Umkehrschluss: Gab es Druck vom Markt, sich weiter zu entwickeln?

"Die sensorlose Überwachung erweitert unser Spektrum massiv in Richtung preissensitiver Anwendungen." Michael Kocher

„Die sensorlose Überwachung erweitert unser Spektrum massiv in Richtung preissensitiver Anwendungen.“ Michael Kocher Redaktion IEE

Michael Kocher: Druck vom Markt gibt es immer, denn die Kosten sind stets Thema. Bislang braucht man einen Encoder, um die Drehzahl sicher zu überwachen. Der Aufwand für dessen Montage und Verdrahtung ist ein weiterer Kostenblock. Deshalb kommt das bei einfachen, kostensensitiven Maschinen mit ungeregelten Antrieben, etwa einer Holz- oder Metallsäge, überhaupt nicht in Betracht. Wenn es kein Feedbacksignal gibt, dann nützt die schönste Überwachung auf Basis eines Feedbacksignals nichts. Das ist die Ursache dafür, dass wir mit unserem bisherigen System in diesem Marktsegment nicht punkten konnten. Das ändert sich jetzt mit der sensorlosen Überwachung, die unser Anwendungsspektrum massiv erweitert.

Lothar Bauknecht: Es löst auch die Probleme mit den Gebern mit serieller oder Feldbusschnittstelle. Hier kommen wir nicht mehr direkt an das analoge Gebersignal heran, da die Messwerte mit einem seriellen Protokoll ausgegeben werden. Bei der sensor­losen Drehfeldüberwachung greifen wir direkt auf die Klemmen des Motors beziehungsweise des Umrichters zu.

Wie präzise ist die Frequenzmessung, die ja ein Maß für die Drehzahl und damit für die Auslösung der Safetyfunktion ist?

Lothar Bauknecht: Das Drehfeld des Motors wird mit einer Genauigkeit von 0,5 % gemessen und ist damit sehr genau. Die Auslösezeit der Sicherheitsfunktion ist allerdings noch von anderen Faktoren abhängig.

Wie schnell reagiert dann der Drehzahlwächter?

Lothar Bauknecht: Dies ist in erster Linie abhängig von der Frequenz, die überwacht wird. Um ein Beispiel zu nennen: Bei 50 Hertz liegen wir bei 60 Millisekunden, bei 100 Hertz sind es dann nur noch 30 Millisekunden Reaktionszeit.

Bis zu welchen Motordrehzahlen kann ihr Modul messen?

Dirar Najib: High-Speed-Spindeln erreichen bis zu 30 000 Umdrehungen und mehr. Das Gros liegt jedoch zwischen 1 000 bis 8 000 Umdrehungen pro Minute. Alle diese Bereiche decken wir ab.

Bei welchen Motortypen funktioniert die Drehfeldüberwachung?

Michael Kocher: Alle AC-Motoren, egal ob Synchron-, Asynchron- oder Servomotoren funktionieren. Es wird auch Situationen geben, wo es aufgrund des Umrichterverhaltens nicht funktioniert. Denn manche Frequenzumrichter erzeugen eigene Prüfsequenzen auf den Motorleitungen, die wir im Detail nicht kennen. Aber wir sind sicher, dass wir die Mehrheit der Antriebssysteme beherrschen.

Immer mehr Umrichter haben die Sicherheitstechnik integriert. Ließe sich im Umrichter nicht auch schon das Drehfeld abgreifen? Gibt es da Interesse seitens der Servohersteller, die Technologie mit zu implementieren?

Wir decken Bereiche von 1 000 bis 30 000 Umdrehungen pro Minute ab.

Wir decken Bereiche von 1 000 bis 30 000 Umdrehungen pro Minute ab. saja seus – fotografie

Dirar Najib: Der Trend ist natürlich da und wir hatten dazu schon die ersten Kontakte.
Markus Henzler: Die Integration im Umrichter spart Kosten und Platz. Zur Integration neuer Technologien müssen die Frequenz­umrichter aber ein Mindestmaß an funktionaler Sicherheit zur Verfügung stellen. Vielfach vorhanden ist die sichere Antriebssperre (STO). Zudem ist die Signalaufbereitung im Frequenzumrichter oftmals nicht zweikanalig ausgeführt. Eine Integration muss deshalb in einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit aller Komponentenhersteller realisiert werden.

Michael Kocher: Gut für unser Geschäft, denn ohne STO-Funktion, lässt sich ein Umrichter nur mit externen Geräten wie unseren sicher stillsetzen. Und auch Umrichter mit STO benötigen zusätzliche Komponenten für die sichere Geschwindigkeitsüberwachung.

Wo die Haupteinsatzgebiete der Drehzahlüberwachung liegen, erfahren Sie auf Seite 3

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