteren, teilweise künstlichen Verknappung.

Vor diesem Hintergrund kann nur eine transparente Liefer- und Informationskette zwischen Hersteller, Distribution und Kunde helfen, Allokationen weitestgehend zu vermeiden. Das bedeutet für alle Beteiligten größtmögliche Digitalisierung und Automatisierung aller Forecast- und Bestellvorgänge über die gesamte Supply-Chain.

Welche Rolle spielen dabei außenpolitische Unwägbarkeiten wie drohende Schutzzölle oder der Brexit und Konzentrationsprozesse bei Halbleiterherstellern und Distributoren?

Gehen wir einmal zum Beginn der Menschheit zurück. Mit einem Alarm à la „Achtung, blutrünstiger Wolf vor dem Höhleneingang!“ sicherte man sich schon damals die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Mit-Steinzeitmenschen. Lautete die Botschaft hingegen „Alles ruhig – in und vor der Höhle!“, hat das schon damals die Höhlenbewohner weit weniger interessiert. Damals wie heute erhalten negative Nachrichten meist eine größere Beachtung als positive. Das scheint ein Urinstinkt zu sein. „Gewinnrückgang“, „Korrektur der Wachstumsprognose nach unten“ – sieht man sich solche Schlagzeilen genauer an, verbirgt sich hier immer noch Gewinn und Wachstum. Solche scheinbar negativen Meldungen wirken sich unserer Meinung nach nur sehr gering auf Allokationszyklen aus.

Doch aufgrund eines starken Kostendrucks sind Konsolidierungen und Merger bei Herstellern und Distributoren oft nicht zu vermeiden. Auch die Erwartungshaltung vieler Kunden, dass technischer Support quasi gratis und unverbindlich von Hersteller und Distributor geleistet wird, führt zwangsläufig zu Konzentrationen dieses Supports auf stärker gewinnbringende Produktbereiche.

Was bedeutet das konkret?

Nehmen Sie zum Beispiel den Bereich der Mikrocontroller, die das supportintensivste Herzstück einer jeden Applikation sind. Hier sind durch Open-Core-Strategien und Miniaturisierung in der Wavertechnologie die Preise in den letzten Jahren stark verfallen. Die Komplexität der Mikrocontroller hat dabei mit oft 1000 Seiten starken Hardware- und Software-Manuals zugleich deutlich zugenommen.

Wer will es da dem Hersteller oder Distributor verübeln, dass er seine Ressourcen auf gewinnbringende Produkte konzentriert? Ohne eine Fokussierung laufen nicht nur die Kosten fort. Es entstehen auch deutliche Support- und Verfügbarkeitslücken.

Was unternimmt Glyn, um durchgängige Verfügbarkeit zu gewährleisten?

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Ein systemkontrolliertes Liefersystem für zeitnahen, genauen und umfassenden Datenaustausch ist die Basis für eine sichere Supply-Chain-Lösung. Glyn

Für Unternehmen ist Verfügbarkeit alles – nichts ist beruhigender als sicher durchlaufende Fertigungsstraßen. Hier bieten wir komfortable Sicherheiten. Als Spezial-Distributor sind wir bekannt für unseren „roten“ Support – technisch wie kaufmännisch. Und als Logistikpartner bieten wir die ganze Welt der Elektronik, egal ob Displays und Systeme, Halbleiter, Speicherlösungen oder andere hochwertige Bauteile. Dabei stehen dem Kunden unterschiedliche, auf das Unternehmen abgestimmte Konzepte für eine sichere Lieferkette zur Verfügung.

Darüber hinaus pflegen wir einen engen Kontakt zu unseren Herstellern. Direkt persönlich sowie automatisiert über unsere EDV-Systeme. So können wir unsere Kunden oft schon vorab informieren, wenn Bauteileknappheit und längere Lieferzeiten drohen oder wenn Produkte abgekündigt werden.

Auch das persönliche Gespräch mit dem Kunden über wichtige Entscheidungsfaktoren sowie eine individuelle, auf den Kunden angepasste Bedarfs- und Lieferplanung als Rahmenvereinbarung – flexibel und zu klaren Konditionen – bietet eine gesunde Basis für eine sichere Supply Chain.

Ein dynamisches Produktionssystem sollte immer mit einem dynamischen Liefersystem harmonieren. Fertigung und Lager auf „gut Glück“, das kann man weder vom Hersteller noch vom Distributor erwarten.

Glyn bietet verschiedene, auf das jeweilige Unternehmen abgestimmte Konzepte für die Lieferkette an. Worin unterscheiden sie sich?

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Entscheidungsfaktoren und System-Module sind festgelegt. Nun gilt es, die Systemunterstützung der passenden Liefersysteme zu wählen, kombinieren und an das eigene ERP-System anzubinden. Glyn

Lassen Sie uns lieber über kundenoptimierte Logistik-Module und systemkontrollierte Liefersysteme sprechen. Denn alle Systeme basieren auf einem möglichst zeitnahen, genauen und umfassenden Datenaustausch. Und dieser kann aufgrund meist hoher Volumen nur elektronisch sein. Wie schon gesagt: Standard-Rahmenvereinbarungen bilden die Basis, denn sie definieren die Versorgung mit den benötigten Komponenten und veranlassen optional die Einrichtung eines Sicherheitslagers mit entsprechender Verpflichtung. Auf Grundlage von Forecast-Zahlen können wir unabhängig von der Wiederbeschaffungszeit, sehr langfristig, also weit über die Wiederbeschaffungszeit hinaus, bei unseren Vorlieferanten disponieren. Auf diese Weise haben wir dann keine Probleme mit einer Erhöhung der Wiederbeschaffungszeit.

Klare und transparente Vereinbarungen kombiniert mit systemkontrollierten Logistikangeboten bieten eine sichere Supply Chain für Entwicklung und Produktion. Damit lässt sich die Versorgungssicherheit erhöhen, während die Prozesskosten reduziert werden. Und die Qualität innerhalb aller Prozesse nimmt zu, während sich die Kapitalbindungskosten verringern.

Der Kunde kann bei Glyn die gewünschte Systemunterstützung mit den passenden Liefersystemen wählen und kombinieren. Wir bieten dazu unterschiedliche Anbindungen an ERP-Systeme an.

Auf der nächsten Seite sind Kriterien für die Herstellerauswahl und die Rolles des Design-Ins Thema.

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