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Diese Gründungsmitglieder der Allianz Open Industrie 4.0 sind gerade dabei, Geschichte zu schreiben. Redaktion IEE

Eine illustre Runde lud zur Pressekonferenz auf der Hannover Messe ein: SAP, Beckhoff Automation, Endress & Hauser, Hilscher, ifm und Kuka und Multivac. Entsprechend voll war der Saal, in dem Vertreter der Gründungsfirmen die Zielsetzung skizzierten: Im Kern geht es um die Standardisierung der Kommunikation und Beschreibung der Schnittstellen und Bestandteile einer Smart Factory.

Die Gründer wollen dazu im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung ein Framework beschreiben und umsetzen, das die Interoperabilität aller beteiligten Disziplinen und Geräte sicherstellt. Grundlage für dieses Open Industry 4.0 Framework sind existierende Standards wie IO-Link, OPC UA und die Referenzarchitektur Industrie 4.0, kurz: RAMI. Damit will die Allianz proprietäre Insellösungen überwinden, bei Bedarf vernetzen und der digitalen Transformation der europäischen Industrie einen Schub geben. Mit dem Lösungsansatz, der sich in vier Teile gliedert, will die Gruppe erreichen, dass bis zu 80 % der Maschinen in einer Smart Factory die gleiche Sprache sprechen und Prozess-orientiert zusammenarbeiten.

Gerd Hoppe, Corporate Management, Beckhoff

„Beckhoff begrüßt als Provider offener Steuerungstechnik die Initiative der Allianz zur Definition und Verbreitung einer offenen Applikationsinfrastruktur für Cloud-Technologien im Investitionsgütersektor.“

Die Realität ist davon noch meilenweit entfernt: Proprietäre und verschiedene Standards bei Konnektivität, Datenmanagement, IT-Sicherheit und Kollaboration verursachen Zusatzaufwand und behindern die schnelle und flächendeckende Skalierung der Industrie 4.0. Die Gründer und Mitglieder der Open Industry 4.0 Alliance schaffen nun ein offenes, auf Standards basierendes und kompatibles Angebot über die gesamte Prozesskette, vom Objekt in der Werkhalle bis zum Service im ERP oder in einer Cloud-Infrastruktur.

Offene und interoperable Lösung

Struktur des Frameworks: Zwischen und innerhalb jedes Solution Blocks verhindern standardisierte Technologien proprietäre Insellösungen.

Struktur des Frameworks: Zwischen und innerhalb jedes Solution Blocks verhindern standardisierte Technologien proprietäre Insellösungen. Open Industry 4.0

Das Portfolio besteht aus den vier Bausteinen Device Connectivity, Edge, Operator Cloud und Cloud Central plus Dienstleistungsangeboten. Device Connectivity stellt die Verbindung zu den Maschinen und Sensoren her. Die Edge ist der Knoten für alle wichtigen und lokal notwendigen Funktionen in der Fabrik. Die Operator Cloud ist der zentrale Knoten im Unternehmen des Kunden. Auch diese Operator Cloud hat einen offenen Layer und unterstützt alle unternehmenszentrischen Funktionen und Applikationen. Cloud Central schließlich ermöglicht den bidirektionalen Austausch von Daten (Stammdaten wie auch Messdaten) und Informationen (Dokumentationen oder Reparaturanleitungen) über Unternehmensgrenzen hinweg.

Hans-Jürgen Hilscher, Geschäftsführer von Hilscher

„Unsere Kunden wollen die Versprechungen von Industrie 4.0 in die Tat umsetzen. Dazu dürfen sie von uns einen offenen Ansatz erwarten, mit dem sie mehrere vorhandene Standards bei der Feldbustechnologie verarbeiten können.“

 

Durch die Anbindung an das Lösungsportfolio von SAP sind die Geschäftsprozesse (Fertigungssteuerung, Lagermanagement oder Instandhaltung) eines Unternehmens sowie die Kollaboration über Unternehmensgrenzen hinweg mit Partnerunternehmen gewährleistet. Als eine perfekte Schnittstelle von und zur SAP-Plattform führte Hala Zeine, President Digital Supply Chain and Manufacturing bei SAP, die Verwaltungsschale an.

Erste Elemente sollen bereits 2019 verfügbar sein

Die Gründungsmitglieder bereiten eine erste Leistungsschau mit Lösungselementen für die zweite Jahreshälfte 2019 vor. Die Allianz steht grundsätzlich jedem Unternehmen offen. Der Beleg dafür: Weitere Unternehmen haben bereits kurz nach der Hannover Messe ihre Mitarbeit bekannt gegeben, darunter Balluff, Gebhardt, Pepperl+Fuchs, Schmidtsche Schack, Samson und Wika .In den nächsten Jahren ist eine Expansion über Europa hinaus auch in Wirtschaftsregionen wie Amerika, Mittlerer Osten und Asien-Pazifik-Japan geplant.


SAP setzt auf Verwaltungsschale

Wer auf der Konferenz von Profibus International Ende März in Frankfurt war und den Vortrag von Armin Pühringer, SAP Industry Advisor für Intelligent Enterprise Solutions, gehört hat, bekam einen ersten Einblick in die Sichtweise von SAP. Er referierte zum Thema standardisierte Kommunikation im IoT- und Cloud-Umfeld, wenn auch noch ohne jeglichen Bezug zur Allianz Industrie 4.0: „Die Verwaltungsschale sehen wir als eine wichtige Grundlage, um intelligente Applikationen in der IT mit Daten aus der Produktion zu versorgen“, so Armin Pühringer. Gemeint sind hier neben Asset Management auch Anwendungen wie KI, Machine Learning und Analytics.

Gläserne Fabrik per Verwaltungsschale

Dazu Pühringer: „Wir wollen in der Lage sein, einen Scan über die Anlage zu machen.“ Danach sollen alle Informationen hierarchisch zur Verfügung stehen, nicht nur Live-Daten aus dem Prozess, sondern bei Bedarf die Informationsmodelle von jedem Asset, jeder Komponente, allen Aggregaten, Maschinen und Anlagen, Produktionshallen – bei Bedarf standort- und konzernweit!

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Der Enabler dafür ist die Verwaltungsschale. Deren Vorteil ist, dass sich beliebige Datenquellen als Teilmodelle darstellen und integrieren lassen. Dazu Pühringer auf dem PI Kongress: „Teilmodelle sind ein sehr mächtiges Werkzeug, um beispielsweise beliebige Daten aus unterschiedlichsten Datenquellen auszulesen und zusammenzuführen.“ Mehr noch: Über Verwaltungsschalen ließen sich auch unterschiedliche Plattformen miteinander koppeln, die darüber nicht nur Daten austauschen könnten.

Voraussetzung für den Scan in SAP ist ein Container oder Wrapper für Verwaltungsschalen. Diesen hat SAP als Prototyp in die SAP Cloud Plattform implementiert: einen I4.0 Admin Shell Service. „Wir sind den Schritt gegangen und haben – als Prototyp – die Verwaltungsschale in die SAP Architektur eingebaut“, so Pühringer Jetzt fehlt nur noch eine offene Architektur für die Definition von Verwaltungsschalen, um einen Vendor-Lock-In zu verhindern, der Gerätehersteller und Betreiber auf einen IT-Anbieter festlegen würde.

Die Arbeiten dazu haben wohl gerade in Hannover begonnen.