In der smarten Stadt können überall Sicherheitslücken auftreten.

In der smarten Stadt können überall Sicherheitslücken auftreten. 45429942alphaspirit

Die Zahl der Menschen, die in Städten leben, wächst rasant – momentan präferieren 74 % der deutschen Bevölkerung den urbanen Lebensstil, in OECD-Länder sind es sogar 80 % (World Bank, 2012). Experten sagen voraus, dass 2050 weitere 2,9 Milliarden Menschen in Städten wohnen, dies wird dann 70 % der Weltbevölkerung entsprechen.

Smartphones gehören mittlerweile zum Alltag selbstverständlich dazu. Aber das war erst der Anfang: schrittweise werden Autos, Häuser und letztendlich ganze Städte smart. Doch was bedeutet das? Durch intelligente Systeme, die miteinander vernetzt sind und relevante Daten austauschen, können Anlagen auf gegebene Situationen intelligent – also bestmöglich, ohne das Eingreifen einer Person – reagieren. So lassen sich zum Beispiel Fahrzeuge sicherer machen und insgesamt die Verkehrssteuerung optimal organisieren. Etwa dadurch, dass nicht die sinnvolle Umfahrung von Staus als Ziel anvisiert wird, sondern die Koordination des Verkehrsaufkommens logisch im Sinne der Stauvermeidung erfolgt. Oder die Geschwindigkeit im Verkehrsfluss so zu regeln, dass eine Ampel stets bei Grün erreichbar ist, um so Lärmbelästigung und Abgasausstoß zu vermindern.

Das sind nur einige exemplarische Beispiele, alle jedoch mit der obligatorischen Gemeinsamkeit, dass jedes der beteiligten Systeme intelligent ist – das bedeutet sie müssen in der Lage sein, Daten von anderen Systemen zu empfangen, zu verarbeiten sowie weiterzuleiten. Diese Kommunikation kann zwischen Autos, Verkehrsinfrastruktur wie Schildern oder Ampeln und einer zentralen Verkehrsleitstelle stattfinden. Die hierfür notwendigen Daten werden mittels Computer, Kameras, Radare, Sensoren und Aktoren generiert, die den Zustand des Systems selber, aber auch dessen relevante Umgebung erkennen und verarbeiten können. Des Weiteren ist dann die Vernetzung aller Beteiligten notwendig, die es ermöglicht, die so erhobenen Daten zu verteilen und auszuwerten. Diese Infrastruktur muss unter der Maßgabe geplant werden, dass es sich aufgrund der Mobilität einiger Systeme nicht um ein statisches Gesamtsystem handelt, weil jeweils adaptiv Teilnehmer hinzukommen oder sich wieder entfernen.

Gefahr im Verzug

Im Büro- und Produktionsumfeld sind mittlerweile viele IT-Schwachstellen bekannt, die sowohl zum Versagen einzelner Systeme als auch der Gesamt-IT führen können. Im Regelfall resultieren aus diesen Angriffen nur materielle Schäden, außer bei gravierenden Attacken in der Produktionsumgebung.

Anders sieht das jedoch in der smarten Stadt aus. Hier können überall Sicherheitslücken auftreten – von der Ampel bis zum digitalen Stromzähler – die Kriminellen ermöglichen, bestimmte Systeme zu übernehmen sowie entsprechend zu manipulieren und damit sehr wohl Menschenleben in Gefahr bringen.

Insgesamt gibt es neben der „smarten Verkehrssteuerung“ vielfältige Szenarien, die ein hohes Risikopotenzial beinhalten und so die guten Lebensbedingungen in einer Stadt gefährden können. Peter Tran, Senior Director beim Sicherheitsunternehmen RSA Security, sieht dieses etwa darin, dass miteinander verbundene, smarte Infrastruktursysteme wie Lohn- und Gehaltszahlungen, Bankanbindungen oder die Steuerbehörden zur Zielscheibe von Angriffen werden könnten. Wenn hier mehrere Systeme gleichzeitig ausfallen, Daten gelöscht oder der Datenfluss unterbrochen ist, bestünde etwa die Gefahr, dass ein ganzes städtisches Finanzsystem zusammenbricht.

Themen der nächsten Seite sind die Ursachenforschung und offene Fragen bei den Lösungen

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