Das wirtschaftliche Klima ist momentan unangenehm. Wie beeinflusst das Distributoren wie Rutronik?

 Andreas Mangler:  Der Automobil-Absatz ist in China wie auch in Europa eingebrochen, beides ist auf die schwierigen internationalen Handelsbeziehungen, aber auch auf den strukturellen Wandel der Industrie zurückzuführen. Elektrik- und Elektronikkomponenten werden zukünftig rund 40 Prozent des Kaufpreises eines Neuwagens ausmachen und somit wird die Bedeutung dieser Entwicklungen für unsere Branche ganz deutlich. Zudem gehen wir davon aus, dass China verstärkt auf eigene anstelle amerikanischer Hersteller und Partner setzt. Das eröffnet uns als europäischem Unternehmen die Chance, uns als Handelspartner in China verstärkt zu etablieren. Der geplante Brexit ist ein weiterer Aspekt, der für Unsicherheit sorgt. Ursprünglich war UK einmal ein wichtiger Markt für die Elektronikindustrie.

Industrie 4.0 und IoT sind in der Realität angekommen. Wo liegen für Sie die Wachstumsmärkte der Zukunft?

Andreas Mangler, Director Strategic Marketing bei Rutronik

Andreas Mangler, Director Strategic Marketing bei Rutronik: „Alle zukünftigen Maßnahmen zur Digitalisierung und Vernetzung in den Anwendungen bergen ein hohes Potenzial für uns.“ Rutronik

Andreas Mangler:  Beides hat immense Einflüsse auf praktisch alle Unternehmen, insofern ist es schwierig, einzelne Wachstumsmärkte zu nennen. Vielmehr kommt es auf die einzelnen Unternehmen an und dass sie sich selbst und ihre Produkte und Services transformieren. Dabei unterstützen wir sie mit unseren Initiativen RUTRONIK SMART und RUTRONIK EMBEDDED, unter denen wir entsprechende Produkte und Technologien für die Umsetzung der Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge gebündelt haben. Alle zukünftigen Maßnahmen zur Digitalisierung und Vernetzung in den Anwendungen bergen ein hohes Potenzial für uns. Allen voran die Sensorik, die die Basis für IoT-Applikationen und die Schnittstelle zwischen der analogen und digitalen Welt ist.

Automotive hebt sich von den restlichen Themen ab. Welche Rolle spielt dieser Markt für Rutronik?

Andreas Mangler:  Eine sehr wichtige, rund die Hälfte unseres Umsatzes entfällt auf den Automobilmarkt. Gleichzeitig ist Rutronik der einzige Distributor, der mit der Automotive Business Unit über einen Bereich eigens für Automotive-Kunden verfügt. Die ABU bietet nicht nur technischen Support zu allen elektronischen Komponenten, sondern agiert auch als strategischer Berater, um den Austausch zwischen OEMs, Tier1- und Tier2-Lieferanten, Dienstleistern und Komponentenherstellern auf Management-Ebene zu fördern.

Welche Schlüsseltechnologien werden sich im Automobilbereich durchsetzen?

Andreas Mangler:  Aus unsere Sicht werden vier Anwendungsbereiche im Automobilmarkt zum Wachstumstreiber: die Elektrifizierung des Antriebsstrangs, das autonome Fahren, die Konnektivität und die neuen verteilten Mobilitätskonzepte. Die Konnektivität ist für die Konsumenten ein entscheidender Faktor. Viele Kunden würden sogar auf ihre bevorzugte Marke verzichten, um eine bessere Konnektivität im Fahrzeug zu bekommen. Bei der Elektrifizierung des Antriebsstrangs geht es nun deutlich voran. Die neuen Mobilitätskonzepte, sei es Flottenmanagement oder die neuen Geschäftsmodelle der Mobilitätsdienstleister, werden den Markt zusätzlich verändern. Wir haben in diesen Anwendungsbereichen allein über 100 neue Zielapplikationen und Steuergerätfunktionen definiert, die notwendig sind, um die Ziele der Automobilindustrie umzusetzen.

Rutronik ist sowohl Distributor als auch Dienstleister. Woher kommt diese Entscheidung?

Andreas Mangler:  Als Distributor ist Rutronik schon immer auch Dienstleister. Wir bieten unseren Kunden verschiedene Value Added Services, die für Kunden alle kostenfrei sind – und die werden immer umfangreicher. Das beginnt bei der Design-In-Beratung, geht über kundenspezifische Beschaffungslösungen bis zu Unterstützung in Sachen Regularien, Produktänderungen und -abkündigungen. Wir erweitern unser Produktspektrum kontinuierlich und richten dies so aus, um für die Zukunft gewappnet zu sein.